Steht Grow eher skeptisch gegenüber: Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Lizenzen, Service & Support
Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) bewertet den Ansatz eher skeptisch, schon bevor überhaupt Lizenzbedingungen und Preise bekannt sind, da er sich ausschließlich auf die Public Cloud beschränkt. Auch wenn sich das Angebot primär an Neukunden aus dem Mittelstand richtet, eignet es sich laut DSAG vor allem für Konzern, die z. B. eine ERP-Einführung für eine Tochtergesellschaft planen und somit eine sogenannte Zwei-Tier-Landschaft abbilden möchten. Anders als beim Marketing-Programm Rise, dessen Fokus auf Migration und Transformation bestehender SAP-Systeme liegt, adressiert bei Grow eher Unternehmen, die sich für einen Greenfield-Approach entschieden haben.
„Unternehmen sollten jedoch sehr genau prüfen, ob die Public-Cloud-Lösung die prozessualen Anforderungen erfüllen kann“, mahnt DSAG-Sprecher Thomas Henzler. „Denn pauschal lässt sich nicht über die Unternehmensgröße aussagen, wie komplex die bestehenden Prozesse tatsächlich sind. In der Vergangenheit setzten insbesondere deswegen Kunden auf On-Premises- oder Private-Cloud-Editionen, weil hier mehr Transparenz und Klarheit herrscht und sich diese Systeme über Jahre erfolgreich bewährt haben.“
Ob dieser erneute Anlauf also nach Business One und dem inzwischen abgekündigten Business By Design endlich von Erfolg gekrönt ist, scheint auch angesichts der aktuellen Studie „SAP im Mittelstand“ von Theobald Software mehr als fraglich. Demnach liegen die SAP-Kosten im Mittelstand mehrheitlich über 1 Mio. Euro pro Jahr. Bei 57,3 Prozent der SAP nutzenden deutschen Unternehmen zwischen 500 und 1.000 Mitarbeitern belaufen sich die jährlichen Kosten für ihr SAP-System auf über 1 Mio. Euro. 16 Prozent bezahlen sogar über 2 Mio. Euro.
Zu diesen Kosten für SAP selbst addieren sich Aufwendungen für die Nutzung von SAP-Daten außerhalb von SAP. Die Unternehmen sind bereit, ähnlich hohe Investitionen für Drittanwendungen zu tätigen wie für SAP selbst. Gut zwei Drittel der Unternehmen (68,7 Prozent) investieren mehr als 500.000 Euro jährlich in Drittanwendungen, ein Fünftel (20,9 Prozent) sogar mindestens 1 Million Euro.
Neben den Kosten untersucht die Studie auch die Herausforderungen, den Status quo und die geplanten Veränderungen rund um den Einsatz von SAP, darunter vor allem zur Cloud-Infrastruktur. Einen Schwerpunkt bilden außerdem die Analyse und Verarbeitung der in SAP liegenden Informationen in anderen Anwendungen, für die sich Theobald Software als Anbieter von SAP-Integrationslösungen für Daten und Prozesse besonders interessiert.
Bildquelle: DSAG