Neue Unternehmenssoftware von SAP

Nach R/3 kommt S/4

SAP stellte heute auf einer SAP-Pressekonferenz an der New Yorker Börse mit S/4 die ERP-Suite der nächsten Generation vor. Das S steht dabei nicht für SAP, sondern für „Simple“. Der Nachfolger von R/3 (1992) bzw. Business Suite (2004) basiert vollständig auf der In-Memory-Plattform Hana und der neuen HTML5-Benutzeroberfläche Fiori für mobile Geräte.

SAP-Mastermind Hasso Plattner (hier bei der Vorstellung der Business Suite on Hana vo zwei Jahren) stellte heute in New York auch S/4 vor

S/4 lässt sich in der Cloud, lokal (On Premise) oder in einer hybriden Umgebung nutzen. Laut Bill McDermott, Vorstandsvorsitzender von SAP, sollen Unternehmen damit „ihre Geschäfte in Echtzeit, vernetzt und einfach abwickeln können“. Dazu nutze die neue Suite die technischen Möglichkeiten von Hana, um alle Beschränkungen der Vergangenheit zu überwinden. Das heißt im Umkehrschluss: Klassische Datenbanken wie Oracle oder DB2, bisher noch bei fast allen SAP-Kunden die ERP-Basis, haben bei S/4 ausgedient.

Ein vereinfachtes Datenmodell

Neu sind auch ein „gesteuerter Konfigurationsprozess“, der die Implementierung vereinfacht, sowie die Benutzeroberfläche für nahezu alle Gerätetypen und Anwenderprofile, ein vereinfachtes Datenmodell oder neu konzipierte Geschäftsprozesse. Menschen, Endgeräte und Geschäftsnetze lassen sich in Echtzeit miteinander verknüpfen – und somit neue Geschäftsmodelle viel schneller entwickeln.

Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), beurteilt das neue Produkt nüchtern. Es eignet sich für „visionäre Unternehmen bzw. Vorreiter, für die innovativ abgebildete Geschäftsprozesse einen großen Wettbewerbsvorteil darstellen. Für den Großteil der Unternehmen dürfte das Produkt noch Zukunft bleiben. Ihre Prioritäten liegen eher auf klassischen Projekten rund um das ERP-System.“

Wie SAP-Produktvorstand Bernd Leukert betonte, steht S/4 auf einer eigenen Grundlage mit neuem Programmcode. Durch das einfachere Datenmodell und die schlankere Programmstruktur erübrigen sich die bisher im ERP-Umfeld notwendigen Aggregate und Zwischentabellen; das ist nicht nur ein regelrechter Performance-Turbo, sondern vermeide auch Update-Konflikte.

Gute DCW-Idee wieder entdeckt

Außerdem greift S/4 eine Idee auf, die bereits SAP-Mitbegründer Dr. Claus Wellenreuther bei seinem Klassiker DCW 1982 implementiert hat: Die Trennung zwischen aktuellen und historischen Daten. Da historische Daten per Definition nicht mehr geändert werden, ist ihre Verwaltung wesentlich einfacher. Und da ein Großteil der ERP-Daten historisch ist, bringt allein diese Vereinfachung einen Performance-Schub um den Faktor 3 bis 5.

SAP Simple Finance, im Juni 2014 vorgestellt, war der erste Schritt in der Roadmap von S/4, das auch das Cloud-Portfolio  von SAP-Unternehmen wie Ariba, Fieldglass und Success Factors erweitern soll. So sollen die Kunden künftig selbst bestimmen, in welchem Tempo sie auf die Cloud umsteigen möchten, „während sie weiterhin von sämtlichen Integrations- und wirtschaftlichen Vorteilen ihrer implementierten SAP-Lösungen profitieren“. Der Wechsel soll mit vordefinierten Migrations- und Implementierungspaketen erleichtert werden.

Weil das neue Produkt sowohl On-Premise als auch in der Private und in der Public Cloud zur Verfügung steht, kann jeder IT-Chef das für sein Unternehmen sinnvolle Betriebsmodell wählen. Wenn es stimmt, was DSAG-Vorstand Gerhard Göttert erwartet: „dass der Funktionsumfang von S/4 für alle Betriebsmodelle identisch ist. Sollten jedoch Einschränkungen – auch im Vergleich zur Business Suite – bestehen, „müssen diese von SAP klar kommuniziert werden“, fordert Göttert.

Schrittweiser Übergang möglich

Aus Sicht der DSAG ist die Tatsache erfreulich, dass Kunden grundsätzlich ein schrittweiser Übergang ermöglicht wird. Göttert sieht der weiteren Entwicklung „gespannt entgegen“ und fordert konkret, „dass SAP u. a. eine echte Wahlfreiheit für die Kunden im Bereich der Datenbanken beibehält. Alternativen zur Hana-Datenbank müssen ohne Funktions- und Leistungseinschränkungen möglich bleiben.“

Der Hype um Hana und S/4 lässt auch Sorgen um die Weiterentwicklung der aktuellen SAP-Produkte aufkeimen. „Die bei den Kunden bereits eingesetzten installierten Lösungen dürfen von SAP nicht außer Acht gelassen werden“, mahnt deshalb DSAG-Vorstand Andreas Oczko. „Bestehende SAP-Produkte müssen im Rahmen der Wartungszusage von SAP bis 2025 signifikant weiterentwickelt werden, da die Kunden hier regelmäßig über die Wartungszahlungen in die Softwarepflege investieren.“ Die SAP-Produkte müssten seitens SAP zumindest gleichberechtigt zu S/4 behandelt werden.

www.sap.de

www.dsag.de

Bildquelle: SAP

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