Clayton Dubilier & Rice kauft ERP-Hersteller von KKR

Neuer Eigentümer für Epicor

Die Beteiligungsgesellschaft Clayton Dubilier & Rice will den 1972 gegründeten ERP-Anbieter Epicor Software für 4,7 Mrd. Dollar von KKR übernehmen. Es wird erwartet, dass das Geschäft noch in diesem Jahr abgeschlossen wird. Die Investmentgesellschaft KKR hatte Epicor im Sommer 2016 für rund 3,3 Mrd. Dollar (inklusive Schulden) von Apax Partners erworben. Dieser Investor wiederum hatte im Jahr 2011 ebenfalls rund 3,3 Mrd. Dollar für den ERP-Hersteller bezahlt.

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Epicor gehört als sogenannter Tier2-Anbieter gemeinsam mit Firmen wie Infor, Sage oder IFS zu den Herausfordern des Führungstrios im ERP-Markt – den Tier1-Anbietern SAP, Oracle und Microsoft. Gegründet 1972 als Triad Systems Corporation, wurde das Unternehmen im Jahr 2003 in Activant Solutions Inc. umbenannt und wuchs durch Übernahmen weiter. Im Mai 2011 wurde es dann von Apax Partners aufgekauft und mit der Epicor Software Corporation fusioniert, deren Name blieb.

Während der vier Jahre unter der Regie von KKR hatte Epicor zwar eine Reihe von Übernahmen getätigt, darunter zuletzt die des EDI-Softwareherstellers 1 EDI Source, des CRM-Herstellers Mechanic Net und von Majure Data, einem Hersteller von Lagerverwaltungssoftware für die Holzindustrie. Zuletzt hatte KKR bei Epicor Berichten zufolge eine Dividendenrekapitalisierung in Höhe von 2,75 Mrd. Dollar durchgeführt, wobei 560 Mio. Dollar in die Kassen von KKR geflossen seien.

Zahlreiche Übernahmen

Nach all den Übernahmen wird die Größe Belegschaft mit knapp 4.000 Personen angegeben. Die Zahl der Kunden ist trotzdem mit weltweit mehr als 20.000 unter der vor der KKR-Übernahme, als es schon einmal 22.000 Kunden waren. Zu Umsatz und Gewinn gibt es keine Angaben mehr; auf der Homepage ist im Selbstportrait von rund 800 Mio. Dollar Jahresumsatz und 3.700 Mitarbeitern die Rede. Früher hatte Epicor mit rückläufigen Umsätzen und Verlusten zu kämpfen. Die deutsche Niederlassung befindet sich immer noch in Frankfurt.

Der Operating-Partner von CD&R, Jeff Hawn, wird nach Abschluss der Transaktion als Chairman des Epicor-Boards fungieren. Hawn verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in einer Reihe von Führungspositionen in software- und technologiebezogenen Unternehmen, unter anderem als Chairman und CEO von Quest Software, Vertafore und Attachmate.

Die Übernahme durch CD&R könnte sich als sinnvoll erweisen, da ein Großteil der Epicor- Kunden im Industriesektor zu Hause ist und CD&R über beträchtliche Erfahrung mit Investitionen in diesem Sektor verfügt; CD&R bringt also außer dem Investment auch operatives Know-how und die Erfahrung im industriellen Umfeld ein.

Viele der Portfoliounternehmen von CD&R sind bereits Kunden von Epicor, so dass es durchaus Ähnlichkeiten zur Infor-Übernahme durch den Großkunden Koch Industries gibt, der auch mehr Einfluss auf die ERP-Roadmap nehmen wollte. Darüber hinaus betrachtet CD&R das Softwarehaus aufgrund des langfristig gebundenen Kundenstammes und der wiederkehrenden Einnahmen aus dem Software-Verkauf als ein widerstandsfähiges Unternehmen in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs. Deshalb sind Unternehmen wie Epicor beliebte Übernahmeziele für die Private-Equity-Branche.

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