Verdi „leakt“ Mitarbeiterzahl der IBM Deutschland

Nur noch 12.000 IBMer an Bord

In der aktuellen Tarifrunde bei IBM ruft Verdi am kommenden Dienstag, dem 1. Oktober, in Böblingen zu einer Protestaktion für die insgesamt rund 12.000 Beschäftigten des Konzerns auf. Das wäre keine Meldung für IT-Zoom, wenn die sicherlich gut informierten Gewerkschaftler nicht auch die Größe der Belegschaft von IBM Deutschland erwähnt hätten, denn diese Zahl ist schon seit vielen Jahren ein gut gehütetes Geheimnis des US-Konzerns.

Bildquelle: Gerd Altmann / Pixabay

Schon seit Jahren kommuniziert IBM die Größe der Belegschaft bei nationalen Tochterfirmen nicht mehr, sondern nur noch die Zahl der beschäftigten Köpfe weltweit; im letzten Geschäftsbericht steht hier nach etlichen Entlassungswellen die Zahl 350.600. Ein Grund für die Zurückhaltung dürfte sein: Seit dem Jahr 2012 ist die Belegschaft (damals weltweit 434.250 Personen) kontinuierlich geschrumpft.

Remixing the workforce“

Im Jargon der IBM USA ist immer wieder von einem „Remix of the workforce“ oder „rebalancing“ die Rede. Nicht mehr benötigte Experten werden entlassen statt umgeschult; dafür werden dann günstigere, junge Kräfte eingestellt, die natürlich noch unerfahren sind.

Genau das gilt auch für Deutschland, wo IBM-Chef Matthias Hartmann im Sommer 2018 dem Handelsblatt sagte, dass er nach Jahren des massiven Stellenabbaus in Deutschland, Österreich und der Schweiz bis 2021 bis zu neue 2.200 Stellen einrichten wolle. Gesucht werde vorwiegend im Bereich der Dienstleistungen, vor allem Berater. „Hier spielen die neuen Technologien eine wichtige Rolle wie Künstliche Intelligenz, die Blockchain, bei der Datenbanken sicher und transparent verwaltet werden, und die Mietmodelle im Internet – also die Cloud-Architektur“, ließ Hartmann noch im Dezember verlauten – ohne die Größe seiner Belegschaft zu nennen.

Laut Verdi wurde aber die 2012 aus USA vorgegebene Zielzahl mittlerweile offenbar erreicht. Im Frühjahr 2012 kursierte ja das später von der damaligen IBM-Chefin Martina Koederitz höchstpersönlich dementierte Gerücht, dass in Deutschland 8.000 der insgesamt 20.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Das war 2012. Nach den Restrukturierungsmaßnahmen von 2005 waren 2006 noch etwa 22.000 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt, zuvor waren es noch etwa 25.000 gewesen – also mehr als doppelt so viele wie heute.

Kontinuierlicher Abbau von Arbeitsplätzen

Anfang 2016 wurden erneut Pläne zum Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland bekannt; die Zahl der wegfallenden Arbeitsplätze wurde damals mit etwa 1.000 angegeben. Und auch 2017 ging es mit den Entlassungen weltweit und auch in Deutschland weiter, wobei in einer juristischen Einschätzung die Gewerkschaft Verdi den Umgang der IBM mit ihren Beschäftigten „skandalös“ nannte. Allein schon deshalb war Hartmann Statement im Sommer 2018 bemerkenswert.

Die Frage ist: Sind die schlechten Zeiten für IBM Deutschland vorbei, weil Hartmann 2.200 Mitarbeiter für Zukunftsprojekte einstellen will? Denn inwieweit zum Beispiel nach der rund 34 Mrd. Dollar schweren Übernahme von Red Hat, mit der am 9. Juli ungefähr 13.400 Beschäftigte weltweit zur IBM stießen, weitere Entlassungen vorgenommen werden, ist noch nicht bekannt.

Bildquelle: Gerd Altmann / Pixabay

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