Sycor und Allgeier Enterprise Services planen eine Fusion

Otto Bock stellt die Weichen neu

Anfang November hat das Healthcare-Unternehmen Otto Bock für die Göttinger IT-Tochter Sycor die geplante Fusion mit dem IT-Dienstleister Allgeier Enterprise Services bekannt gegeben.

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  • Dr. Marko Weinrich verließ Sycor im Vorfeld der Fusion mit Allgeier.

    Dr. Marko Weinrich verließ Sycor im Vorfeld der Fusion mit Allgeier.

  • Prof. Hans Georg Näder, Geschäfts­führender Gesell­schafter bei Otto Bock

    Prof. Hans Georg Näder, Geschäfts­führender Gesell­schafter bei Otto Bock

Anfang November hat das Healthcare-Unternehmen Otto Bock entscheidende Weichen neu gestellt. Bei dem Familienunternehmen aus Duderstadt, das erst im Sommer 2017 EQT als Investor mit 20 Prozent Beteiligung an Bord geholt hatte, löste am 5. November Philipp Schulte-Noelle interimistisch Dr. Oliver Scheel als CEO ab, der das Amt erst seit dem 15. Januar 2018 inne hatte und verantwortlich war für das Tagesgeschäft von Otto Bock.

Sycor: Nunmehr Fusion statt Verkauf geplant

Auch für Sycor, die Göttinger IT-Tochter von Otto Bock, gibt es seit November neue Perspektiven. Bereits im Februar 2017 hatte Prof. Hans Georg Näder als Inhaber der Ottobock-Holding mit­geteilt, den CRM-Experten 20 Jahre nach der Gründung verkaufen zu wollen. Er suchte einen Investor, der zu Kultur und Werten von Sycor passt.

Das brachte die Mitarbeiter auf die Idee, Sycor selbst zu kaufen. Nachdem sie Prof. Näder ihr Konzept einer „Employee Owned Company“ (kurz EOC) vorgestellt hatten, wurden auch sie eingeladen, ein Angebot abzugeben.

Näder, der Sycor seinerzeit gemeinsam mit den beiden langjährigen Geschäftsführern Rüdiger Krumes und Dr. Marko Weinrich gegründet hatte, konnte sich zwar mit einem lupenreinen EOC nicht anfreunden, wohl aber mit der EOC-Idee im Zusammenspiel mit einem strategischen Investor.

Allgeier als strategischer Investor

Den fand er nun mit dem Münchener Systemhaus Allgeier, das seine Tochter Allgeier Enterprise Services mit Sycor fusioniernen will. Immerhin bedeutet das einen erklecklichen Expansionssprung, hatte Sycor doch 2017 mit inzwischen mehr als 750 Mitarbeitern den Jahresumsatz um knapp 20 Prozent auf 85,1 Mio. Euro gesteigert. Vollzogen ist die Fusion noch nicht; man einigte sich aber in einem „Letter of Intent“ darauf.

„Gemeinsam können die beiden Firmen mit über 1.500 Mitarbeitern und einem für das Gesamtjahr 2018 erwarteten Umsatzvolumen von mehr als 220 Mio. Euro ihre Zukunftsaussichten am Markt erheblich verbessern“, heißt es in einer Presseinformtion. „Das Portfolio der beiden Firmen ergänzt sich optimal, um die vornehmlich mittelständischen Kunden mit innovativen IT-Lösungen erfolgreich durch deren digitale Transformation zu begleiten.“

Über den Kaufpreis wurde ebenso wenig bekannt wie über die Beteiligungsverhältnisse. Bekannt ist nur, dass der Name der neuen Firma in Form einer SE den Marken­namen Sycor enthalten soll und dass die Geschäfte vom Hauptstandort Göttingen aus geführt werden.

Allgeier Enterprise Services erzielte mit etwa 750 Beschäftigten im letzten Jahr einen Umsatz von 105 Mio. Euro. Dass man auf die Ressourcen von Allgeier SE zurückgreifen kann, verschafft den künftig gemeinsam tätigen Firmen weitere Verbundvorteile. Allgeier SE, mit Sitz in München, ist an mehr als 120 Standorten in Europa, Asien und Amerika tätig und erzielte im Geschäftsjahr 2017 mit rund 8.000 Mitarbeitern und mehr als 1.400 freiberuflichen Experten einen Konzernumsatz von 574 Mio. Euro.

„Durch diesen Zusammenschluss ergeben sich für Sycor die besten Wachstumsvoraussetzungen“, ordnet Sycor-Geschäftsführer Jochen Schwiersch, der die Nachfolge von Mitbegründer Marko Weinrich angetreten hat, die neue Situation ein. „Allein durch die geplante Fusion sehe ich uns bereits unter den führenden mittelständischen deutschen Unternehmen im IT-Beratungsmarkt.“

Der Mitbegründer und langjährige Geschäftsführer von Sycor, Rüdiger Krumes, ergänzt: „Gemeinsam möchten wir nun das Ziel verfolgen, Marktführer in diesem Segment zu werden. Das Portfolio der beiden Häuser bietet dazu die beste Voraussetzung, da es sich im Sinne der Ansprüche unserer Kunden optimal ergänzt.“

Allgeier als Mehrheitspartner

Nach der momentan noch in Prüfung befindlichen Fusion wird das Port­folio unter der Führung von Allgeier als Mehrheitspartner auch zukünftig Beratungsdienstleistungen von der Strategie- und Prozessberatung bis zur Komplett­einführung sowie Managed-Services in den Bereichen Application-Management, Hosting und Cloud umfassen. Von der Implementierung, Optimierung, Erweiterung bis hin zum Betrieb will man so Mittelständlern und Konzernen helfen, die Leistungsfähigkeit ihrer IT sicherzustellen.

„Mit einer auf Innovationen und Zukunftstrends ausgerichteten Wachstumsstrategie ergreifen wir zukünftig gemeinsam die Chancen der Digitalisierung“, unterstreicht Hubert Rohrer, Vorstand bei Allgeier SE und Allgeier Enterprise Services, das Interesse an dieser Fusion. „Zunächst werden die beiden Unternehmen weiter eigenständig am Markt agieren. In Zukunft wird man im Sinne der Kunden und Mitarbeiter gemeinsam von den Vorteilen der Größe, der Internationalität und des komplementären Know-hows unter der Marke Sycor und vom Firmensitz Göttingen profitieren“, so Rohrer weiter.

Einigung im Sinne eines Letter of Intent

Ein gewichtiger Entscheidungspunkt für Sycors Verhandlungsteam, das der Eigentümer Prof. Näder persönlich angeführt hat, war die Aussicht, dass bei dieser geplanten Fusion die Marke Sycor, die auf Mitarbeiterorientierung basierende Kultur und alle bisherigen Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Ein besonderes Augenmerk legte Prof. Näder vor allem auf das von Mitarbeitern der IT-Tochter in einer privaten Initiative erarbeitete Konzept für den Kauf der Firma durch die Belegschaft. „Das Interesse und das Engagement der Sycor-Mitarbeiter hat mich beeindruckt. Aber die sich insgesamt durch die Fusion mit Allgeier ergebenden Vorteile für Sycor, und insbesondere für die Mitarbeiter der Sycor, haben am Ende den Ausschlag gegeben“, führte Prof. Hans Georg Näder dazu aus.

Sycor und Allgeier Enterprise Services werden auch künftig in den für Kunden und Mitarbeiter gewohnten Einheiten am Markt agieren und Größenvorteile und Synergien nutzen. Gemeinsam verfügen sie über 50 Standorte in der Region DACH, in Frankreich, Dänemark, China, Singapur, Kanada und den USA, die sich vor allem an SAP- und Microsoft-Kunden wenden.

Prof. Näder hält den IT-Markt insgesamt und insbesondere auch das zusammengeschlossene Unternehmen für so attraktiv, dass er auch weiter Anteile daran halten wird: „Mit den Aussichten auf den für 2018 erwarteten Umsatz der Sycor von 100 Mio. Euro und der Stärke der Firma Allgeier stellen wir jetzt die Weichen für eine erfolgreiche und große Zukunft.“

Rückblick auf die Anfänge von Sycor

 Im Jahr 1994 erhielt die achtköpfige IT-Abteilung bei Otto Bock den Auftrag zur Einführung der Unternehmenssoftware SAP R/3 mit allen Modulen auf einem zentralen System in Duderstadt.

In den Folgejahren wuchs durch diese System­einführung, aber auch durch Roll-Outs in weltweit 15 Lokationen das Know-how. Die IT-Abteilung regte ein weltweites Logistikkonzeptes für Otto Bock an und begann mit dessen Verwirklichung.

Nachdem im Jahr 1997 eine konzernweite Telekommunikationslösung in den IT-Bereich integriert worden war, entstand bei den beiden DV-Abteilungsleitern Dr. Marko Weinrich und Rüdiger Krumes die Idee zur Gründung eines IT-Dienstleisters. Im Februar des Jahres 1998 war es soweit: Sycor wurde gegründet und die IT-Abteilung von Otto Bock in die neue GmbH integriert.

Von Duderstadt aus nehmen zunächst 14 Mitarbeiter im März die Arbeit auf. Die Geschäftsführer der sten Stunde waren Weinrich und Krumes. Der Umzug nach Göttingen in das Gebäude am Bahnhof mit eigenen Rechenzentren legte dann 1999 den Grundstein für den Wachstumskurs.  

Bildquelle: Thinkstock / iStock, Sycor

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