Software AG und Schäfer-Werke finden den gemeinsamen Nenner

SAP schart IoT-Partner um sich

Die Darmstädter Software AG, selbst mit der 2017 eingekauften Plattform Cumulocity IoT im „Internet of Things“ aktiv, wird neues Mitglied der von SAP im April ins Leben gerufenen „Open Industry 4.0 Alliance“. Auch mit den weltweit agierenden Schäfer-Werken schlossen die Walldorfer nun eine „strategische Partnerschaft“ für das IoT. Demnach setzt Vizuu, eine erst im August gegründete Schäfer-Tochter, mit ihrer IoT-Plattform auf die Systeme der SAP.

  • Bernd Groß, CTO Software AG

    Bernd Groß, Chief Technology Officer der Software AG, verspricht die für das Zusammenspiel zwischen IT und OT nötige Multi-Vendor-Interoperabilität.

  • Produkte der Schäfer-Werke

    Die Schäfer-Werke aus dem Siegerland liefern weltweit u.a. Stahl-Service-Center, Lochbleche sowie Standard- und Sonderbehälter aus Edelstahl.

  • Container-Chart mit Vizuu

    Die Datenlogger füllen in Echtzeit die „Container-Charts“.

  • Der Vizuu-Datenlogger

    Der Vizuu-Datenlogger wird in den Containerdeckel verbaut und liefert zwei Jahre lang bis zu 20 containerspezifische Messwerte, wie z.B. Füllmenge, Standort, Druck oder Temperatur.

Um die Wertschöpfung auf dem Weg zur Digitalisierung zu beschleunigen, wurde im April von SAP die Open Industry 4.0 Alliance ins Leben gerufen. Ziel der Allianz ist es, ein offenes Ökosystem und Leitlinien für eine herstellerübergreifende Interoperabilität zu etablieren. Hierfür treten IT- und OT-Hersteller in einen offenen Dialogmodus mit der Maßgabe, einen gemeinsamen Kundennutzen zu generieren. Die Software AG positioniert sich dabei insbesondere mit Cumulocity bei den Themen IoT Connectivity, Open Edge Computing sowie Hybrid Integration als Technologie-Lieferant – ebenso wie übrigens bei Adamos, der vor zwei Jahren gemeinsam mit den Maschinen- und Anlagenbauer DMG Mori, Dürr, Karl Mayer und Zeiss gegründeten IoT-Allianz.

Datenlogger meets Warenwirtschaft

Ganz ähnlich bieten die Schäfer-Werke mit Vizuu eine eigene IoT-Plattform, mit der die Datenmanagementprozesse in Warenwirtschaft, Logistik und Supply-Chain-Management der Kunden „revolutioniert“ werden sollen. Im ersten Schritt wurde dazu eine Hardware entwickelt, die alle benötigten Informationen wie Füllstand, Standort, Druck und Temperatur etc. bereitstellt. Nachdem Kunden die Deckel damit umgerüstet haben, kann ein „Datenlogger“ die generierten Informationen zwei Jahre autark und weltweit an den Nutzer senden.

Mittels Datenlogger erhalten die Kunden unter anderem Einblicke in Füllmenge, Standort, Druck und Temperatur ihrer Industriecontainer – und bekommen so Optimierungspotenziale für deren Warenwirtschaft aufgezeigt. SAP liefert die Cloud-Landschaft dafür und soll die Einbindung in alle gängigen ERP-Systeme bei den Kunden möglich machen. Da kommt dann wiederum so etwas wie Cumulocity ins Spiel.

Vizuu ermittelt mit seinen Datenloggern bis zu 20 containerspezifische Messwerte. Diese werden auf der SAP-basierten Cloud-Plattform abgebildet – und speisen bei Bedarf permanent die Warenwirtschaftssysteme der Kunden. Vizuu stattet zwar zunächst die Container aus dem eigenen Hause aus, arbeitet aber herstellerunabhängig und kann somit in bestehende Containerflotten anderer Marken integriert werden. Mit den Daten können Flottenmanager ihre Waren entlang der Logistikkette tracken, leere Container erkennen oder sogar Alarme setzen, die vor möglichen Ereignissen warnen und so die Warenwirtschaft optimieren.

Vom Stahlverarbeiter zum Prozessoptimierer

Die inhabergeführten Schäfer-Werke mit Hauptsitz in Neunkirchen im Siegerland sind mit diversifizierten Geschäftsbereichen weltweit tätig: EMW Stahl-Service-Center, Lochbleche, Standard- und Sonderbehälter aus Edelstahl, Einrichtung für Rechenzentren, Werkstätten und Betriebe sowie Datenmanagementsysteme für Ladungsträger. Diese Geschäftsbereiche arbeiten auf der gemeinsamen Grundlage hochwertigen Stahlfeinblechs, dessen Verarbeitung zu den traditionellen Kernkompetenzen des Unternehmens gehört. Im ersten Schritt wurde dazu eine Hardware entwickelt, die alle benötigten Informationen wie Füllstand, Standort, Druck und Temperatur etc. bereitstellt. Nachdem Kunden die Deckel umgerüstet haben, kann der Datenlogger die generierten Informationen zwei Jahre autark und weltweit an den Nutzer senden.

„Wir setzen auf die enge Partnerschaft mit dem größten europäischen Softwarehersteller, weil wir Sicherheit und permanente Verfügbarkeit für unsere hochsensiblen Prozesse benötigen“, sagt Schäfer-Geschäftsführer Rainer Bröcher. Durch die Nutzung von SAP Cloud Plattform (SCP), Leonardo IoT und SAP Analytics will der Kunden auch ein nutzerfreundliches Frontend bieten, das sich sowohl in SAP wie auch in andere ERP-Systeme integrieren lässt. „Vizuu trägt der zunehmenden Bedeutung einer intelligenten digitalen Lieferkette Rechnung“, ergänzt Hartmut Thomsen, Präsident der Region Mittel- und Osteuropa (MEE) bei SAP. „Unsere Partnerschaft bietet Kunden Lösungen für permanente Transparenz in der Warenwirtschaft, für optimalen Ressourceneinsatz und verbesserten Kundenservice.“

Vielzahl der Protokolle, Standards und Frameworks als Digitalisierungsbremse

„Die positiven Effekte der digitalen Transformation auf unternehmensübergreifende Produktions- und Logistikprozesse sowie die Etablierung erster digitaler Geschäftsmodelle wurden bereits erfolgreich in der Prozessindustrie und der diskreten Fertigung erprobt“, heißt es von der Software AG. „Die Skalierung und Monetisierung mithilfe eines plattformbasierten Ansatzes werden jedoch bislang durch die Vielzahl von Protokollen, Standards und Frameworks gebremst.“

Aufgrund dieser Erfahrungen hat SAP im April die Unternehmen ifm electronic, Beckhoff, Kuka, Hilscher, Endress+Hauser und Multivac als Partner aus IT und OT um sich geschart, um herstellerübergreifend die Standardisierung für Digitalisierungsvorhaben auch in den Branchen Produktion und Logistik voranzutreiben. Als weitere Partner sind neben der Software AG auch Balluff, Gebhardt, Itelligence, Pepperl+Fuchs, Schmidtsche Schack, Samson und Wika der Allianz beigetreten, die grundsätzlich jedem Unternehmen offensteht und mittlerweile mehr als 21 Mitglieder zählt.

Fertigungsmaschinen mit der Betriebswirtschaft vernetzen

„Die Mitglieder der Allianz haben sich auf einen offenen und pragmatischen Ansatz verständig, um die Interoperabilität bei der Industrieautomatisierung sicherzustellen“, sagt Bernd Groß, Chief Technology Officer der Software AG. „Damit wird bewusst der Kundennutzen in den Vordergrund gestellt, denn das Zusammenspiel zwischen IT und OT erfordert Multi-Vendor-Interoperabilität. Nur so können Fabriken in der Fertigungs- und Prozessindustrie an den Vorteilen der Industrie 4.0 partizipieren. Der offene und standardbasierte Ansatz passt perfekt zu unserer Unternehmensphilosophie ‚Freedom as a Service‘“.

Laut Bärbel Strothmann entsteht hier keine Konkurrenzsituation zu Adamos. „Im Gegenteil“, sagt die Pressesprecherin der Software AG. „Diese Allianz kann auch in einer Adamos-Initiative helfen.“ Bei Adamos sei die Software AG ja Gründungsmitglied und steuere auch Cumulocity IoT bei, entwickele aber nicht selbst, sondern verstehe sich als lupenreiner Technologielieferant, der mit vorkonfigurierten „Solution-Accelerators“ den IoT-Einstieg beschleunige und erleichtere. Cumulocity liefert Device-, Cloud- und Enterprise-Integration, Streaming und Predictive Analytics, strategische IoT-Szenarioplanung (mit Modellierung der Auswirkung des IoT auf vorhandene Geschäftsprozesse) und ermögliche als IoT-Plattform die Wahl zwischen SaaS-, PaaS-, Edge- oder On-Premise-Implementierung.

Dass keine Konkurrenzsituation droht, zeigt ein Blick auf die unterschiedlichen Wertschöpfungsebenen im IoT: Die Gründer und derzeitigen Mitglieder der OI4.0 stammen aus dem Segment der Industrie-Equipment-Manufacturer (Sensorik und Aktorik). Deren Komponenten selbst sind wiederum in Maschinen und Anlagen verbaut (Mitglieder Adamos). Wenn sich also an der Basis des IoT der Sensorik- und Aktorik-Hersteller auf ein einheitliches Modell und einen einheitlichen Modus Operandi verständigen, bringt dies enorme Vorteile für darauf aufsetzende Initiativen wie Adamos, denn dort fließen laut Strothmann „zurzeit noch sehr viele Kapazitäten in Integrationsaufgaben, um die bisherigen Insellösungen der Equipment-Manufacturer zu verknüpfen“. Dank OI4.0 könnten Initiativen wie Adamos wieder mehr Zeit in die Applikationsebene investieren, was das eigentliche Differenzierungsmerkmal aus Sicht eines Maschinen -und Anlagenbauern im Plattform-Kontext ist.

Bildquelle: Schäfer-Werke, Software AG

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