Nach Bernd Leukert geht auch Robert Enslin

SAP verkleinert den Vorstand

Robert Enslin, bereits seit 1992 bei SAP und zuletzt als Präsident der „Cloud Business Group“ Mitglied des SAP-Vorstandes, verlässt den Softwarekonzern genauso überraschend wie zuvor bereits Vorstandskollege Bernd Leukert. Enslin „übernimmt künftig neue Aufgaben außerhalb des Unternehmens“, teilte SAP am Freitagabend mit. „Dieser Wechsel ist der nächste Schritt zur Vereinfachung des Unternehmens“, sagte CEO Bill McDermott. Der Vorstand besteht damit aus acht statt wie zu Jahresbeginn zehn Personen.

SAP-Vorstand Robert Enslin will einen besseren Job antreten.

Kurz vor dem Start des größten und teuersten Restrukturierungsprogramms in der Geschichte der Walldorfer, das für das Ausscheiden von 4.400 Beschäftigten bis zu 950 Millionen Euro – vor allem für Abfindungen – vorsieht, wird der SAP-Vorstand weiter verkleinert.

Wie schon Bernd Leukert, der Ende Februar Knall auf Fall den Hut nahm, wird auch „Rob“ Enslin (Jahrgang 1962) nicht ersetzt. Während Michael Kleinemeier jetzt Leukerts Arbeit mit erledigt, sollen mit sofortiger Wirkung zwei Frauen dafür sorgen, dass Enslin nicht vermisst wird: Jennifer Morgan folgt ihm als Präsidentin der „Cloud Business Group“. Adaire Fox-Martin verantwortet den SAP-Vertrieb künftig alleine als Präsidentin der „Global Customer Operations“.

Beide Managerinnen gehören seit April 2017 dem Vorstand an; sie leiteten seither gemeinsam den SAP-Vertrieb. Die Amerikanerin Morgan leitet ihren neuen Bereich weiterhin aus den USA, die Irin Fox-Martin behält ihren Sitz in der Firmenzentrale in Deutschland. Gleichzeitig wurde damals der Verantwortungsbereich sowohl von Leukert als auch von Enslin noch erweitert, um „das Unternehmen zu stärken“. Jetzt sind beide Manager überflüssig geworden.

Kostspielige Qualtrics-Übernahme

Zuletzt war Cloud-Chef Enslin noch maßgeblich beteiligt an der Übernahme von Qualtrics für 8 Mrd. Dollar, die er als „einzigartige Chance“ bezeichnet hatte. Hatte der SAP-Vorstand zuvor noch gesagt, auf große Übernahmen zu verzichten, tätigte er dann die größte Akquisition der SAP-Geschichte.

Das für diese durchaus nicht unumstrittene Übernahme spendierte Geld fehlt jetzt natürlich für dringend nötige Investitionen in die Weiterentwicklung der Produkte – Stichworte „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ – sowie in die Schaffung der schmerzlich vermissten Schnittstellen, über die dann die mehr als 425.000 Kunden zugekaufte Produkte wie Ariba, Fieldglass, Hybris, Sucessfactors oder Concur überhaupt vernünftig – sprich integriert – nutzen könnten.

Wären die 8 Mrd. Dollar beispielsweise in die Entwicklung des im vergangenen Jahr mit großem Tamtam angekündigten CRM-Systems C/4 Hana investiert worden, hätte SAP dieses Marketingversprechen wesentlich schneller in praxistaugliche Produkte umsetzen können. Jetzt heißt es für die Hybris-Kunden: Abwarten und Tee trinken; bei Salesforce und Microsoft wird wird man sich darüber freuen, dass SAP keine wirklich integrierten E-Commerce- und CRM-Lösungen zu bieten hat.

Urgestein Rob Enslin

Enslin, seit 1992 bei SAP, war 2012 als damaliger Vertriebschef der erste „Nicht-Vorstand“ im damals neuen „Global Managing Board“ der SAP und rückte dann 2014 als Präsident der Vertriebsorganisation in den Vorstand auf. „Während seiner zweijährigen Verantwortung als Präsident der Cloud Business Group hat er das Cloud-Portfolio der SAP deutlich ausgebaut“, würdigte SAP in der Presseinformation seine Verdienste. „Ein gutes Beispiel dafür ist die erst kürzlich abgeschlossene Übernahme des Marktführers für Experience Management, Qualtrics.“

Auch Firmengründer Hasso Plattner und CEO Bill McDermott werden mit lobenden Worten zitiert. McDermott hofft, dass Enslin „auch in seiner neuen Funktion immer ein Fürsprecher für SAP sein wird“ und ergänzt: „Für mich persönlich bleibt er ein Freund“.

SAP gelobt Besserung

„Dieser Wechsel ist der nächste Schritt zur Vereinfachung des Unternehmens“, sagt McDermott aber im gleichen Atemzug. Und er gelobte Besserung: SAP werde „Betriebsabläufe effizienter gestalten, neue Lösungen schneller an den Markt bringen, die Produktqualität verbessern, noch genauer auf Kundenwünsche eingehen und gleichzeitig die Marge deutlich verbessern“. Der Vorstand werde das Unternehmen „disziplinierter und fokussierter“ leiten.

Seit der seinerzeit ebenfalls überraschenden Abschaffung der Doppelspitze und dem Wechsel des damaligen Co-CEO Jim Hagemann Snabe im Mai 2014 aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat setzen sich bei SAP damit die vielen Wechsel im Topmanagement fort. Der früher einmal ruhigen und konsequenten Personalpolitik an der Firmenspitze trauern viele Kunden und Partner schon lange nach.

Bereits nach Leukerts Ausscheiden hatte der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck mahnende Worte bei der Einordnung des Vorgangs gewählt: „Wir haben Verständnis für die Umstrukturierungen, die SAP aktuell vornimmt, legen aber Wert auf Kontinuität. Das Wissen um die bestehende Produktpalette muss unbedingt erhalten bleiben. Wir hoffen, dass dieses Know-how trotz des Weggangs von Mitarbeitern nicht verloren geht. Wir danken Bernd Leukert für die langjährige gute Zusammenarbeit. Er hatte immer ein offenes Ohr für die Belange der Kunden und damit für die DSAG.“ Für die Partner soll Karl Fahrbach ein Ohr haben, der im März den neu geschaffenen Job des „Chief Partner Officers“ übernommen hat. Allerdings ist er kein Vorstandsmitglied.

Bildquelle: SAP

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