Drei neue Standards zur Rechnungslegung: DRS 22, 23, und 24

Neuerungen bei der Konsolidierung

Am 15. Februar haben drei neue Deutsche Rechnungslegungsstandards (DRS) Gültigkeit erlangt: DRS 22 (Konzern­eigenkapital, ersetzt den Vorgänger DRS 7), DRS 23 (Kapitalkonsolidierung, statt DRS 4) und DRS 24 (Immaterielle Vermögens­gegenstände im Konzernabschluss). Mit dem Um­fang der Standards wächst der Handlungsbedarf bei den Bilanzierenden ebenso wie durch die Änderungen an bisherigen Vorgehensweisen.

Alle drei Standards sind für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen – d. h., erstmalig bei der Abschlusserstellung Anfang des Jahrs 2018. Wie üblich empfiehlt das „Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee“ (DRSC) eine frühere Anwendung. Viel Zeit bleibt den Bilanzierenden also nicht mehr, sich ausführlich mit den Neuerungen auseinanderzusetzen. Doch was ändert sich konkret in der Anwendung?

Der neue Standard zum Konzern­eigenkapital DRS 22 bringt erheb­liche inhaltliche Ausweitungen sowie einen wesentlich höheren Detaillierungsgrad gegenüber seinem Vorgänger. Diese Erweiterungen dürften den Bilanzierenden überaus willkommen sein. Denn § 297 Abs. 1 HGB schreibt den Eigenkapitalspiegel zwar als obligatorischen Bestandteil des Konzernabschlusses vor, nähere Informationen zur Erstellung und zur Darstellung suchen die Bilanzierenden im Handelsrecht jedoch vergeblich. Mit DRS 22 werden nun ausgewählte, gesetzlich nicht geregelte und auslegungsbedürftige Themenbereiche behandelt. Die wichtigsten Neuerungen sind:

- die rechtsformspezifische Betrachtung von Kapitalgesellschaften und Personenhandelsgesellschaften
- die erstmalige Definition von Begriffen, die im HGB ohne weitere Definition verwendet werden (z. B. ausstehende Einlagen, eigene Anteile und deren Anschaffungskosten sowie frei verfügbare Rücklagen) und die Streichung von Begriffen, die noch im DRS 7 nicht aber im HGB verwendet wurden, z. B. Konzerngesamtergebnis und erwirtschaftetes Konzerneigenkapital
- Regelungen zur Behandlung von Fehlbeträgen bei Tochterunternehmen, zur Behandlung und zum Ausweis von eigenen Anteilen sowie zur Darstellung des Erwerbs und der Veräußerung von Rückbeteiligungen von Tochterunternehmen am Mutterunternehmen
- Erarbeitung von Normschemata im Anhang des Standards mit konkreten Vorgaben für die Gliederung des Eigenkapitals und die Darstellung der Veränderungen in der Betrachtungsperiode.

Neuer Standard zur Kapitalkonsolidierung

Auch DRS 23, der neue Standard zur Kapitalkonsolidierung, weist einen erheblich höheren Detaillierungsgrad auf und geht erstmals auf die Vorgehensweise bei der Konsolidierung in einem mehrstufigen Konzern ein. Eine derarti­ge Stellungnahme wurde von Konzernbilanzierenden lange Zeit herbeigesehnt.

Damit werden nun zahlreiche Einzelfragen als Grundsätze ordnungsmäßiger Konsolidierung festgeschrieben. So spezifiziert DRS 23 z. B. den Zeitpunkt der erstmaligen Einbeziehung von Tochterunternehmen in den Konzernabschluss und enthält Regelungen zu den einzubeziehenden Anteilen an Tochterunternehmen, zum Wert­ansatz dieser Anteile sowie zur Aufstellung von Neubewertungsbilanzen.

Zudem werden Anwendungsfragen zur Erst- und Folgebilanzierung aktiver und passiver Unterschiedsbeträge sowie die Ermittlung einer dauerhaften Wertminderung eines Geschäfts- oder Firmenwerts thematisiert. Weitere Inhalte sind die Auf- und Abstockung von Anteilen an Beteiligungsunternehmen, zusätzliche verpflichtende Anhangangaben sowie das Thema der Übergangskonsolidierung.

Ebenfalls neu ist die Empfehlung zur Aufteilung eines Geschäfts- oder Firmenwerts (GFW) auf vorhandene Geschäfts­felder des Tochterunternehmens (statt der bisherigen Pflicht), eine deutliche Erleichterung für Bilanzierende. DRS 23 sieht außerdem die plan­mäßige lineare Abschreibung des GFW über einen Zeitraum von zehn Jahren vor, soweit die Nutzungsdauer nicht verlässlich geschätzt werden kann oder eine andere Abschreibungsmethode nicht plausibel begründet werden kann.

Soweit der GFW für ein Tochterunternehmen in einer Fremdwährung entsteht, gibt es ein Wahlrecht, ob der GFW in Euro einzig im Rahmen der Konsolidierung entsteht oder bereits in lokaler Währung beim Tochterunternehmen aufgedeckt wird.

Daneben gibt es weitere Neuerungen bei der Kapitalkonsolidierung, der Abbildung von Transaktionen ohne Kontrollwechsel (z. B. beim Erwerb weiterer Anteile), konkrete Regelungen zur Übergangskonsolidierung oder die Festlegung auf die additive Methode zur Berechnung der Beteiligungs- und Minderheitsverhältnisse in mehrstufigen Konzernen, was eine Aktivierung des Geschäfts- oder Firmenwerts auch auf Fremdanteile nach sich zieht.

Obwohl sich DRS 24 bereits im Titel auf die Darstellung immaterieller Ver­mögensgegenstände im Konzernabschluss bezieht, wird es Auswirkungen auf die Praxis im Einzelabschluss geben. Das erklärte Ziel des Standards ist es, eine einheitliche Anwendung der handelsrechtlichen Vorschriften sicherzustellen und die Informationsfunktion des Konzernabschlusses zu stärken.

DRS 24 betrifft nicht nur Konzernabschlüsse

Dabei hilft die verbindliche Definition zentraler Begriffe der Rechnungs­legung. Außerdem werden konkrete Anhaltspunkte für die Abgrenzung des Anlage­vermögens vom Umlaufvermögen vorgegeben. Ebenfalls neu ist die Definition von Ansatzgeboten, Ansatzverboten und Ansatzwahlrechten für die Bilanzierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände. Dazu kommen Empfehlungen für die Behandlung von im HGB nicht geklärten Sachverhalten, z. B. fortgeführte erworbene Forschungsprojekte oder unentgeltlich erworbenes immate­rielles Vermögen.

Vermutlich werden die Standards DRS 22 und DRS 24 weitestgehend positiv aufgenommen, schließen sie doch bisherige Regelungslücken des HGB und bieten den Bilanzierenden konkrete Leitlinien für die Abschlusserstellung. DRS 23 hat dagegen bereits kurz nach der Bekanntgabe durch das BMJV für rege Diskussionen gesorgt.

Als mangelhaft wird die Fest­legung des Standards auf die additive Methode bei einer stufenweisen Konsolidierung angesehen; stattdessen wäre ein Wahlrecht zur Einbeziehung der indirekten Minderheiten wünschens­wert. Auch die fehlenden Regelungen zur Übergangskonsolidierung mit Aufwärtswechsel sind nicht zufriedenstellend. Allerdings wird der Themenkomplex der Übergangskonsolidierung künftig gesetzlich geregelt, nachdem das Justiz­ministerium im Dezember einen Vorschlag zur Überarbeitung von § 301 HGB in Auftrag gegeben hat.

Bildquelle: Thinkstock/iStockphoto

*Florian Zastrow ist Experte für Jahres- & Konzern­-
abschluss, Controlling, Reporting und Steuern bei der Lucanet AG

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok