Carlo Pacifico, Regional Vice President EMEA Central bei Outsystems
Erste Impressionen von „Project Neo“
Bereits heute nutzen nach Firmenangaben mehr als 14 Mio. Menschen Applikationen, die mit der Outsystems-Plattform erstellt wurden. Das sind mobile Apps oder Websites für Endkonsumenten, aber auch Arbeitsgruppen-Apps und Erweiterungen von Core-Systeme auf Basis von IBM i, Microsoft, SAP und Salesforce. Die neue Plattform mit dem vorläufigen Namen „Project Neo“ soll als zweites Produktangebot parallel zur bestehenden Low-Code-Plattform angeboten werden, die seit 2019 in der Version 11 angeboten wird. Noch ist das Produkt nicht fertig; es soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden. Dann gibt es auch Informationen zum Preismodell.
Entwickler können Outsystems 11 kostenlos testen und bereits heute eine Preview-Version von Project Neo erhalten, so dass sie die für ihr Unternehmen jeweils am besten passende Cloud-native, Multi-Cloud- oder On-Premises-Lösung auswählen können.
„Project Neo“ wird von CEO und Firmengründer Paulo Rosado als die nächste Stufe einer Cloud-native Entwicklungsplattform bezeichnet, die eine Entwicklung individueller Cloud-Apps mit dynamischer, globaler Skalierbarkeit und Unterstützung für modernes Continuous Integration / Continuous Delivery unterstütze. Sie kombiniere die Produktivitätsvorteile visueller, modellbasierter Entwicklung mit der Skalierbarkeit und Flexibilität einer Container- und Kubernetes-basierten Architektur – im ersten Schritt auf Basis von Amazon Web Services (AWS). Außerdem werde die neue Plattform kontinuierlich mit neuester Cloud-Technologie aktualisiert, und zwar ohne Beeinträchtigung für bestehende Anwendungen im Produktivbetrieb.
Laut Carlo Pacifico, Regional Vice President EMEA Central bei der portugiesischen Software-Schmiede, wird die Architektur der neuen Plattform von Grund neu auf mit dem Ziel entwickelt, den aktuell drängendsten Herausforderungen von Unternehmen zu begegnen: Change-Management und digitale Transformation, dem Mangel an Software-Entwicklern und der notwendigen Software-Modernisierung. Das neue Produkt kombiniere die Vorteile einer visuellen, modellbasierten Entwicklung mit einer Container- und Kubernetes-basierten Cloud-Architektur, die auf AWS gehostet wird.
So kann der Kunde „jede beliebige App entwickeln und sie beliebig skalieren“, verspricht Rosado. Er will die Entwickler aus dem Käfig der Komplexität befreien, der „ihre Fähigkeit zur Innovation und Differenzierung erheblich einschränkt“. Mithilfe der neuen Tools „können Entwickler ihre Kreativität für das Unternehmen einsetzen und einen massiven Wettbewerbsvorteil schaffen, statt ihr Talent in das Reparieren, Ändern und Warten von Code und veralteten Systemen zu stecken“. Durch die Demokratisierung der Entwicklung ließen sich Legacy-Applikationen in die Cloud verlagern, neue Applikationen entwickeln oder Initiativen zur digitalen Transformation starten, die sich auf alle Bereiche ihres Unternehmens auswirken – von internen Prozessen bis hin zu mobilen Apps.
Project Neo automatisiert dazu die Dev-Ops-Prozesse, verwaltet die Cloud-Laufzeitumgebung, dokumentiert den Code automatisch, löst Code-Abhängigkeiten auf, führt Regressionstests durch, setzt Architekturstandards um, fügt neue Plattformfunktionen hinzu und hält das gesamte System im Minutentakt auf dem neuesten Stand. Entwicklern können Änderungen an Applikationen innerhalb von Stunden statt Tagen oder Wochen umsetzen, so Carlo Pacifico. Damit seien mehrere kritische Änderungen pro Tag möglich, ohne technische Schulden zu erhöhen.
Kurz zuvor hatte Outsystems bereits die Tisax-Zertifizierung der Plattform bekannt gegeben. Tisax steht für „Trusted Information Security Assessment Exchange“, wurde 2017 vom Verband der Automobilindustrie (VDA) in Leben gerufen und wird seither von der ENX Association betrieben. Es handelt sich um ein Prüfmodell für ein einheitliches Informationssicherheitsniveau in der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferkette. Vom Hersteller über Zulieferer bis hin zu Dienstleistern stellt es einen standardisierten Fragenkatalog bereit und ermöglicht damit die branchenweite Anerkennung der Prüfergebnisse.
Detaillierte Produktinformationen, vertrauliche Prototypen – in der Automotive-Branche verarbeiten Hersteller und Zulieferer nicht selten hochsensible Daten. Dass deren Applikationen einem standardisierten Schutzniveau gerecht werden, soll der auf der ISO-Norm 27001 basierende Prüfstandard Tisax bestätigen. Nach diesem ist nun „Sentry“ zertifiziert worden, das erweiterte Cloud-Angebot von Outsystems. Zusätzliche Sicherheit, Risikomanagement und Überwachung sind die Grundlagen dieser mit SOC2-konformen Cloud-Plattform. SOC2, ein Kürzel für „Service Organization Control“ 2, ist ein Standard, auf dessen Basis Service-Organisationen Berichte zum Status bestimmter interner Kontroll-Parameter erstellen können. Dieser Standard beschreibt Sicherheit, Verfügbarkeit, Integrität der Verarbeitung, Vertraulichkeit und Datenschutz.
Das Softwarehaus Outsystems, 2001 in Portugal gegründet, bedient heute nach eigenen Angaben mit rund 1.600 Mitarbeitern über 400 Partnern und „Tausende aktiver Kunden“ aus über 20 Branchen in knapp 90 Ländern. Zu diesen Kunden zählen auch IBM-Anwender wie Green Cargo, Mazda oder Vopak. Mazda entschied sich 2018 für die Low-Code-Plattform, weil Oracle seinerzeit angekündigt hatte, dass für den Support und die Nutzung von Updates und Security-Patches der Java Standard Edition (Java SE) ein kostenpflichtiges Lizenzabonnement benötigt werde. Mazda hatte auf Basis des bisher kostenlosen Frameworks mit Java8 rund 500 Legacy-Systeme entwickelt, die bis 2024 migriert werden müssen. Das erfolgt laut Carlo Pacifico über eine Neuentwicklung mit Outsystems. Die bisherigen Resultate: Die Entwicklungsproduktivität sei vervierfacht vervierfacht worden – und bei den Migrationskosten werden Einsparungen im Millionenbereich erwartet.
Vopak, der größte unabhängige Tanklagerbetreiber der Welt, wurde Ende 2014 mit der Ankündigung von Oracle konfrontiert, den Support für das bis dato genutzte ERP-System JD Edwards im Jahr 2024 einzustellen. Bei Vopak musste man die IT-Strategie neu überdenken. Bei Tests wurde festgestellt, dass Standardsoftware zu restriktiv war, um alle Anforderungen zu erfüllen. Der Wettbewerbsvorteil besteht gerade darin, sich schnell an die Anforderungen der Kunden anzupassen. Gefragt war statt Standard ein Ansatz, der diese Flexibilität gewährleistet.
Statt ein komplexes ERP-System durch ein anderes zu ersetzen, nutzt man nun einen gemischten Ansatz, implementierte nicht-differenzierende SaaS-Systeme wie Finanz- und Personalwesen, baute aber das Terminal-Management-System (TMS) individuell auf. Das Projekt startete 2016; derzeit ist bereits die TMS-Version 10 in Arbeit, die bis Ende 2021 an 28 Terminals weltweit in Betrieb genommen werden soll. Der Hauptvorteil neben einer Effizienzsteigerung um 50 Prozent: Änderungen erfolgen nun in Wochen statt Monaten, was die Reaktionsfähigkeit bei Marktveränderungen drastisch verbessert.
Der schwedische Bahnlogistik-Anbieter Green Cargo nutzte die Low-Code-Plattform zur Ablösung des IBM-basierten Logistiksystems sowie einer stark angepassten SAP-Lösung. Ein Ablösung hätte Millionen verschlungen. Die IT will die Kerninfrastruktur weiterentwickeln – und zwar auf einem evolutionären Weg zur Minimierung von Unterbrechungen. Mittel zum Zweck ist nun ein Low-Code-Ansatz für Design, Test und Entwicklung neuer Anwendungen, die sich in die Kerninfrastruktur integrieren und in einer hybriden, Multi-Cloud-Umgebung arbeiten sollen. Außerdem werden damit nun auch mobile Apps für die Mitarbeiter im Betriebshof, für das Kundenportal und für Vertrieb und Service entwickelt.
Bildquelle: Outsystems