Der Sitz der Orbis AG in Saarbrücken.
Wie aus einem Fusionskontrollverfahren des Bundeskartellamtes(Aktenzeichen B7-62/21) hervorgeht, plant die Hörmann Digital Beteiligungs GmbH, Steinhagen den Erwerb weiterer Anteile an der Orbis AG, um die alleinige Kontrolle darüber zu erhalten. Hörmann hatte am 23. März 2021 durch den Erwerb von 116.795 Orbis-Aktien bereits die Kontrolle erlangt – und den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot von 7,50 Euro pro Aktie unterbreitet.
Seit gut einem Jahr war das mehr als 1 Mrd. Euro Jahresumsatz starke Familienunternehmen mit rund 28 Prozent beteiligt und damit größter „Anker“-Aktionär. Damals wurde der Einstieg damit begründet, dass Hörmann „einen langfristig engagierten Partner zur Absicherung der eigenen Wachstumsstrategie“ braucht. Orbis solle weiterhin frei am Markt agieren und sich auf den Ausbau des Consulting- und Produktgeschäftes konzentrieren. Im Rahmen der Digitalisierung wollen die Unternehmen gemeinsames Know-how in innovative Themen einbringen, von denen auch die Kunden profitieren.
Die Motivation klingt bekannt, denn aus ähnlichen Gründen hatte der US-Konzern Koch Industries als langjähriger Großkunde den ERP-Hersteller Infor übernommen. Auch Hörmann ist langjähriger und bedeutender Kunde von Orbis. Die Unternehmen arbeiten bereits seit mehr als 15 Jahren in IT-Projekten sowie im Support zusammen. Nun soll Orbis Hörmann als präferierter Partner beim Ausbau der IT-Strategie und der Digitalisierung von Prozessen beraten. Ein Ziel der Zusammenarbeit ist außerdem der gemeinsame Ressourcenaufbau im Rahmen der Internationalisierungsstrategie beider Unternehmen.
„Orbis unterstützt uns seit vielen Jahren erfolgreich in Projekten und im Support. Wir freuen uns auf eine noch engere Partnerschaft auf Augenhöhe, da in den kommenden Jahren noch viele Vertriebs- und Produktionsgesellschaften mit SAP- und Microsoft-Technologie ausgerüstet werden“, wurde Martin J. Hörmann, persönlich haftender Gesellschafter von Hörmann, am 14. Februar 2020 beim Erwerb der Beteiligung zitiert.
Bei Orbis sieht man in der Beteiligung von Hörmann eine langfristige Absicherung des Unternehmenserfolgs; gemeinsame Innovationsprojekte könnten den Know-how-Aufbau im schnelllebigen IT-Umfeld forcieren. Hörmann ist mit 14 deutschen Niederlassungen, über 100 eigenen Vertriebsstandorten in mehr als 40 Ländern und durch Vertriebspartner in über 50 weiteren Ländern vertreten. Auf IT-Seite setzt Hörmann auf Standardsoftware wie SAP, aber auch auf Eigenentwicklungen auf Basis von IBM i.
Orbis verzeichnete laut Geschäftsbericht 2020 auf Konzernebene einen Umsatzanstieg (konsolidierter Umsatz inklusive der Akquisition der Data One GmbH) gegenüber dem Vorjahr um 18,9 Prozent auf 85,897 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) erhöht sich deutlich um 19,1 Prozent auf 4,283 Mio. Euro.Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit ist mit 11,792 Mio. Euro deutlich positiv und höher als im Vorjahr (4,143 Mio. Euro). Die liquiden Mittel im Konzern betrugen zum Bilanzstichtag gut 26 Mio. Euro (Vorjahr: 10,5 Mio. Euro). Der Mittelzufluss resultierte auch aus Einzahlungen im Rahmen der Kapitalerhöhung in 2020. Die Eigenkapitalquote zum 31. Dezember 2020 lag bei 49,7 Prozent.
Bildquelle: Orbis AG