Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG
Das IT-Budget der 265 befragten Unternehmen steigt im Vergleich zu 2022 bei 54 Prozent, bei 26 Prozent bleibt es gleich und bei lediglich 15 Prozent sinkt es. Die SAP-Budgets wachsen bei 52 Prozent, bleiben bei 31 Prozent gleich und sinken bei 15 Prozent. Ein Grund: Einige etablierte SAP-Lösungen laufen demnächst aus der Wartung. Deshalb sind die Projekt-Pipelines der Unternehmen gut gefüllt – entsprechend wird Budget benötigt.
Vor diesem Hintergrund wundert zweierlei: dass sowohl die Investitionen in die gute alte Business Suite seit zwei Jahren wieder steigen als auch dass bei den Umstellungen ganz klar die On-Premises-Variante des Nachfolgers S/4 bevorzugt wird, obwohl SAP erklärtermaßen eine Cloud-First-Strategie verfolgt. Gefragt nach den aktuell eingesetzten ERP-Lösungen, liegt ECC bzw. die Business Suite mit immer noch satten 79 Prozent (2022: 75 Prozent) weiter deutlich in Führung vor S/4 Hana On-Premises mit 41 Prozent (2022: 32 Prozent). Da können weder S/4 Hana Private Cloud mit 8 Prozent (2022: 6 Prozent) noch S/4 Hana Public Cloud mit mickrigen 3 Prozent (2022: 2 Prozent) mithalten.
Betrachtet man diese Zahlen, wird das Zeitfenster für Umstellungen allmählich eng, weil die zeitaufwändig sind und gleichzeitig die Ressourcen der involvierten Berater, SAP-Partner und Systemhäuser begrenzt bleiben, sagt Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG. „Für S/4-Hana-Projekte im Besonderen und Transformations-Projekte im Allgemeinen gilt: Je nach Komplexität können Migrationsprojekte mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Eine echte Transformation erfordert, dass neue Technologien evaluiert und eingeführt, sowie Prozesse neu gedacht werden.“ Darüber hinaus sei es bei Migrationsprojekten oftmals nötig, alten Code bzw. bestehende Prozesse zu ersetzen und Stammdaten zu bereinigen. Hungershausen rechnet deshalb damit, dass statt der aufwendigeren Transformations- bzw. Greenfield-Projekte beim Umstieg auf S/4 Hana in Zukunft verstärkt der Brownfield-Ansatz gewählt wird, also die Überführung der bestehenden SAP-Systeme in die neue S/4-Hana-Welt und erst anschließend Transformationsprojekte folgen, bei denen etablierte Prozesse oder gar das Geschäftsmodell geändert werden. Das würde auch die steigenden Budget für die altbewährten ERP-Systeme erklären.
Auch deshalb wurde – anders als 2022 – wieder die Frage nach der digitalen Transformation und den Fortschritte der Unternehmen dabei gestellt. Sehr weit vorn sehen sich 5 Prozent (2021: 2 Prozent), als weit bezeichnen sich 39 Prozent, der identische Wert wie 2021. Nicht sehr weit auf dem Weg der digitalen Transformation sehen sich 52 Prozent, eine Steigerung um zwei Prozentpunkte im Vergleich zum Report vor zwei Jahren. „Das spricht dafür, dass die Unternehmen während der Pandemie andere Prioritäten gesetzt haben und vielleicht auch angesetzte Digitalisierungsprojekte zunächst aufgrund der existierenden Unsicherheiten zurückgestellt hatten“, meint Hungershausen.
Was die Zufriedenheit der Umfrageteilnehmer mit der SAP-Strategie für ihre jeweilige Branche betrifft, sind 22 Prozent zufrieden, 39 Prozent weder zufrieden noch unzufrieden und 23 Prozent unzufrieden. 10 Prozent gaben an, sehr unzufrieden zu sein. 6 Prozent machen keine Angaben. Unter den zufriedenen finden sich z. B. die Hightech- und Elektronindustrie, der Öffentliche Sektor und die Konsumgüterindustrie. Bei den unzufriedenen lassen sich das Gesundheitswesen, die Metall-, Holz- und Papierindustrie, sowie die Chemieindustrie erwähnen.
Insbesondere die Zufriedenheit im Öffentlichen Sektor war aus DSAG-Sicht der Ankündigung im vergangenen Jahr von SAP geschuldet, künftig Cloud-Standorte ausschließlich für die Öffentliche Verwaltung zu betreiben. Die Unzufriedenheit mit der Branchenstrategie lässt sich z. B. am Gesundheitswesen festmachen. So hat SAP mitgeteilt, dass es keinen Nachfolger für ihre Branchenlösung im Patientenmanagement für S/4 Hana geben wird und damit Klinken und Krankenhäuser vor große Herausforderungen gestellt.
Bildquelle: DSAG