20 Prozent mehr als der Aktienkurs geboten

SAP will Ariba für 4,3 Mrd. Dollar

SAP verabschiedet sich immer mehr von der Innovation aus eigener Kraft und investiert lieber in Akquisitionen. Kurz nach dem Milliardenzukauf Success Factors sind jetzt knapp 3,4 Mrd. Euro für Ariba geboten - eine Prämie von 20 Prozent auf den Aktienkurs des 1996 gegründeten Anbieters von Software für die elektronische Beschaffung, die vor zwölf Jahren auch auf die AS/400 gebracht worden ist.

Das Softwarehaus Ariba hat den Sitz in Sunnyvale, Kalifornien, beschäftigt rund 2.600 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatzzuwachs um 38,5 Prozent auf 444 Mio. Dollar. Die internetbasierte Handelsplattform von Ariba verbindet und automatisiert ein Handelsvolumen von 319 Mrd. Dollar von 730.000 teilnehmenden Unternehmen. SAP bedient mehr als 190.000 Kunden und sieht deshalb „erhebliche Chancen, die Zahl der Teilnehmer des Netzwerks zu erhöhen und damit die Volumina der darüber laufenden Transaktionen zu erweitern“.
Aribas Verwaltungsrat hat der Übernahme bereits zugestimmt; nun müssen noch Aktionäre und Kartellbehörden ja sagen. Es ist geplant, nach Abschluss der Transaktion (voraussichtlich im Herbst) alle cloud-bezogenen Beschaffungslösungen der SAP unter Ariba zu vereinen. Das Management von Ariba soll das Unternehmen weiter führen, das eine eigenständige Geschäftseinheit bleibt.
Ariba hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die in den Anfangsjahren durch exorbitante Erfolge an der Börse und durch Mega-Deals geprägt war, etwa der Übernahmen von Tradex Technologies. Als Ariba im zarten Alter von drei Jahren an die Börse ging, war das Unternehmen schon mehr wert als heute – zunächst schlappe 6 Mrd. Dollar und dann im Jahr 2000 bereits stolze 40 Mrd. Dollar. Dann platzte die „New Economy“-Blase – und der geplante Kauf Agile Software platzte 2001 ebenfalls. Der Ariba-Wert implodierte und dümpelte lange dahin. 2010 waren die Aktien 1,5 Mrd. Dollar wert; danach stieg der Kurs aber wieder.
In den letzten Jahren machte Ariba wieder von sich reden, vor allem durch Patentstreitigkeiten und kleinere Firmenübernahmen, etwa von Quadrem und dem französischen eInvoicing-Experten B-process. SAP dagegen hatte lange Jahre nur ganz gezielt auf den Zukauf kleiner Softwarehäuser mit strategisch wichtigen Technologien gesetzt. Das hatte sich erst 2007 mit der Übernahme von Business Objects für 4,8 Mrd. Euro grundlegend geändert. 2010 folgte der Sybase-Kauf für 4,6 Mrd. Euro, gerade erst abgeschlossen ist die Übernahme von Success Factors für 2,5 Mrd. Euro.
Den Kauf von Ariba für 45 Dollar je Aktie begründet SAP damit, dieses Unternehmen sei führend beim „cloud-basierten Handel zwischen Geschäftspartnern“. Ohne das Marketingschlagwort Cloud läuft heute bei SAP kaum noch etwas - wenn auch nur durch Zukäufe, weil der 2007 lancierte Anlauf mit Business By Design das Cloud-Geschäft abzukurbeln, nach dem Verkaufsstart im Sommer 2010 immer noch nicht über das Versuchsstadium hinaus gelangt ist.
Nach der Übernahme sollen Aribas Kollaborations-Anwendungen für Geschäftskunden das SAP-Angebot ergänzen. Mit diesem Schritt will sich SAP in einem Marktsegment positionieren, in dem sich Käufer und Verkäufer weltweit über Cloud-Lösungen miteinander vernetzen.

Allerdings ist Ariba auch einer der Pioniere elektronischer Marktplätze. Das ist ein Thema, mit dem sich SAP in den letzten 15 Jahren immer wieder erfolglos beschäftigt hat – z.B. in Form der kostspieligen Beteiligung am 2004 pleite gegangenen Softwarehaus Commerce One oder an der erst 2011 erfolgten Übernahme von Crossgate. Außerdem hatte sich SAP im Jahr 2008 außergerichtlich mit der heutigen JDA-Tochter i2 geeinigt und zahlte 83,3 Mio. Dollar dafür, Patente des einstigen Partners i2 in den eigenen Supply Chain-Lösungen nutzen zu dürfen.
http://de.ariba.com

www.sap.de

www.crossgate.de
Bildquelle: Rainer Hörster/Pixelio.de

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