Viele Wege, ein Ziel: Produktiver und schneller werden

SAP und die Künstliche Intelligenz

Der Walldorfer Software-Konzern SAP baut nicht nur eigene KI-Lösungen in seine Software ein, sondern will das Innovations-Tempo zusätzlich durch Partnerschaften mit IBM, Google und Microsoft beschleunigen. Darüber hinaus denkt man laut über den Einstieg beim deutschen KI-Start-up Aleph Alpha mit seiner ChatGPT-Alternative Luminous nach – und will sich angeblich in der laufenden zweiten Finanzierungsrunde mit bis zu 100 Mio. Euro daran beteiligen.

  • Thomas Saueressig, SAP-Vorstand für „Product Engineering“, hat bereits über 130 KI-Anwendungsszenarien im Angebot.

  • Transformative KI für die Geschäftsprozesse von Unternehmen

  • Anwendungsfelder von generativer KI im SAP-System

  • Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus

Laut Thomas Saueressig, SAP-Vorstand für „Product Engineering“, hat man heute bereits über 130 Anwendungsszenarien für künstliche Intelligenz im Angebot. So hätten SAP-Systeme im letzten Jahr beispielsweise 40 Mio. Rechnungen automatisch verarbeitet – und Kunden zu Einsparungen von mehr als 366 Mio. Dollar verholfen. Nun komme generative KI dazu – mit weitreichenden Auswirkungen, zum Beispiel für Stellenbeschreibungen, Fragen für Vorstellungsgespräche, Produktbeschreibungen und Abfragen für Analysen. Dafür kommen KI-Verfahren und -Technologien wie trainierte neuronale Netzwerke oder maschinelles Lernen („Deep Learning“) zum Einsatz, um Texte, Bilder, Audio- und Videoinhalte, 3D-Modelle oder auch Programmcode zu erzeugen.

Um Zuge des Ausbaus der Partnerschaft mit Google wurde im Mai ein Open-Data-Angebot vorgestellt, das Unternehmen helfen soll, ihre Datenlandschaften zu vereinfachen und ihre Geschäftsdaten besser zu nutzen. Ziel ist es, Daten aus der gesamten Systemlandschaft mit Hilfe von Datasphere mit Googles Daten-Cloud zusammenzuführen – und so in Echtzeit für einen Überblick über die Datenlandschaft des Unternehmens zu schaffen.

„Unsere erweiterte Partnerschaft wird helfen, die Hürden zwischen Daten in unterschiedlichen Systemen, Datenbanken und Umgebungen abzubauen“, sagte SAP-CEO Christian Klein. „Dadurch profitieren Kunden nicht nur von der künstlichen Intelligenz, die bereits in unseren Systemen integriert ist, sondern auch von einer einheitlichen Datengrundlage.“ Und Thomas Kurian, CEO von Google Cloud, ergänzte: „Durch die tiefe Integration von SAP-Daten und -Systemen mit unserer Daten-Cloud können Kunden unsere Analyse-Funktionen sowie fortschrittliche KI-Tools und umfangreiche Sprachmodelle nutzen, um neue Erkenntnisse aus ihren Daten zu gewinnen.“ Außerdem werde SAP seine Multi-Cloud-Angebote erweitern und die regionale Unterstützung von BTP und Hana Cloud in Google Cloud ausweiten. Beabsichtigen, BTP noch in diesem Jahr in fünf neuen Regionen einzuführen. Bis 2025 sollen insgesamt acht Regionen unterstützt werden.

KI für Recruiting und Mitarbeiterentwicklung

Im Rahmen der erweiterten Zusammenarbeit mit Microsoft will SAP die Azure OpenAI Service API nutzen, um in gemeinsamer Entwicklungsarbeit die Prozesse in den Bereichen Personalbeschaffung und Mitarbeiterentwicklung zu straffen. So will man den KI-Service nutzen, um auf Basis von Daten aus Success Factors Stellenbeschreibungen zu erstellen. Dank einer Integration zwischen der Recruiting-Software und Microsoft 365 können Personalverantwortliche Stellenbeschreibungen mithilfe des digitalen Assitenten Copilot in Word mit zusätzlichen Inhalten versehen und Prüfungen feinabstimmen. Die endgültigen Stellenbeschreibungen werden dann mit Success Factors veröffentlicht, um den Workflow zu vervollständigen, ohne dass die Personalverantwortlichen ihren normalen Arbeitsablauf verlassen müssen. SAP will diese KI außerdem nutzen, um Interviewern innerhalb von Microsoft Teams Fragen vorzuschlagen, die auf dem Lebenslauf eines Bewerbers, der Stellenbeschreibung und ähnlichen Stellen basieren.

Dank der Integration von Success Factors mit Microsofts Viva Learning können Mitarbeiter Copilot auch in Viva Learning nutzen, um Fragen in natürlicher Sprache zu stellen. Sie erhalten dann personalisierte Schulungsempfehlungen, die auf Daten und Kursen aus Success Factors beruhen und zu den Karriere- und Entwicklungszielen der jeweiligen Person passen. Ist eine Schulung abgeschlossen, automatisiert Success Factors Growth automatisch den Status, sodass Unternehmen ein aktuelles Bild über den Lernstand und die vorhandenen Kenntnisse ihrer Belegschaft haben.

Watson soll SAP-Software smarter machen

Schließlich soll in Zusammenarbeit mit dem langjährigen Partner IBM die KI-Technologie Watson in SAP-Software integriert werden, um zum Beispiel die Leistungsfähigkeit des digitalen Assistenten auf SAP Start zu steigern. Über SAP Start als zentralen Einstiegspunkt haben Anwender einen einheitlichen Zugriff auf die Cloud-Lösungen aus Walldorf. Sie können damit Apps suchen, aufrufen und interaktiv nutzen. Die neuen KI-Funktionen in SAP Start sollen so konzipiert sein, dass sie mit der Verarbeitung natürlicher Sprache und vorausschauenden Analysen helfen, die Produktivität der User zu steigern.

Die neuen KI-Funktionen für den digitalen Assistenten in SAP Start sollen auf sämtliche SAP-Produkte ausgeweitet werden und dort verschiedene Fragen von Führungskräften und Mitarbeitern beantworten. Sie automatisieren und beschleunigen dann allgemeine Aufgaben und sollen dadurch die Produktivität der Belegschaft steigern. Mithilfe von KI- und Machine-Learning-Funktionen soll es möglich werden, Informationen aus einer Vielzahl von Datenquellen zu extrahieren und Fragen von Anwendern aus verschiedenen Geschäftsbereichen zu beantworten.

Technologie von IBM steht aktuell bereits in der mobilen Anwendung Tripit von Concur zur Verfügung. Dort hilft sie rund 13 Millionen Anwendern KI-gestützte Wetterinformationen einfach abzurufen, um vor und bei ihren Reisen stärker auf Nachhaltigkeit zu achten.

Neben der nativen Integration von Watson in SAP-Software arbeiten beide Hersteller gemeinsam an generativer KI und großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs), die konsistentes kontinuierliches Lernen und Automatisierung auf Basis der geschäftskritischen Anwendungssuite von SAP ermöglichen sollen. Angesichts der weltweiten Präsenz der SAP bietet der enorme Datenbestand des Unternehmens das Potenzial, die Möglichkeiten großer Sprachmodelle in vielen Branchen deutlich auszubauen.

Verantwortungsbewusster Umgang mit KI

Ziel dabei ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit KI, heißt es aus Walldorf. Sie sei einerseits transparent, so dass sich nachvollziehen lässt, wie die KI Schlussfolgerungen zieht und Empfehlungen ausspricht. Sie respektiert darüber hinaus die Privatsphäre bzw. sensible Daten und hilft, Voreingenommenheit zu vermeiden. Dazu hat SAP auch Leitprinzipien für den Einsatz von KI in seiner Software definiert und arbeitet SAP seines KI-Ethikbeirats mit Ethikexperten zusammen, um die Auswirkungen des Einsatzes von KI im Unternehmen zu untersuchen.

„Was uns auszeichnet, ist, wie wir diese Technologien einsetzen und diese KI-Funktionen integrieren, um neue Geschäftsprozesse in sämtlichen SAP-Lösungen zu entwickeln“, unterstrich SAP-CTO Jürgen Müller Mitte Mai auf der diesjährigen Kundenveranstaltung Sapphire. Man arbeite daran, generative KI zum Toolset bestehender KI hinzuzufügen, die bereits im gesamten SAP-Portfolio eingebettet ist und die Business Technology Platform (BTP) nutzt. Über 80 Szenarien für generative KI seien bereits konkret in der Entwicklung.

Die neu angekündigte SAP Business AI soll nicht nur Finanzteams helfen, Kosten zu kontrollieren und Risiken zu reduzieren, sondern auch dem Vertrieb dabei, mehr Zeit mit Kunden zu verbringen, und Supply-Chain-Managern dabei, die Nachfrage besser vorherzusagen. Innerhalb der Software „Customer Experience“ soll Business AI es CX-Teams ermöglichen, die Konversionsraten zu erhöhen und Inhalte so zu generieren, das Kundenerlebnisse automatisch personalisiert sind. Insgesamt suche man nach Möglichkeiten, KI und generative KI in jedem SAP-Modul und mit Anwendungsfällen zu nutzen, die für wichtige Branchen spezifisch sind.

So sollen neue KI-Funktionen für diverse Geschäftsprozesse in die Produkte eingebaut werden, etwa für ein effektiveres Inkasso im Forderungsmanagement, für die Modellierung von Geschäftsprozessen mit dem zugekauften Process-Mining-Tool Signavio oder für widerstandsfähigere Logistik- und Lieferketten. Außerdem soll auch der Support in S/4 Hana dank KI reaktionsschneller werden.

Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus, SAP

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