Mutiger Schritt der NÖM AG mit pünktlicher S/4-Hana-Implementierung

SAP-Umstieg trotz Corona-Krise

Die Corona-Krise hat Unternehmer gelehrt, wie wichtig gut funktionierende und sichere IT-Systeme sind – vor allem dann, wenn plötzlich viele Mitarbeiter von unterschiedlichen Standorten extern auf ein digitales System zugreifen. Das konnte die 1898 als Niederösterreichische Molkerei gegründete NÖM AG aber nicht davon abhalten, die neue SAP-Software S/4 Hana nach 14 Monaten Vorbereitung wie ursprünglich geplant am 1. Mai in Betrieb zu nehmen.

Die NÖM AG in Baden/Österreich

Die NÖM AG in Baden/Österreich

Eine Software-Umstellung ist immer auch ein Sicherheitsrisiko, insbesondere dann, wenn die kaufmännischen Kernsysteme geändert werden sollen. Das weiß natürlich auch Alfred Berger, Vorstand der NÖM AG mit Hauptsitz in Baden. In einer Pressemitteilung wird er deshalb nach der Umstellung wie folgt zitiert: „Die fehlerfreie und vollständige Versorgung mit Milchprodukten für Österreich sicher zu stellen und die komplette Vernetzung aller Mitarbeiter im Homeoffice zu gewährleisten, waren unsere top Prioritäten in den letzten Wochen. Trotzdem haben wir unser Ziel die Systemumstellung auf die neue SAP-Software S/4 Hana nicht aus den Augen verloren. Nach 14-monatiger Vorbereitung haben wir am 1. Mai 2020 erfolgreich die Migration auf die neue ERP-Generation erledigt!“

Digitale Spitze

„Mit dem reibungslosen Produktivstart von nur 19 Stunden Durchlaufzeit und ohne Unterbrechung des Produktions- und Logistikablaufs der NÖM, hat das NÖM IT-Projektteam trotz Homeoffice und eingeschränkter Abstimmungsgegebenheiten gezeigt, welches Know-how in unseren hausinternen Köpfen steckt“, unterstreicht IT-Leiter Anton Leitner. „Mit diesem System haben wir uns an die digitale Spitze von Produktionsunternehmen gesetzt und werden unserer Vorreiterrolle weiter gerecht.“

Mit dem neuen „Digital Core“ will die NÖM, die mit über 700 Mitarbeitern und rund 3.000 Vertragsbauern 1,2 Mio. Liter Milch am Tag verarbeitet und knapp 400 Mio. Euro Jahresumsatz erzielt, eine führende Position in der Digitalisierung von Produktionsunternehmen einnehmen und einmal mehr ihre Innovationskraft unterstreichen. Schon 2005 hatte die Niederösterreichische Molkerei ihre gesamten Frischmilchprodukte auf Gentechnikfrei umgestellt. Seither verzichtet die NÖM auf genmanipulierte Pflanzen im Futter ihrer Milchkühe. Und im Jahr 2016 erreichte der Milchverarbeitungsbetrieb als erste Molkerei in Österreich die CO2-Neutralität, wobei allerdings die Transportlogistik nicht berücksichtigt wurde.

Permanente Modernisierung der IT

IT-Chef Anton Leitner ist schon lange an Bord. Er hatte bereits die IT-Reorganisation vor zehn Jahren geleitet, deren Ziel neben der generellen Verbesserung der Zuverlässigkeit gegenüber Geschäftspartnern auch die Optimierung der Servicequalität war. Dazu diente damals die Einführung eines umfassenden Reporting- und Controlling-Systems, ein Update des gesamten Reklamationsprozesses sowie Verbesserungen bei der Darstellung der Produktion sowie der Umsetzung der Produktionsanforderungen.

In einem Vorprojekt wurden zuerst die Roh-, und Hilfs- und Betriebsstoffe in SAP abgebildet, danach die Prozesse bis zur Warenauslieferung durchgängig umgesetzt und nach einer umfangreicher Testphase im Frühjahr 2009 die neuen ERP-Anwendungen live geschaltet. Damit wurde die vormals heterogene und wenig integrierte IT-Systemlandschaft durch eine vollständig integrierte SAP-Branchenlösung abgelöst.

„Wir hatten, historisch gewachsen, ursprünglich neben einer nicht zufriedenstellenden ERP-Kernanwendung insgesamt dutzende Anwendungen als Insellösungen für jeden Bereich im Einsatz“ skizzierte Leitner damals die Ausgangslage. Um den steigenden Anforderungen der Milchwirtschaft gerecht zu werden, habe man eine einzige integrierte Plattform gebraucht, „über die wir alle Prozesse steuern und abwickeln können.“ Von der Anlieferung der Rohstoffe über die Produktion und Qualitätssicherung, die im Lebensmittelbereich enorm wichtig ist, bis hin zum Vertrieb, zur Distribution und zur Intralogistik (Lager) sollten alle Bereiche auf dieser einen Plattform abgebildet werden.

Qualität ist für Leitnr das Schlüsselwort in der gesamten Produktionskette. Regelmäßig werde die Rohmilch auf Inhaltsstoffe wie Fett- und Eiweißgehalt sowie auf Keim- und Zellzahlen kontrolliert. Eine besondere Anforderung sei die Abwicklung der Wirkstoffe, da Milchbestandteile wie Eiweiß und Fett finanziell bewertet werden und daher auch über alle Produktionsstufen berichtet werden müssen. Diese komplexen Anforderungen aus dem Controlling konnten bereits seit 2010 ebenfalls in SAP abgebildet werden, so dass die bisher eingesetzte Insellösung vollständig abgelöst werden konnte.

Mutiger IT-Chef

Anton Leitner wiederum wurde im Jahr 2015 hochoffiziell eine hervorragende Zusammenarbeit mit dem Business sowie der Mut bescheinigt, auch in der Mitarbeiterführung neue Wege zu gehen. Er wurde als CIO des Jahres ausgezeichnet, weil er zwei Jahre zuvor begonnen hatte, das Konzept der gewaltfreien Kommunikation in seinem Team umzusetzen. „Damit hat sich das Engagement des IT-Teams noch einmal deutlich verbessert", bescheinigte Berger damals seinem CIO. Leitner habe die IT-Abteilung zum Vorbild für andere Unternehmensbereiche gemacht.

Mit Themen wie „gewaltfreie Kommunikation“, Meditation, Co-Kreativität und „Acitve Listening“ stellt CIO Anton Leitner seine Mitarbeiter immer wieder vor besondere Herausforderungen. Aber gerade, dass er klassische Führungskonzepte hinterfragt und eine Öffnung hin zu Kreativität und Innovationskraft ermöglicht, hat die Jury 2015 überzeugt, ihn mit dem Confare CIO AWARD auszuzeichnen.

Bildquelle: NÖM AG

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