CEO Christian Klein bringt SAP wieder auf Kurs
Der Gesamtumsatz der SAP wuchs im vergangenen Jahr um 2 Prozent auf 27,8 Mrd. Euro, der Gewinn ebenfalls um 2 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro. Das Management erwartet für 2022 ein beschleunigtes Wachstum der Clouderlöse, das von einer starken Nachfrage nach S/4 Hana Cloud geprägt sein wird.
Im Gesamtjahr 2021 erhöhten sich die Erlöse für S/4 Hana Cloud um 46 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro, womit die Marke von 1 Mrd. Euro wie erwartet übertroffen wurde. Im 4. Quartal wurden rund 1.300 S/4-Hana-Kunden hinzugewonnen, so dass deren Gesamtzahl gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf über 18.800 gestiegen ist. Davon hätten über 13.100 bereits den Produktivbetrieb aufgenommen, hieß es. Und weiter: Im 4. Quartal seit etwa jeder zweite gewonnene S/4-Hana-Anwender ein Neukunde gewesen.
Der Kunden-Net-Promoter-Score stieg im Jahr 2021 um 6 Punkte gegenüber dem Vorjahr auf 10 und erreichte damit das obere Ende des Ausblicks; damit wächst die lange schwindende Kundenzufriedenheit offenbar endlich wieder. Der NPS lag 2019 bei minus sechs (2018: -5, 2017 +17,8).
Die Kennzahl für die Kundentreue reicht von –100 Prozent bis +100 Prozent. Noch ist also nicht alles gut, denn erst ein NPS-Wert über 30 gilt als bemerkenswert, 50 als exzellent und über 70 als außergewöhnlich. Offenbar zahlt sich die neue Kundenorientierung nach dem Abschied des börsenorientierten CEO „Bill“ McDermott bereits aus. Maßnahmen wie die Investition in die Integration der zugekauften Produkte oder die Verlängerung der Wartung für SAP ECC zahlen sich offenbar aus. Die Ziele bleiben dennoch ehrgeizig: Für das Jahr 2022 wird ein Kunden-NPS zwischen 11 und 15 erwartet.
Bereits mit der Vorlage der ersten Bilanzzahlen am 13. Januar wurde ein neues Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Mit einem Volumen von bis zu 1 Mrd. Euro soll es im Zeitraum zwischen 1. Februar und 31. Dezember 2022 durchgeführt werden. Die zurückgekauften Aktien sollen in erster Linie für künftige Zuteilungen aus dem Vergütungsprogramm „Move SAP“ verwendet werden, hilft aber sicherlich auch bei der Optimierung des Aktienkurses.
Für weniger als 1 Mrd. Dollar will SAP bis März rund 95 Prozent der Anteile von Taulia erwerben. Das ist der 2009 gegründete US-Anbieter einer SaaS-basierten Finanzplattform für Lieferantenfinanzierung, Reverse Factoring und elektronische Rechnungsabwicklung (eInvoicing).
Taulia wurde 2009 gegründet und beschäftigt derzeit rund 350 Menschen, SAP etwas mehr als 107.000. Bisher sind nur wenige Details zur geplanten Übernahme kommuniziert worden – insbesondere keine zu den Folgen der Pleite der Greensill Bank – Taulias maßgeblicher Refinanzierungsquelle – im vergangenen Jahr. Nur soviel: Taulia soll als ein eigenständiges Unternehmen innerhalb der SAP geführt werden, Cédric Bru bleibt CEO und SAP-CFO Luka Mucic wird Vorsitzender des Verwaltungsrats.
SAP verfolgt mit der Übernahme das Ziel, ihren Kunden besseren Zugang zu Liquidität zu ermöglichen und ihre Cash-Flow-Situation zu verbessern. Denn das Prinzip, mit dem Taulia groß wurde, ist das „Dynamic Discounting“, das in Reinform sogar ohne Banken bzw. Factoring-Unternehmen auskommt. Stattdessen setzen die Abnehmer auf der Taulia-Plattform ihre eigene Liquidität ein, um Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten zu begleichen. Im Gegenzug räumen die Lieferant ihren Abnehmern ein „dynamisches“ Skonto ein. Mehr als 80 Prozent der Taulia-Kunden betreiben nach Firmenangaben ein SAP-System, darunter z.B. Airbus, Nissan und Astra Zeneca.
Bildquelle: SAP