Unsere Autorin Mehrnaz Lotfali ist Produktmanager in bei der xSuite Group, Ahrensburg.
SAP-Anwenderunternehmen stehen angesichts des Umstiegs auf S/4 Hana zunächst vor einer Grundsatzentscheidung: Greenfield- oder Brownfield-Migration? Schon bald darauf kommt die wichtige Frage nach dem Betriebsmodell: Soll das S/4-Hana-System On-Premises laufen oder in der Cloud bzw. hybrid? Und falls letzteres zutrifft: Welche Bereitstellungsform soll es dann sein – Public oder Private Cloud?
Solche Entscheidungen sollten keineswegs abhängig von den Software-Anwendungen getroffen werden, die im Unternehmen bereits installiert sind, zum Beispiel im Bereich Einkauf und Buchhaltung. Diese Software muss den Weg der Migration problemlos mitgehen können und darf keine Einschränkung sein, die es gesondert zu berücksichtigen gilt. Daher hat die xSuite Group ihre Software, die dokumentenbasierte Prozesse automatisiert und digitalisiert in SAP abbildet, so offen konzipiert, dass sie in alle SAP-Deployment-Modellen lauffähig ist.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2024. Das kostenfreie E-Paper finden Sie hier.
„Den Rechnungsworkflow bei einer 1:1-Migration umzustellen, verursacht dadurch nur minimalen Aufwand“, verweist xSuite-Geschäftsführer Matthias Lemenkühler auf erfolgreiche Kundenprojekte. Die größten Herausforderungen im Bereich automatisierter Rechnungs- und P2P-Prozesse liegen hier aus seiner Sicht sowohl in der Integration dieser Prozesse als auch in der Skalierbarkeit der eingesetzten Software, so dass mit ihr eine S/4-Hana-Migration nicht behindert wird – nur so erhalten SAP-Kunden größtmögliche Freiheit bei einer Migration.
Die S/4 Hana Cloud private Edition bietet einen sehr ähnlichen Funktionsumfang wie ein On-Premises installiertes S/4-Hana-System. Der Zugriff kann über das SAP GUI oder über das Fiori-Launchpad erfolgen. Kunden haben Zugriff auf den Konfigurationsleitfaden – und SAP bietet jährlich Upgrades an, die das Unternehmen aber selbst durchführt. In welchem Tempo, bleibt freigestellt, solange man im Rahmen der Mainstream-Wartung bleibt. Dieses Modell ermöglicht eine Migration im Greenfield-Ansatz oder auch eine Systemumwandlung sowie eine selektive Datenmitnahme aus dem Altsystem.
Die S/4 Hana Cloud public Edition ist ein typisches Software-as-a-Service-Angebot, das insbesondere mittelständischen Unternehmen und Neukunden empfohlen wird. Es handelt sich um eine standardisierte Multi-Tenant-Landschaft. Der Zugriff auf das System kann nur über das Fiori-Launchpad erfolgen. Kunden haben keinen Zugriff auf den Konfigurationsleitfaden und es steht keine Archive-Link-Schnittstelle zur Verfügung – stattdessen kommt der „Content Management Interoperability Service“ (CMIS) zum Einsatz. Falls Add-ons genutzt werden sollen, müssen diese über die SAP Business Technology Platform angebunden werden. Updates werden von SAP vierteljährlich durchgeführt.
Zentrales Element bei der Antwort auf die Frage, wie Software die anstehende S/4-Hana-Migration problemlos mitgehen kann, ist die „Business Technology Platform“ (BTP) – eine Integrationsplattform der SAP, auf der SAP-Partner und -Kunden ihre Add-ons und Eigenentwicklungen betreiben können.
Die BTP ist interessant für solche Unternehmen, die einzelne Bereiche oder Prozesse in die Cloud auslagern wollen, z.B. den Dokumentenaustausch mit Lieferanten, wie ihn die xSuite Group über ihr Business Partner Portal ermöglicht. Außerdem wird der Rechnungsworkflow über die Plattform bereitgestellt, mit dem sich die Rechnungseingangsverarbeitung vollständig digitalisieren und automatisieren lässt. Das unterstützt Unternehmen beim E-Invoicing, holt eingehende XML-Rechnungen ab, liest ihre Inhalte aus und übergibt die relevanten Informationen automatisch in die entsprechenden Felder des ERP-Systems.
Die Rechnungsverarbeitung verarbeitet alle am Markt gängigen Rechnungsformate und bindet E-Rechnungsportalen wie Peppol ein. Die Entwicklung weiterer Lösungen im P2P-Umfeld auf Basis der BTP ist bei xSuite geplant.
Add-on-Systeme auf der BTP lassen sich einfach an S/4 Hana anbinden, wobei das SAP-System 100% im „Clean Core“ verbleibts. Der Begriff „Clean Core“ bezieht sich auf die Praxis, Anpassungen und Modifikationen am Kern-ERP-System, wie z.B. S/4 Hana, zu minimieren; die geringere Komplexität sollen dessen Stabilität, Zuverlässigkeit und Agilität verbessern. Automatisierte Upgrades und das Vermeiden manueller Prozesse sparen Zeit und Kosten, die agile Einsteuerung von Innovationen zur Anpassung an geschäftliche Anforderungen steigert die Effizienz.
Gleichzeitig möchte man jedoch auch Innovationen und zusätzliche Funktionen bereitstellen, und genau dies ermöglicht die BTP. Man hat es also mit einem modularen, entkoppelten Ansatz zu tun: Das Kernsystem konzentriert sich auf wesentliche Funktionen, während nicht zum Kern gehörende Services durch Auslagerung auf die BTP „zugeführt“ und somit schnell marktfähig gemacht werden. Indem Hersteller ihre Spezialanwendungen also über die Plattform bereitstellen (wie xSuite), tragen sie mit bei zu einer möglichst reibungslosen S/4-Hana-Migration.
Bildquelle: Thinkstock/iStock, xSuite Group/Fotostudio Cornelia Hansen