Der Einschnitt sei nötig, um das Familienunternehmen zu stabilisieren und langfristig Arbeitsplätze zu erhalten, heißt es. Als Grund für den Stellenabbau wird ein Umsatzeinbruch angeführt. Ursache dafür sei auch die zum Jahreswechsel erfolgte ERP-Umstellung auf SAP bei dem langjährigen IBM-i-Anwender, die „fatale Folgen“ hatte, schreibt die Lokalzeitung „Fränkischer Tag“. Das Onlinegeschäft sei für den Spielwarenhersteller von elementarer Bedeutung, doch ausgerechnet dort sei es in den vergangenen Monaten zu „massiven technischen Problemen“ gekommen.
Einer Pressemeldung vom 31. März 2023 zufolge gibt es nach dem Abgang des im Juni 2019 angetretenen CEO Tim Steffens eine neue Managementstruktur – ohne dass jedoch Namen genannt werden. Nur soviel: Künftig werde das Familienunternehmen von drei Geschäftsführern für die Bereiche Marketing/Vertrieb, Organisation und Finanzen geführt.
Steffens wird übrigens auch von der IG Metall für die aktuelle Krise verantwortlich gemacht; die Gewerkschafter sprachen gegenüber dem Bayrischen Rundfunk von „strategisch falschen Entscheidungen“ des ehemaligen Geschäftsführers. „Wir werden unseren eingeschlagenen Kurs sehr konsequent und zugleich bedacht fortsetzen“, wurde Sabine Habermaass, geschäftsführende Gesellschafterin der Haba Familygroup, in der Pressemitteilung vom 31. März zitiert. „Als Familie und Unternehmer sind wir von der Qualität und dem Potenzial unserer Produkte überzeugt – damals wie heute.“
Die Haba Familygroup bietet Familien und Einrichtungen seit 85 Jahren Produkte in den Kernbereichen Familienleben, Spielen, Bildung, Bewegung, Kleidung und Möbel. Unter dem Firmendach vereint die Unternehmensgruppe Marken wie Haba, Jako-O, Haba Pro mit Komplettlösungen für den Bildungsbereich, künftig allerdings nicht mehr die Digitalwerkstatt. Wie bereits am 19. April bekannt gegeben, sollen alle Standorte der Digitalwerkstatt geschlossen werden, weil das Geschäftsmodell „in den vergangenen sieben Jahren trotz mehrfacher konzeptioneller Anpassung keine positive wirtschaftliche Entwicklung verzeichnen“ konnte.
Die Digitalwerkstatt wurde 2016 geschaffen, um Kindern, ihren Familien und pädagogischem Fachpersonal praktische Erfahrungen mit digitalen Technologien zu vermitteln und sie im Umgang damit zu stärken. Zukunftsfähige Bildung behalte für das Familienunternehmen trotz der Schließung „auch künftig einen hohen Stellenwert“, heißt es.
„Die Schließung der Standorte ist für alle Beteiligten schmerzhaft. Wir arbeiten eng mit unserem Betriebsrat zusammen, um für diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine angemessene und zugleich sozial gerechte Lösung zu finden", sagte Dr. Mario Wilhelm, Director Human Resources & Legal, zum Aus für die Digitalwerkstatt.
Seit der Gründung 1938 durch Eugen Habermaass ist das Familienunternehmen mit Sitz in Bad Rodach in Familienhand. Heute beschäftigt die Gruppe weltweit rund 2.000 Menschen, der Umsatz lag 2021 bei 347 Mio. Euro. Ein Jahr zuvor waren noch 359,5 Mio. Euro. Eigentlich war CEO Steffen im Sommer 2019 geholt worden, um den jahrelang bei 360 Mio. Euro stagnierenden Jahresumsatz der Gruppe bis 2025 auf 500 Mio. Euro zu steigern.
Bildquelle: Gerd Altmann / Pixabay