Die Entwicklung der Kundenzahl beim aktuellen ERP-Produkt S/4 Hana – im 1. Quartal wuchs die Zahl der genutzten Lizenzen erneut um 500 auf 19.300.
SAP-Chef Christian Klein macht offenbar vieles richtig, auch wenn die Aktionäre murren.
„Unser wichtigstes ERP-Angebot SAP S/4 Hana verzeichnete ein Rekordwachstum“, freute sich Vorstandssprecher Christian Klein darüber, dass sein Strategieschwenk offenbar bei den Kunden auf Akzeptanz stößt. „Dies verdeutlicht das Vertrauen, das Kunden in uns setzen, um sie bei ihrer Unternehmenstransformation zu unterstützen.“ Die Aktionäre dagegen goutieren diesen auf langfristigen Erfolg ausgerichteten Kurs offenbar noch nicht, denn durch die Erosion des Aktienkurses hat SAP seit Jahresbeginn mehr als ein Fünftel seines Werts verloren. Doch die Erzrivalen aus den USA – Microsoft, Oracle und Salesforce – sind in puncto Marktkapitalisierung noch wesentlich besser aufgestellt.
Das könnte sich langfristig aber ändern, denn Klein hat die Probleme der Kunden und Partner erkannt und nach seinem Amtsantritt die Weichen richtig gestellt: mit dem verstärkten Fokus auf die Cloud – ohne die Kunden dahin zu zwingen – und mit einer Initiative zur besseren Integration der Produkte. Weil beides nicht umsonst zu haben ist, musste er auch die Gewinnerwartungen seines Vorgängers kassieren. Erst 2023 soll das operative Ergebnis wieder zulegen. Beim Produktumsatz aus Lizenzprogrammen, Wartungsverträgen und Cloud-Software rechnet er für 2022 mit einem währungsbereinigten Plus von vier bis sechs Prozent auf über 25 Mrd. Euro.
Klein geht davon aus, dass ein schnell wachsendes Cloud-Geschäft zusammen mit dem Wachstum der Supporterlöse den Anteil besser vorhersehbarer Umsätze erhöhen wird. Bis 2025 will er die Summe aus Cloud- und Software-Supporterlösen auf rund 85 Prozent des Gesamtumsatzes steigern. Da ist er auf einem guten Weg: Im ersten Quartal 2022 stieg der Anteil der besser vorhersehbaren Erlöse erneut um 3 Prozentpunkte auf inzwischen 81 Prozent.
Hinzu kommt: Mehr als 500 Kunden haben sich laut Klein im 1. Quartal im ersten Quartal für S/4 Hana entschieden. Die Gesamtzahl der Kunden mit diesem 2015 eingeführten ERP-Produkt der Walldorfer sei damit gegenüber der Vorjahresperiode um 18 Prozent auf mehr als 19.300 gestiegen. Davon hätten über 13.900 bereits den Produktivbetrieb aufgenommen; heißt es. Und: Im ersten Quartal seien über 60 Prozent der gewonnenen S/4-Hana-Kunden Neukunden gewesen. Wie viele Kunden SAP ingesamt hat, wird nicht mehr kommuniziert; Anfang 2020 war im „Corporate Fact Sheet“ noch von mehr als 440.000 Kunden die Rede.
Finanzvorstand Luka Mucic bestätigte „mit Zuversicht“ die mittelfristigen Zielsetzungen für 2025, die in der Quartalsmitteilung für das dritte Quartal 2020 veröffentlicht wurden. „Wir hatten einen soliden Start in das Jahr und unser Ausblick bleibt unverändert“, sagte Mucic. „Trotz des aktuellen gesamtwirtschaftlichen Umfelds hat sich das Wachstum der Cloud-Erlöse weiter beschleunigt und beflügelt damit das Wachstum der gesamten Umsatzerlöse. Der Current Cloud Backlog verbuchte ein solides Wachstum und stärkt weiterhin unser Vertrauen in unsere langfristigen Pläne und den Ausblick für das Jahr.“ Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine hätten das Geschäft nicht nur im ersten Quartal belastet: Fürs gesamte Geschäftsjahr 2022 wird ein negativer Einfluss auf den Umsatz in Höhe von über 300 Mio. Euro befürchtet.
Die für das langfristige Gedeihen wohl wichtigste Kennzahl entwickelt sich ebenfalls positiv: Für das Jahr 2022 erwartet die SAP nach wie vor einen Kunden-Net-Promoter-Score zwischen 11 und 15 – also fast wieder auf dem Niveau von 2017. Der NPS stieg im Jahr 2021 um 6 Punkte gegenüber dem Vorjahr auf 10 und erreichte damit das obere Ende des Ausblicks; endlich wächst die lange schwindende Kundenzufriedenheit offenbar wieder. Und dieses ist offenbar offenbar nachhaltig, lag der NPS doch 2019 bei minus sechs (2018: -5, 2017 +17,8).
Bei dieser Anfang 2020 in das SAP-Reporting eingeführten Kennzahl handelt es sich um die vertraglich zugesicherten Cloud-Erlöse, die in den kommenden 12 Monaten auf Basis der zum Stichtag vorhandenen Subskriptionsverträge erwartet werden; die Zunahme ist ein guter Indikator für die Steigerung des Geschäftsvolumens im Verlauf der entsprechenden Periode.
Bildquelle: SAP