Datagroup schnappt sich insolvente IT Informatik

SAP-Expertise zugekauft

Als 23. Unternehmen oder Unternehmensteil seit dem Börsengang 2006 erwarb das Systemhaus Datagroup jetzt Teile des insolventen Ulmer IBM-Partners IT-Informatik. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Nach der Übernahme von UBL (und dem Ausbau der IBM-Kompetenz) baut man mit dieser Übernahme auch die Man-Power im Bereich SAP aus – auf 500 Experten.

Andreas Baresel, Chief Production Officer der Datagroup

Andreas Baresel, Chief Production Officer der Datagroup: „Mit der Akquisition bekommen wir dringend benötigte Mitarbeiter mit SAP- sowie Entwicklungs-Know-How.“

Rund drei Monate, nachdem IT-Informatik am 13. Mai beim Amtsgericht Ulm den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung gestellt hatte, wechselten rückwirkend zum 1. August die wesentlichen Vermögenswerte den Besitzer. Übernommen wurden auch die Mitarbeiter der IT-Informatik GmbH sowie der beiden Firmentöchter Mercoline GmbH in Berlin (erst im Sommer 2018 zugekauft) und IT-Informatik Digitalización Industrial 4.0 in Barcelona. Rund 300 Arbeitsplätze an den drei Standorten bleiben so erhalten, freute sich Martin Mucha von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger, der die Sanierung als Generalbevollmächtigter begleitet hatte.

Firmengründer Günter Nägele nicht mehr an Bord

Allerdings muss man anmerken, dass bei der 1987 gegründeten IT Informatik zuletzt schon 100 Arbeitsplätze verloren gegangen waren. In dem zuletzt veröffentlichten Jahresabschluss für das Jahr 2017 war nur noch von rund 30 Mio. Euro Umsatz die Rede. Das war aber schon ein Rückgang um neun Prozent; Firmengründer und Geschäftsführer Günter Nägele musste am 31.Januar 2019 gehen. Sanierungsexperte Christoph Deinhard leitete als neuer Geschäftsführer die Sanierung ein.

Das Systemhaus IT Informatik ist in den Bereichen SAP-Beratung, Cloud-Infrastruktur, Industrie 4.0 und Software-Entwicklung aktiv, insbesondere für Kunden aus dem Mittelstand. Die Datagroup ist mit bundesweit mehr als 2.200 Beschäftigten und voraussichtlich über 300 Mio. Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2018/2019 (vor dieser Akquisition) einer der großen deutschen IT-Dienstleister und hatte erst im Frühjahr mit der Übernahme von UBL die Kompetenz im Bereich IBM-Infrastrukturen ausgebaut; UBL erwirtschaftete 2018 mit über 70 Mitarbeitern mehr als 20 Mio. Euro Jahresumsatz.

„Mit der Übernahme durch die Datagroup haben die übernommenen Mitarbeiter und Kunden wieder eine langfristige und nachhaltige Perspektive unter dem Dach eines strategisch hervorragend aufgestellten IT-Dienstleisters“, sagte Mucha; allerdings könnten weitere Sanierungsmaßnahmen folgen, auch wenn Datagroup-CEO Max Schaber erklärte: „Die Mitarbeiter, die wir neu an Bord haben, passen mit ihren Kompetenzen sehr gut zu unserem bestehenden Leistungsportfolio. Auch unsere regionale Abdeckung können wir an den Standorten Berlin und Ulm weiter verbessern.“

„Mit der Akquisition bekommen wir dringend benötigte Mitarbeiter mit SAP- sowie Entwicklungs-Know-How“, wird auch Andreas Baresel, Chief Production Officer der Datagroup, in der Pressemitteilung zitiert. „Wir sehen eine deutlich gesteigerte Nachfrage unserer Kunden im Bereich Digitalisierung und Industrie 4.0“, ergänzt COO Dirk Peters. „Die Migrationswelle von SAP R/3 nach S/4 Hana zieht ebenfalls stark an. Gleiches gilt für die Investitionsbereitschaft unserer Kunden in Cloud-Computing sowie in Sachen Mobilisierung und Automatisierung von Geschäftsaktivitäten.“ Man sehe sich nach der Übernahme mit nun über 500 SAP-Experten als einen der führenden Anbieter von SAP-Betriebsservices in Deutschland.

Reibungslose UBL-Übernahme

Update: Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2018/2019 meldete die Datagroup kurz nach Bekanntwerden der jüngsten Akquisition einen zweistelligen Umsatz- und Ergebnisanstieg – wegen der erstmaligen Konsolidierung von UBL und der guten Auftragseingang. Der Umsatz stieg um 12,8 Prozent auf 224,7 Mio. Euro (i.Vj. 199,2 Mio.), das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sogar um 20,2 Prozent auf 16,0 Mio. Euro (i.Vj. 13,3 Mio.). Die Anfang April übernommene UBL Informationssysteme GmbH wird seit April konsolidiert und trug somit im dritten Quartal erstmals zu Umsatz und Ergebnis bei. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs über 2.500.

Neben dem erhöhten Umsatz steuert die UBL positiv zur Ebitda-Entwicklung bei. „Durch unsere ausgiebige Erfahrung und die eingespielten Prozesse für die Übernahme neuer Einheiten läuft das Zusammengehen mit UBL bislang reibungslos“, betont Baresel. Durch die Übernahme der UBL erhöhen sich die Abschreibungen aus der Nutzung langlebiger Wirtschaftsgüter aktuell um rund 1,0 Mio. Euro je Quartal.

Auch im dritten Quartal wurden Neuabschlüsse langfristiger Dienstleistungsverträge getätigt, etwa über eine Laufzeit von fünf Jahren mit der Messe München. Die zu erstellenden Leistungen aus dem Service-Portfolio reichen von der Bereitstellung und dem Betrieb der gesamten Server-Infrastruktur, dem Application Management der anspruchsvollen IT-Umgebung bis zum gesamten End User Service. Insgesamt werden rund 1.000 IT-Arbeitsplätze betreut. Das Auftragsvolumen über die gesamte Vertragslaufzeit liegt im unteren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Zu Beginn des dritten Quartals hat die Gesellschaft auch das günstige Zinsniveau genutzt und die Unternehmensfinanzierung mittels Schuldscheindarlehen fortgeschrieben. „Durch die Aufnahme von insgesamt 69 Mio. Euro über sieben Jahre sichert sich Datagroup ein hohes Maß an Planungssicherheit und finanzieller Stabilität zu günstigsten Konditionen“, heißt es aus Pliezhausen. Und weiter: „Mit den liquiden Mitteln wurden die finanziellen Spielräume für weiteres organisches und anorganisches Wachstum erweitert. [,,,] Die Rückführung der Darlehen soll wie gewohnt aus dem starken Cashflow erfolgen.

Während die Schuldscheindarlehen bestehende Finanzierungen fortschrieben wurde, stieg die Nettoverschuldung von 12,1 Mio. Euro auf 39,5 Mio. Euro (bzw. 66,9 Mio. Euro inkl. IFRS 15 und 16) an. Ursächlich dafür waren in etwa zu gleichen Teilen die drei folgenden Faktoren: die Finanzierung der UBL-Übernahme, die geänderte Bilanzierung von Leasingverhältnissen auf Basis von IFRS 15 und16 sowie die Vorfinanzierung von Hardware und Dienstleistungen im Rahmen des NRW.Bank-Auftrags.

Bildquelle: Datagroup

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok