Red Hat vereinheitlicht Linux-Plattform für SAP Hana

Neue Power-Alternative

Vor sieben Jahren kündigte SAP die In-Memory-Plattform Hana an, die seit Herbst 2015 auch auf der IBM-Plattform Power in Linux-Partitionen läuft. Bisher waren für Power die Linux-Distributionen von Suse, Red Hat und Canonical (Ubuntu) für Power zertifiziert, aber nur Suse Linux für Hana on Power (HoP). Jetzt wird in der SAP-Note „Hana 2235581“ nach Suse auch Red Hat Enterprise Linux als offiziell unterstütztes Betriebssystem auf Power aufgeführt. Damit haben als IT-Chefs, die Hana auf der Power-Plattform nutzen wollen, eine weitere Alternative. Diese Alternative ist insbesondere für Firmen interessant, die strategisch auf eine einzige Linux-Plattform setzen wollen und dabei Red Hat bevorzugen.

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Am 26. September hat Red Hat mit „Enterprise Linux for SAP Solutions“ die sofortige Verfügbarkeit einer Standard-Plattform für SAP-Softwareumgebungen angekündigt, die Red Hats Linux-Angebote für SAP-Applikationen und für Hana auf einer einzigen, konsolidierten Plattform vereint. Das für den SAP-Betrieb optimierte Linux-Betriebssystem bietet mit einem zusätzlichen Hochverfügbarkeits-Feature und mit prädikativer Analytik mehr Leistung und einen besseren Support für heterogene SAP-Softwareumgebungen – inklusive SAP Hana.

Eine Plattform für alle SAP-Projekte

Red Hat Enterprise Linux for SAP Solutions baut dabei auf der RHEL-Version 7.3 und der Erfahrung von Red Hat bei der Bereitstellung von Betriebssystemen für SAP-Umgebungen auf.  „Unternehmen, die ihre heterogenen SAP-Softwareumgebungen zusammenführen möchten, erhalten damit eine einheitliche, bewährte und standardisierte Plattform für Big-Data-Analyse- und -Managementprojekte“, heißt es in der Presseinformation.

Schon auf dem zeitgleich mit der Ankündigung gestarteten DSAG-Jahreskongress in Bremen und auf der Teched Las Vegas 2017 war zu hören, dass RHEL jetzt Hana nicht mehr nur auf Intel-Plattformen, sondern auch auf den Power-Systemen der IBM unterstützt. Das war in sofern nicht verwunderlich, als dass Red Hat ein langjähriger Partner sowohl von IBM (bei der Bereitstellung von Linux auf Power) als auch von SAP (bei der Bereitstellung von Linux als Plattform für die Anwendungen und seit 2014 auch für Hana in der Intel-Welt) ist. Allerdings war bisher Hana auf Power kein Thema, weil Hana als Zeichendarstellung das Ascii-Format „Little Endian“ favorisiert, dass erst seit Power8 auf dem IBM-Server unterstützt wird. Bisher hatte Red Hat mit Enterprise Linux auch auf Power8-Rechnern anfangs nur mit „Big Endian“ gearbeitet.

Power8 räumt Probleme bei der Datenkonvertierung aus

Red Hats Rivale Suse hatte bereits mit Power7 SAP Hana unterstützt – und damit die Nase vorn gehabt. Allerdings war damit auf Power7 der Aufwand der Datenkonvertierung zwischen den Formaten Little- und Big-Endian verbunden.

Das hat sich mit Power8 im Jahr 2014 und mit der SAP-Ankündigung von Hana 2.0 im vergangenen November geändert. Hana 2.0 unterstützt auf Power nur noch „Little Endian“, was beim Upgrade von Suse-Installationen mit Hana eine Datenkonvertierung notwendig macht – aber für eine Einheitlichkeit der Datendarstellung in der Intel- und Power-Welt sorgt. Red Hat beherrscht zwar auch schon seit 2015 „Little Endian“ auf Power8, hatte bisher aber – anders als Suse – noch keinen Hana-Support auf dieser Plattform angekündigt. Erst im August war das Little-Endian-Angebot von Red Hat für Power erweitert worden; dabei hatte IBM avisiert, für künftige Power-Generationen RHEL in der „Big Endian“-Variante nicht mehr zu unterstützen.

Das hat sich nun geändert, denn die Gerüchte aus Bremen haben sich endgültig bewahrheitet. Anfangs wollte Red Hat auf Anfrage von DV-Dialog kein offizielles Statement zu diesen Gerüchten abgeben. Doch dann veröffentlichte SAP Anfang Oktober ein Update der SAP-Note Hana 2235581; demnach wird jetzt auch RHEL 7.3 mit Hana on Power offiziell durch SAP unterstützt.

Wirrwarr bei den Ankündigungen

Grund genug für DV-Dialog, noch einmal bei Red Hat nachzufragen. Und siehe da – dieses Mal erhalten wir eine offizielle Bestätigung, wobei die Formulierung allerdings viele Fragen zur Qualität der Zusammenarbeit aufwirft: „SAP announced this without telling us, so we can confirm that his details from SAP are correct. We support SAP Hana on Power through Red Hat Enterprise Linux for SAP Solutions. At launch time, the certification had not been completed yet, hence why we could not confirm the statement.“

Das heißt auch: Es wird Hana on Power nur im Modus „Little Endian“ unterstützt – also nur das aktuelle Hana 2.0. Für RHEL-Anwender, die ihre Hana-Installation von Intel- auf Power-Plattformen verschieben wollen, ist das keine Einschränkung. Nur, wer Hana 1.0 von Suse Linux auf Power in Richtung Hana 2.0 mit RHEL migrieren will, braucht eine Datenkonvertierung. Die ist aber auch dann notwendig, wenn Hana 2.0 mit Suse auf Power betreiben möchte.

Zu RHEL for SAP Solutions heißt es übrigens in der Presseinformation: „Das neue Angebot vertieft die bereits bestehende Zusammenarbeit von Red Hat mit SAP und erschließt damit optimal das leistungsfähige SAP-Analytics- und Data-Management-Portfolio. Neu hinzugekommen ist die proaktive Analyse- und Real-Time-Intelligence-Software Red Hat Insights, mit der Anwender – unterstützt durch Ansible Automation und Red Hats umfassender Open-Source-Expertise – einen besseren Einblick in die Leistungsfähigkeit ihrer SAP-Softwarelandschaft erhalten und sie optimieren können.“

Dass diese Zusammenarbeit aber noch verbesserungsfähig ist, macht dieses Announcement-Wirrwarr überdeutlich. Bisher spielt Suse, speziell in Deutschland, auch aufgrund der kurzen Dienstwege zwischen Walldorf und Nürnberg die Hauptrolle als SAP-Plattform auf den Power-Servern. Doch das könnte sich nach dem Merger der Suse-Mutter Micro Focus mit der Software-Abteilung HPE ändern, da die Engländer seither ganz klar HPE als Plattform-Partner favorisierien. Beispielsweise ist Suse mittlerweile zum bevorzugten Linux-Partner des IBM-Rivalen HPE avanciert.

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