DSAG-Jahreskongress 2014: Aktuelle Studie zu ERP-Cloud und Business Suite on Hana

SAP-Anwender zurückhaltend

Passen Angebote wie ERP-Cloud und Business Suite on Hana zum Bedarf und den bestehenden IT-Landschaften von Unternehmen? Diese Frage nahm beim diesjährigen Jahreskongress der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) viel Raum ein. Die Antwort: nicht so richtig – noch nicht jedenfalls. Das bestätigen auch die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedern.

  • Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG: Leuchtturmprojekte wie eine Fußball-App auf der Basis von Hana reichen nicht.

  • Bernd Leukert, SAP-Vorstandsmitglied und zuständig für Produkte und Innovationen: Zeigte Verständnis dafür, dass die Anwender Zeit für den Umstieg auf Hana benötigen.

Laut DSAG mangelt es vor allem am Aufzeigen von handfesten „Business Cases“ oder der Nutzendarstellung. Erhellend sind die Zahlen, die die Anwendervereinigung dazu vorlegte: Demnach ist für 80 Prozent der Mitglieder Business Suite on Hana derzeit kein konkretes Thema. Wie Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG, ausführte, seien Leuchtturmprojekte wie eine Fußball-App auf der Basis von Hana für die Analyse des Spielerverhaltens und dessen Leistungserbringung zwar sehr interessant und auch wichtig. Es seien auch nicht die Kosten oder das technische Verständnis, was die geringe Nachfrage in Sachen Business Suite on Hana ausmache. „Das Grundproblem besteht darin, dass für viele Kunden kein Business Case zu erkennen ist“, so Lenck. Viele Unternehmer sähen zurzeit nicht, wie Hana betriebswirtschaftliche Standardprozesse verbessere.

Ähnlich auch die Erkenntnisse zum Thema ERP-Cloud: Obzwar Cloud-Lösungen bei den DSAG-Mitgliedern generell eingesetzt werden, seien vollständig in die Cloud verlagerte ERP-Systeme in den nächsten fünf Jahren die Ausnahme. Lediglich fünf Prozent der Befragten (524 Mitglieder aus dem DACH-Raum) halten demnach ERP in der Cloud für realistisch. Mehr, nämlich 18 Prozent, haben hybride Cloud-Szenarien im Fokus. Eben die Nutzung von Cloud-Technologien in der eigenen On-Premise-Welt (Private Cloud) in Kombination mit Public-Cloud-Lösungen, wie etwa Software-as-a-Service-Angeboten.

Showstopper insbesondere für eine Verlagerung von kompletten ERP-Systeme in die Cloud nach den DSAG-Erkenntnissen: der Umgang mit Eigenentwicklungen sowie Schnittstellen, aber auch – nach wie vor – Security-Aspekte. Laut Lenck „zählen ERP-Systeme in den meisten Unternehmen zu den komplexesten IT-Lösungen. Veränderungen in diesem Umfeld werden daher nur sehr vorsichtig vorgenommen“.

Übrigens kam die amerikanische SAP-Anwendergruppe ASUG bei einer Umfrage im Sommer 2014 zu ganz ähnlichen Ergebnissen, vor allem was den Einsatz von Business-Suite-on-Hana anbelangt.

SAP selbst sieht „großes Momentum“

Aus SAP-Sicht könnte die Hana-Marktdurchdringung oder der Wechsel auf die Business Suite on Hana natürlich schneller von statten gehen. Bernd Leukert, SAP-Vorstandsmitglied und zuständig für Produkte und Innovationen, ließ im Rahmen des Jahreskongresses keinen Zweifel daran, dass er das Thema Hana als Plattform für integrierte Business-Netzwerke oder Business Suite on Hana weiter forciert, zumal künftig immer mehr Echtzeitanwendungen gefordert seien.

Wie er sagte, gäbe es „ein großes Momentum“ für die SAP-In-Memory-Technologie. Er zeigte ein gewisses Verständnis dafür, dass die Anwender etwas Zeit benötigen, um weitreichende Anwendungsänderungen, Infrastrukturneuerungen oder eben Plattformwechsel auf der Grundlage neuer Technologien wie etwa Hana durchzuführen. Weiter schmackhaft machen will SAP Kunden den Wechsel in Richtung Business Suite on Hand auch unter anderem mit einem neuen Angebot, das SAP-Vorstand für Support and Quality Gerd Oswald in Leipzig vorstellte. Hierbei können SAP-Kunden ihre Anwendungen bzw. Systeme bei SAP für einen Business-Suite-on-Hana-Einsatz testen lassen, um dann zu entscheiden, ob und wie sich Hana im individuellen Anwendungsfall nutzen lässt.

In Sachen Cloud verfolgt SAP die Linie „Cloud zuerst – aber nicht ausschließlich“. Beispielsweise werden die neuen auf In-Memory-Technologie basierenden Anwendungspakete namens s-Apps oder s-Innovations als Cloud-Angebote, aber auch als On-Premise-Lösungen bereitgestellt. Das „s“ steht für „simple“ und soll die Anwendungsnutzung/-komplexität vereinfachen. Als erstes derartiges Paket wurde bereits Anfang Juni (zur Hausmesse Sapphire in Orlando) Simple Financials vorgestellt; weitere sollen folgen. Die Vereinfachung soll laut Leukert Komplexität und Zeitaufwand senken, etwa durch einfach handhabbare neuartige Benutzeroberflächen oder durch die Nutzung von Analytics-Funktionen direkt aus OLTP-Anwendungen heraus.

SAP on IBM i: Unveränderte langfristige Roadmap

Neben den spezifischen Anforderungen an die neuen Produkte (wie eben Hana und Cloud) forderte die DSAG die SAP auf, „sich stärker am Kunden zu orientieren, Innovationspotenzial aufzuzeigen und eine echte User Experience für die Nutzer zu schaffen“. Denn: „Zukunftsorientierte und am Bedarf der Kunden ausgerichtete Lösungen plus eine nachhaltige Transformation bringen unter dem Strich erfolgreiche und zufriedene Kunden.“ Dieses Ondit passte voll ganz zu dem Motto des Kongresses, der in Leipzig nunmehr zum fünfzehnten Mal stattfand und den abermals über 4.000 Mitglieder besuchten: „Customer First – auf der Suche nach Zukunftsorientierung und Nachhaltigkeit“.

Für das Thema „SAP on IBM i“ gibt es seit Jahren einen eigenen DSAG-Arbeitskreis – wie für andere wichtige SAP-Themen auch. Unter anderem werden hier aktuelle Roadmaps oder spezielle Aspekte des SAP-Einsatzes abgehandelt. Im Nachklapp des DSAG-Kongresses sagte auf Anfrage Ingolf Wittmann, zuständig für Technical Sales bei IBM und damit auch für SAP on IBM i, gegenüber dem DV-Dialog, dass „die langfristig angelegte Roadmap für SAP on IBM i nach wie vor Bestand hat und es für eine Änderung keinerlei Anlass gibt“. IBM-i-SAP-Anwender können seinen Aussagen zufolge bei Bedarf Hana nutzen, etwa in Verbindung mit SAP BW oder als Side-by-Side-Lösung.

Vielleicht auch künftig darüber hinaus. Vor allem vor folgendem Hintergrund: Schon seit längerem gibt es einen „Letter of Directions“ zwischen IBM und SAP, wonach künftig Hana als Appliance nicht nur auf Systemen mit Intels x86-Architektur läuft, sondern auch mit Power8. Dass Hana on Power8 wohl demnächst das Licht der Welt erblickt, dürfte so gut wie sicher sein. Wie man hört, sind die gemeinsamen abschließenden IBM-SAP-Tests bereits sehr weit vorangeschritten.

Außerdem haben beide Unternehmen ihre umfangreiche Zusammenarbeit jetzt um eine Cloud-Partnerschaft erweitert. Die Anwendungen der Echtzeitdatenbank Hana und der dazugehörigen Unternehmenssoftware Business Suite sollen künftig auch in Rechenzentren der IBM untergebracht werden. Diese Zusammenarbeit ist aber nicht exklusiv. Ähnliche Vereinbarungen hat SAP bereits mit Amazon, Fujitsu, HP und Microsoft getroffen.

www.dsag.de

www.sap.de

www.ibm.de

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