Industrie 4.0 gibt es nicht von der Stange

Normen für das „Internet der Dinge“

Das Vorhaben der deutschen Normungsorganisationen, bis 2020 Standards für Industrie 4.0 zu ent­wickeln, ist sehr ambitioniert und wichtig für den Industriestandort Deutschland. Im internationalen Wettbewerb um die tonangebenden Normen droht der Standort Deutschland ins Hintertreffen zu geraten, weil er sich in Zukunft vielleicht nach Standards anderer Nationen richten muss.

Das deutsche Vorhaben steht und fällt mit seiner Normierungstiefe. „Normen für Industrie 4.0 dürfen Individualität nicht verhindern!“ Das fordert Torsten Kreis, Experte beim IT-Berater Sopra Steria Consulting. Normen und Standards seien zwar wichtig, aber um eine Bandbreite von der Massenfertigung bis hin zur vielzitierten Losgröße 1 am Standort Deutschland zu ermöglichen, müsse der Normierungs­rahmen genug Spielraum für individuelle Anpassungen gewährleisten.

Individualität der Lösungen nicht verhindern

„Die Herausforderung besteht darin, dass die Normen im wahrsten Sinne des Wortes nur den normativen Rahmen vorgeben dürfen, z.B. bei der ‚Machine-to-Machine‘-Kommunikation“, erklärt Kreis. Das Ideal „Industrie 4.0“ werde keinesfalls per vollständiger Standardisierung aller Anwendungsfälle und Prozesse realisiert. Denn gerade dort wolle sich jedes Unter­nehmen und jeder Industriestand­ort vom Wettbewerb unterscheiden und nicht in Niedriglohnländern ko­piert werden. Stattdessen seien dezentrale und offene Normen notwendig, die einen Ausbau der konstruktiven und kreativen Wettbewerbsvorteile ermöglichen.

Die Fokussierung auf ein allgemeines Normenrahmenwerk ermöglicht darüber hinaus auch einen früh­zeitigeren Abschluss der Entwicklung. Denn die Festlegung auf einen Zeithorizont bis 2020 bringt mehrere Risiken mit sich. Bis dahin könnten tonangebende Unternehmen (wie etwa Google mit seinem Google Car) bereits viel weiter sein. Somit wären die hiesigen Standards schon überholt, bevor sie eingesetzt werden könnten.

www.soprasteria.de

Bildquelle: Thinkstock

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