Koch Industries schließt Akquisition des ERP-Herstellers ab

Restart für Infor

Am 6. April 2020 meldete der Mischkonzern Koch Industries, dass der im Februar angekündigte Erwerb des verbleibenden Teils am Software-Konzern Infor vom Gründungsinvestor Golden Gate Capital abgeschlossen ist.

Bildquelle: Olivier Le Moal / iStock / Getty Images Plus

Anfang 2017 hatte sich Koch Industries, einer der größten Kunden von Infor, für 2,68 Mrd. Dollar mit einer 66,67-prozentigen Beteiligung bei seinem Softwarelieferanten eingekauft, um sich dessen Hilfe bei der Umsetzung seiner eigenen Digitalisierungsstrategie und bei der Modernisierung seiner IT-Systeme zu sichern. Der zuvor geplante Börsengang von Infor ist offenbar vom Tisch.

Summit Partners nicht mehr dabei

Die finanziellen Bedingungen der jüngsten Transaktion wurden bisher nicht bekannt gegeben. Nur soviel ist klar: Der Investor Summit Partners, der durch die Lawson-Übernahme 2012 Miteigentümer von Infor wurde und es auch 2016 noch war, ist mit oder nach dem Einstieg von Koch ausgestiegen. Vermutlich geschah das im Januar 2019, als Koch neben Golden Gate Capital weitere 1,5 Mrd. Dollar in Infor investierte.

Wieviel Koch jetzt konkret für die restlichen Anteile bezahlt und wie groß die jetzt verkaufte Minderheitsbeteiligung ist, wurde bisher nicht publiziert. Marktkenner beziffern den Wert von Infor aktuell mit rund 13 Mrd. Dollar – und taxierten die Beteiligung von Koch – nach zwei milliardenschweren Investitionsrunden seit 2017 – auf 70 Prozent.

Durch die Übernahme will Koch erklärtermaßen die eigene digitale Transformation beschleunigen. Infor wiederum kann seine Software-Expertise für Branchen wie Fertigung, Einzelhandel und Vertrieb weiter ausbauen, außer bei ERP-Systemen auch in den Bereichen Personalwesen, Supply-Chain, Asset-Management und Finanzen.

Begehrte Interoperabilitätslösungen

Darüber hinaus sollen Infors Healthcare-Operations-Plattform und die Interoperabilitätslösungen das Engagement von Koch Industries im Gesundheitswesen voranbringen. Einige Unternehmen aus dem Mischkonzern produzieren dafür vernetzte Geräte und sind zudem in der Reinigung medizinischer Produkte und in der Krankenhausversorgung tätig.

Der seit seiner Gründung –  im Jahr 2002 noch unter dem Namen Agilisys – im Midrange-Markt aktive ERP-Hersteller Infor (kaufte Anfangs u.a. auch Brain, Infor und Varial in Deutschland) firmiert jetzt als eigenständige Tochtergesellschaft von Koch Industries, operiert aber auch künftig unter dem 2019 neu formierten Managementteam von seinem nach dem Umzug von Alpharetta (Georgia/USA) im Jahr 2012 bezogenen Hauptsitz in New York City.

Nach der Übernahme positioniert sich der nach 25 Mergers&Acquisitions seit 2004 – unter anderem die Übernahmen von Mapics, GEAC/JBA/Ratioplan, SSA, Lawson/Intentia, GT-Nexus und Birst– früher mit 6 Mrd. Dollar hochverschuldete Softwarekonzern nun als eines der kapitalstärksten Unternehmen im Technologiebereich. Man habe „rund 4 Mrd. Dollar in das Produktdesign und die Entwicklung branchenspezifischer Cloud-Suites investiert, um anspruchsvolle betriebliche Probleme für mehr als 68.000 Kunden weltweit zu lösen“, heißt es in der Presseinformation.

Neues Kapitel der Infor-Geschichte

„Als Teil von Koch Industries beginnt nun ein aufregendes neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte“, sagte Kevin Samuelson, der im vergangenen Sommer angetretene CEO von Infor. „Mit der Entwicklung branchenspezifischer Lösungen schlagen wir einen langfristigen Ansatz ein. Dieser unterstützt die Kunden bei ihren Modernisierungsmaßnahmen und erzielt eine sofortige Wirkung.“

„Es war uns von Anfang an klar, dass der einzigartige Ansatz und das innovative Team von Infor dem Markt einen echten Mehrwert bieten“, so Jim Hannan, Executive Vice President und CEO von Enterprises bei Koch Industries. „Wir möchten Golden Gate Capital für die produktive Partnerschaft in der Vergangenheit danken und die 17.000 Mitarbeiter von Infor weltweit bei Koch Industries willkommen heißen.“

Übergang mit Umsatzrückgang

Im 3. Quartal des Geschäftsjahres 2020, das im Januar als das letzte in der Ägide des Gründungsinvestors Golden Gate Capital zu Ende ging, stand übrigens bei Infor ein Umsatzrückgang um knapp 3 Prozent auf 787 Mio. Dollar zu Buche. Unter dem Strich – und das ist noch wichtiger – blieb ein Reingewinn von 44,8 Mio. Dollar. Das ist, nach 7 Mio. Dollar Verlust im Vorjahreszeitraum, eine erfreuliche Verbesserung. Mit ausschlaggebend für die verbesserte Profitabilität dürfte sein, dass Infor in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 400 Arbeitsplätze abgebaut hat und am Quartalsende nur noch 16.950 Menschen beschäftigte.

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