DSAG: Es hapert noch an den Optionen bei der Integration

SAP-Anwender fordern einheitliche Datenmodelle

Mehr als ein Drittel aller Mitglieder der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) glaubt, bei der digitalen Transformation weit oder sehr weit zu sein (2017: +3 Prozentpunkte). Wichtigstes Thema ist der Aufbau digitaler Mitarbeiter-Skills gefolgt von künstlicher Intelligenz/Machine Learning und Vorhaben rund um das Internet of Things.

  • Marco Lenck, DSAG

    Der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck<(b>: „Wir brauchen weniger Cloud-only-Entwicklungen und erwarten funktionale Weiterentwicklungen im Rahmen der Wartung und keine neue Cloud-Subskription!“

Wie SAP-Anwender den Herausforderungen der Digitalisierung mit klassischen und neuen Ansätzen in Unternehmensnetzwerken begegnen und welche Anforderungen sie an SAP haben, wird ab heute in Leipzig auf dem 19. DSAG-Jahreskongress unter dem Motto „Business ohne Grenzen – Architektur der Zukunft“ drei Tage lang thematisiert. Erneut gibt es einen Teilnehmerrekord zu verzeichnen: Rund 5.000 Besucher werden bei dem Anwendertreffen erwartet.

Digitalisierte Geschäftsprozesse sind vor allem unternehmensübergreifend vernetzt und laufen in Echtzeit ab. Eine Grundvoraussetzung dafür sind einheitliche Datenmodelle. Herkömmliche heterogene Standardlösungen reichen daher nicht mehr aus. Daher soll die Architektur der Zukunft durch einfache und klar definierte Funktionen geprägt sein. „SAP ist hier gefordert, uns Lösungen anzubieten, die auf einheitlichen Datenmodellen mit weitreichenden Integrationsmöglichkeiten basieren. Nur so lassen sich End-to-End-Prozesse realisieren“, beschreibt der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck die Aufgabe – und sicherlich auch Herausforderung – der SAP.

ERP-Systeme spielen in der Architektur der Zukunft eine wichtige Rolle. 73 Prozent der CIOs, die an einer Online-Befragung im Sommer teilnahmen, sehen ERP-Systeme als relevant an, bilden sie doch auch weiterhin die Wertschöpfung innerhalb der Unternehmen ab, wobei die Prozessintegration zwischen Unternehmen einen Mehrwert außerhalb der ERP-Systeme schafft.

Weniger Cloud-only-Entwicklungen

Befragt hat die DSAG im Sommer CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Rund die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 5.000 Mitarbeitern. Ihre Meinung: Die Architektur der Zukunft ist und braucht aber noch mehr als nur ERP-Systeme; speziell Marketing- und Vertriebsprozesse werden dabei von DSAG-Mitgliedern heute schon ausgelagert, denn 48 Prozent der Befragten nutzen diese aus der Cloud.

Wesentlich ist auch ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Kernprozesse verbleiben zum Großteil On-Premise im ERP, lediglich 10 Prozent der Befragten verlagern sie in die Cloud. Daraus ergibt sich eine weitere Forderung der DSAG. „Wir brauchen weniger Cloud-only-Entwicklungen und erwarten funktionale Weiterentwicklungen im Rahmen der Wartung und keine neue Cloud-Subskription“, mahnt Lenck. „Funktionen innerhalb von Kernanwendungen müssen integriert bleiben“. Nur so lassen sich Geschäftsprozesse effizient abbilden.

Grundvoraussetzung dafür sind einheitliche Datenmodelle, insbesondere wenn es um den Datenaustausch in Echtzeit zwischen Unternehmen geht. „Das ist leichter gefordert als umgesetzt“, weiß Marco Lenck. Heute kommt ja jedes ERP-System mit seinem eigenen Datenmodell daher – und Standards sind hier noch nicht in Sicht. „Das ist Gift für die Digitalisierung – und Gift für den Realtime-Zugriff“, so Lenck weiter. „Hier sind SAP und die anderen ERP-Hersteller gefragt dafür zu sorgen, dass sich die Datenmodelle in den Systemen angleichen und keine Transformation mehr notwendig ist, weil die ERP-Systeme unterschiedliche Daten für eine Rechnung oder eine Bestellung verlangen. Das wird die Architektur der Zukunft sein.“ Die jüngst von SAP gemeinsam mit Microsoft und Adobe begründete Open-Data-Initiative beispielsweise sei ein Schritt in die richtige Richtung. Lenck hat durchaus die Hoffnung, dass sich Adobe und Microsoft mit SAP auf gemeinsame Datenmodelle, „auf welchem Level auch immer“, einigen, so dass man dann zumindest in diesem Anbieterkreis von Echtzeit-Integration der Systeme sprechen kann.

 

Offen gestaltete SAP-Plattformen

Zu den fundamentalen Bestandteilen der Architektur der Zukunft zählen außerdem vielfältige Plattformen, um übergreifende Geschäftsprozesse zu realisieren. Die Verteilung der digitalen Prozesse macht eine plattformübergreifende Vernetzung notwendig. Weil diese Servicenetzwerke nicht mit einem Anbieter realisiert werden, folgt daraus laut Lenck für die SAP, dass sie ihre Plattformen offen gestalten muss, um sich mit anderen Plattformen einfach integrieren zu lassen. „Digitale Prozesse brauchen unabhängige, interoperable Standards“, erläutert Lenck. „Konvertierungsprozesse und aufwändige Schnittstellen wirken sich auf die Geschwindigkeit und damit den Erfolg von Digitalisierungsvorhaben der Unternehmen aus“.

In Sachen Plattformen sieht die Realität in DSAG-Mitgliedsunternehmen vielfältig aus: 55 Prozent der Umfrageteilnehmer bescheinigen der SAP Cloud Platform eine hohe Relevanz für die Digitalisierung. Es folgen Microsoft Azure mit 50 Prozent und Amazon Web Services mit 31 Prozent. Google liegt mit 15 Prozent etwas abgeschlagen, anderer Provider wie IBM oder die Deutsche Telekom spielen kaum eine Rolle.

Architektur der Zukunft

Bei der Online-Umfrage wurden CIOs und Unternehmensvertreter auch zur Relevanz von SAP-Produkten für die digitale Transformation befragt. S/4 Hana hat für über drei Viertel der Befragten eine hohe Relevanz. Die SAP Cloud Plattform ist mit 47 Prozent im Rennen. Leonardo mit 30 Prozent. Mit der Business Suite als zentralem System plant über die Hälfte ihre Transformation. Lenck folgert daraus: Die Weiterentwicklung der Business Suite muss daher gewährleistet bleiben und darf nicht zugunsten der Cloud reduziert oder gar aufgegeben werden.

Auch in diesem Jahr lohnt ein Blick auf den Umstellungsprozess auf S/4 Hana in den Unternehmen. 41 Prozent schätzen, dass sie bis 2025 ihre Systeme komplett umgestellt haben, weitere 28 Prozent zumindest teilweise. „Allerdings sind aktuell bei einer Umstellung noch nicht alle abgekündigten Funktionen des alten ERP ersetzt. Wenn sich das nicht ändert, brauchen wir Alternativen für die ERP-Transformation“, blickt Marco Lenck in die Zukunft. Daraus folgt, Unternehmen wollen und müssen sich vermehrt der komplexen Aufgabe stellen und ihre Architektur der Zukunft aufbauen. Sie benötigen aber verschiedenste Hilfestellungen. Diese fordert die DSAG von SAP für ihre Mitglieder ein, zum Beispiel:

- „Bewährtes und Erkämpftes“ aus der On-Premise-Welt muss ohne großen Aufwand mit in die künftigen hybriden Szenarien übernommen werden können.

- Die Rahmenbedingungen für die Implementierung von S/4 Hana müssen weiter verbessert und optimiert werden.

- Um zu der homogenen CRM-Suite C/4 Hana zu gelangen, die sich alle Anwender wünschen, muss konsequent nachgearbeitet werden.

- Die Adaption der heutigen SAP-Preislogik auf die neue Welt muss dringend schneller vorankommen. Es braucht ein atmendes, an den Kennzahlen des Geschäfts orientiertes Modell, das wir seit Jahren fordern.

- Es braucht Zukunftsarchitekturen für Unternehmen jeder Größe, die bestehende Geschäftsmodelle abbilden und sich darüber hinaus alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten offenhalten.
 
Bildquelle: DSAG

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