IBM will 1 Mrd. Dollar in die jetzt gegründete Watson Group investieren

Neue Watson-Services aus der Cloud

Noch kein Big Business mit Big Data – diagnostiziert jedenfalls das Wall Street Journal mit Blick auf den IBM-Supercomputer Watson, der allem Marketing zum Trotz bisher nur rund 100 Mio. Dollar Umsatz gebracht habe. Um das erklärte Ziel von mehreren Milliarden Dollar Umsatz zu erreichen, gründete IBM jetzt eine eigene „Business Unit“ für das Geschäft mit der lernfähigen Analyseplattform, um die sich „mittelfristig“ mehr als 2.000 statt wie bisher einige hundert Leute kümmern sollen.

Michael Rhodin, Senior Vice President der IBM Watson Group, demonstriert am 9. Januar IBM-Forschungszentrum Yorktown Heights einen der neuen Watson-Services.

Die neu gegründete Watson Group steht unter der Leitung von Michael Rhodin, bisher Chef der Software-Sparte des Konzerns. Diese neue Unit, in die IBM in den nächsten Jahren 1 Mrd. Dollar investieren will, soll innovative Cloud-Services entwickeln und verkaufen. Dazu zählen die jetzt vorgestellten Services Watson Discovery (für Projekte in Forschung und Entwicklung in der Pharma- und Biotech-Industrie sowie im Verlagswesen), Watson Analytics (neue Tools zur Visualisierung von Analyse-Ergebnissen) und Watson Explorer (Suche nach neuen Erkenntnissen im Big-Data-Umfeld).

100 Mio. Dollar Venture-Kapital für Watson-Apps

In der avisierten IBM-Investition enthalten sind 100 Mio. Dollar Venture-Kapital für Start-Ups sowie für die Entwicklung kognitiver Watson-Apps. „Eine neue Generation von Watson-Services aus der Cloud wird Industrien und Berufsbilder verändern“, glaubt Rhodin. „Cognitive Computing vertieft und bereichert das Wissen der Anwender, unabhängig davon, ob es sich um die Entschlüsselung genetischer Informationen für bessere Therapieansätze oder unternehmerische Entscheidungen handelt.“

Mit dem Explorer beispielsweise können Daten-basierte Erkenntnisse schneller gefunden und geteilt werden. Er verschafft einen einheitlichen Blick auf die unterschiedlichsten Informationen, hilft bei der Navigation und bietet Suchfunktionen für verschiedene Anwendungen, Datenquellen und -formate – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens.

Über natürliche Spracheingabe gesteuert, bereitet Watson Analytics die Daten auf, weist auf die wichtigsten Zusammenhänge hin und präsentiert die Ergebnisse in einem interaktiven Format. Damit müssen sich die Anwender nicht mehr nur auf vordefinierte Formate oder Statistiken beschränken, sondern können vielmehr ihr eigenes Wissen einbringen und neue Fragen formulieren.

Watson auf drei Pizza-Boxen geschrumpft

Drei Jahre nach dem viel beachteten Einsatz in der US-Quizshow Jeopardy ist die neue Technologie laut Hersteller mittlerweile 24 Mal schneller, um 2.400 Prozent leistungsfähiger und 90 Prozent kleiner geworden – und gleichzeitig sei Watson von der Größe eines Raums auf die Größe von drei Pizza-Boxen geschrumpft worden. Der erste Watson war ja noch ein Cluster von 90 Servern Power 750 mit 2.880 Prozessorkernen und 16 TB Hauptspeicher.

IBM hat in der Vergangenheit mit etlichen Gesundheitseinrichtungen zusammengearbeitet, um mit Watson anhand systematischer Untersuchungen von strukturierten und unstrukturierten gesundheitsrelevanten Daten Entscheidungsfindungsprozesse optimieren. Der Patient profitiert dabei von einer zeitnahen Risikobeurteilung, der frühzeitigen Erkennung und gezielten Behandlung sowie der angepassten Vorsorge.

Bereits im vergangenen Mai wurde mit dem Watson Engagement Advisor ein neues System vorgestellt, mit dem Firmenkunden große Datenvolumina binnen Sekunden untersuchen, auswerten und so Kundenanfragen besser beantworten können. Im August folgte dann die Ankündigung des Konsortiums „Open Power“ gemeinsam mit Google, Nvidia und anderen, im September die Ankündigung eine Milliarde Dollar in neue Linux- und Open Source-Technologien für IBM Power Systems Server zu investieren und im November folgte schließlich die Bekanntgabe der Entscheidung, Watson auch als Entwicklungsplattform in der Cloud zu positionieren und die Programmierschnittstellen (APIs) zu veröffentlichen.

Watson als Kristallisationskern eines neuen „Ökosystems” der IT

Während vom Open-Power-Konsortium seit der Ankündigung rein gar nichts mehr zu hören war, scheint die Watson Developers Cloud auf Akzeptanz zu stoßen. Laut IBM gibt es bisher über 760 aktive Anwenderfirmen. Drei IBM-Partner werden auch namentlich genannt, die bereits im Laufe dieses Jahres eigene Watson-Apps vermarkten wollen.

Dabei handelt es sich um den eCommerce-Spezialisten Fluid Retail aus San Franzisco mit der App Expert Personal Shopper (als Berater bei Kaufentscheidungen), die ebenfalls auf Privatpersonen zugeschnittene App „Café Well Concierge“ von Welltok (zur Kontrolle und Verbesserung des Gesundheitszustandes) sowie MD Buyline aus Dallas. Dieser Supply-Chain-Experte für Krankenhäuser will Klinikpersonal mit der App Hippocrates Entscheidungshilfen bei der kurzfristigen Beschaffung medizinischer Gerätschaften bieten.

Das Ziel der IBM ist klar: Der schlaueste Computer der Welt soll nicht mehr nur Schlagzeilen produzieren, sondern endlich auch Geld verdienen. „Indem wir die kognitiven Fähigkeiten der Watson-Technologie allen Interessierten zur Verfügung stellen, bedienen wir ein neues Ökosystem, das Innovationen, Kreativität und den unternehmerischen Geist weiter fördert“, wurde schon im November Rhodin in der Presseinformation zitiert. „Gleichzeitig machen wir einen großen Schritt in eine neue Ära des kognitiven Computings. Entstehen wird eine neue Klasse von Applikationen, die aus Erfahrungen lernen, mit jeder Interaktion besser werden und dabei helfen, auch hochkomplexe Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft zu beantworten.“

www.ibm.de

Bildquelle: IBM

Die amerikanischen Presseinformationen der IBM:

IBM Forms New Watson Group to Meet Growing Demand for Cognitive Innovations

IBM Watson Group Unveils Cloud-Delivered Watson Services to Transform Industrial R&D, Visualize Big Data Insights and Fuel Analytics Exploration

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