Interview mit Grit Wasmund, SAP-Expertin der K&P-Tochter Blue Consult

SAP@Power als All-in-One-Lösung

Die Umstellung auf die ERP-Generation S/4 Hana, die bei SAP-Kunden schon seit 2015 läuft, kommt allmählich auf Touren. Zu diesem Trend tragen auch leistungsfähigere Hardware-Systeme bei, die natürlich auch bei den klassischen ECC- und R/3-Systemen der SAP viele Vorteile bringen. Speziell zum Beitrag der Power-Systeme von IBM befragten wir Grit Wasmund, Senior Consultant für SAP / Hana und Koordinatorin des SAP-Teams bei Blue Consult, einer Tochter der Wiesbadener K&P Computer Service- und Vertriebs-GmbH.

Grit Wasmund, Blue Consult

Grit Wasmund: „Mit dem nötigen Know-how und unter Berücksichtigung der abhängigen Komponenten gelingt jede Migration!“

Frau Wasmund, die Power-Systeme sind nur eine von vielen Server-Plattformen für SAP. Was sind deren besondere Stärken beim Betrieb von SAP-Systemen?

Grit Wasmund: Das größte Alleinstellungsmerkmal ist ein software- und lizenzkostenoptimiertes Agieren durch das Konsolidieren von Systemen. Das geschieht zum einen durch Linux-basierte Betriebssysteme, zum anderen durch reduzierte Ressourcen-Bedarfe auf einer Power-Plattform. Die integrierte Virtualisierung ermöglicht weitere Kosteneinsparungen, bei gleichzeitiger Schaffung von Redundanzen für alle I/O-Anforderungen (Disk, Tape, Netzwerk). 

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Zusätzliche positive Effekte können durch die Nutzung von Shared-Prozessor-Pools und durch die hohe Hauptspeicher-Bandbreite erreicht werden. Zudem bieten Power-Systeme eine extreme Flexibilität, Sicherheit und Skalierbarkeit. Unter anderem wirkt sich die hohe Systemstabilität und lange Lebensdauer der Hardware-Plattform positiv auf die Kosten/-Nutzen-Rechnung aus.

Gibt es Besonderheiten, wenn wir speziell von Power für die neue ERP-Generation S/4 Hana sprechen?

Wasmund: Ja, es gibt zwei Haupt-Besonderheiten. Es ist möglich, dynamische Konfigurationen im laufenden Betrieb durchzuführen. Durch den Einsatz des Power Enterprise Pools 2.0 können ungeplante Workloads bzw. Peaks flexibler bedient werden, unter anderem durch das Verschieben mobiler Cores über zwei RZ-Standorte. Des Weiteren kann eine attraktive Ressourcen-Verteilung innerhalb des Dedicated/Dedicated-Donating- und Shared-Prozessor-Pool-Bereiches vorgenommen werden. 

Wenn Power so viele Vorteile bietet: Warum nutzt dann nur jeder vierte S/4-Hana-Kunde diese Plattform?

Wasmund: Vornehmlich, weil die Meinung vorherrscht, dass die Power-Plattform zu hohe Anschaffungskosten aufweist. Unsere Investitionsrechnungen zeigen jedoch, dass eine Power-Plattform für S/4 Hana sehr kostenattraktiv ist. Zu nennen sind hier vor allem reduzierte Betriebskosten (Platz, Strom, Klima, etc.) sowie wesentlich geringere administrative Aufwände. Dies bestätigt sich in vielfältigen Kundenprojekten.

Weitere Vorbehalte sind ja wohl mangelnde Skills bei Beratern und SAP-Partnern, größerer Einführungs- bzw. Umstellungsaufwand und eingeschränktes Software-Angebot im Vergleich zur Linux- oder Windows-Welt. Was tun Sie, um diese Bedenken auszuräumen?

Wasmund: Wir gehen mit den Kunden in den Dialog und bieten Workshops bzw. Impact-Analysen an. Auf dieser Basis erarbeiten wir individuelle Migrationsstrategien. Dabei stellen wir für den Kunden klar heraus, welche Themen in Bezug auf seine Anforderungen (z.B. Downtime-Zeitfenster) im Vorfeld einer SAP-(S/4)-Hana-Konversion zu klären und zu bearbeiten sind. 

Mit unserem Expertennetzwerk sorgen wir vorab für den nötigen Know-how-Aufbau bei der Linux- und Hana-Administration, um eine erfolgreiche Konversion und den stabilen Systembetrieb danach sicherzustellen. Ob diese Vorbehalte zurecht bestehen ist davon abhängig, wie der Kunde sein SAP-System nutzt, welche Prozesse abgebildet werden und wie diese entwickelt sind. 

IBM-Kunden von den Vorteilen der Power-Plattform zu überzeugen heißt Eulen nach Athen tragen. Wie aber überzeugen Sie Unternehmen mit anderen Serverplattformen davon, mit dem Umstieg auf Power ihre Workloads zu konsolidieren und gleichzeitig die Hard- und Softwarekosten zu reduzieren? Gibt es Benchmarks und bewährte Migrationsstrategien?

Wasmund: Benchmarks gibt es genügend! Strebt man Leistungsvergleiche zwischen bestehenden SAP-Hana-zertifizierten Technologien an, so hat man mit jeder neuen Prozessor-Generation mehr Leistung. 

Wir führen täglich Benchmarks durch und punkten bei Kunden sehr oft mit einem Power-System und den entsprechenden Argumenten bezüglich Live-Betrieb, Hochverfügbarkeit und Disaster-Recovery in Bezug auf SLA.

Welche Risiken sehen Sie bei der Migration einer SAP-Landschaft von der Intel- auf die Power-Plattform – und wie lassen sich diese Risiken beherrschen?

Wasmund: Es gibt aus unserer Sicht keine Risiken. Vor allem dann nicht, wenn man die Umstellung mit einem zertifizierten IBM- und SAP-Partner durchführt, wie wir es sind. Mit dem nötigen Know-how und unter Berücksichtigung der abhängigen Komponenten gelingt jede Migration. Bietet der Dienstleister noch entsprechende Managed-Services, ist der Kunde auf der sicheren Seite. Ein gutes Beispiel ist hier unser Kunde Apetito.

Inwiefern macht Power es für IBM-Kunden einfacher, gleichzeitig mit oder auch nach einem Umstieg auf S/4 Hana ihre Legacy-Systeme jenseits von SAP zu modernisieren?

Wasmund: Gerade mit Blick auf den digitalen Wandel ist es zwingend erforderlich, die Legacy-IT zu modernisieren. Und wer von Modernisierung der IT-Infrastruktur spricht, meint vor allem die Eigenschaften sicher, kosten-effizient, skalierbar, langlebig und flexibel. Mit der Power9- bzw. 10-Technologie ist all dies erfüllt. Das heißt: Der Weg in eine digitale Zukunft ist IT-seitig geebnet. 

Mit dem neuen Topmodell E1080 hat IBM ja im September den ersten Vertreter der 10. Generation der Power-Systemfamilie vorgestellt. Welche Vorteile bringt Power10 speziell für „Hana on Power“?

Wasmund: Vor allem Performance, Skalierbarkeit und Sicherheit. Power10 bietet Performance-seitig einen hohen Durchsatz für S/4 Hana – und das auf weniger Prozessor-Sockeln. Das bringt den Unternehmen skalierbares, nachhaltiges Computing und hilft so, schneller auf Kundenanforderungen zu reagieren. 

Power10 wurde für speicherintensive Workloads wie S/4 Hana entwickelt. Dies bedeutet: Man kann 30 Prozent mehr Leistung pro Kern erreichen, den Durchsatz auf Sockel- und System-ebene um über 50 Prozent verbessern, neben Platz auch noch Energie sparen und den CO2-Ausstoß im Vergleich zu älteren Power-Systemen reduzieren. IBM und SAP konnten per Benchmark nachweisen, dass ein 8-Sockel System fast 1 Million SAPS (SAP -Application Performance Standard) erreichen kann. Das ist ein technologischer Weltrekord. 

Andere Arbeitslasten, wie KI oder Datenanalysen, können parallel laufen. Zudem können mehrere Generationen von Power-Systemen und CPUs innerhalb einer einzigen Hana-Instanz aktiv sein. Die deutlich schnellere und sichere Verschlüsselung findet bei -voller Speicherrate ohne Auswirkungen auf die S/4-Hana-Performance statt. 

Alles in allem ist die Power10-Technologie aus unserer Sicht eine sehr zuverlässige, skalierbare und aus Gesamtsicht auch kosteneffiziente Lösung für das digitale Unternehmen von heute und morgen.

Können Sie bitte an einem Beispiel verdeutlichen, welche Vorteile eine Erneuerung der Infrastruktur mit Power-Technologie bringen kann? Mit welcher Kundensituation und Anforderungen wurden Sie konfrontiert? 

Wasmund: Gerne – und zwar am Beispiel eines Generationswechsels von Power8 auf Power9 bei unserem langjährigen Kunden Apetito; Power10 war zum damaligen Investitionszeitraum noch nicht announced.

Das weltweit aktive Familienunternehmen Apetito ist seit 1958 am Markt und mit mehr als 11.700 Mitarbeitern und über 1 Mrd. Euro Umsatz einer der führenden Verpflegungsanbieter in Deutschland. Für einen sicheren und leistungsstarken IT-Betrieb ist es notwendig, sämtliche Hardware- und Software-Komponenten auf dem neuesten Stand zu halten, um eine 24/7-Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur sicherzustellen. 

Zum Zeitpunkt des Projektstartes hatte Apetito als Hauptsystem eine Power8-Umgebung für SAP-Applikationen – wie z.B. SAP ERP und BW – in diversen IBM-i-Partitionen im Einsatz. Es stand nach drei Jahren ein Software-Maintenance-Renewal an. Daraus ergab sich die Herausforderung, unter Berücksichtigung Performance-technischer und wirtschaftlicher Aspekte ein zukunftsfähiges und stabiles IT- und Service--Konzept zu erarbeiten.

Wie sah das aus?

Wasmund: Apetito ist bereits langjähriger K&P-Kunde im sensiblen Bereich „Service und Support“. Die Zusammenlegung der Skills von K&P Computer und der Tochtergesellschaft Blue Consult hat unser Portfolio im Bereich SAP und Managed-Services erweitert. Das machte es uns möglich, alle Anforderungen aus einer Hand abzudecken – von der Infrastruktur-Erneuerung über die SAP-Migration bis zum 24/7-Managed-Service. Und dies mit bewährten Kontaktpunkten, kurzen Kommunikationswegen und bekannten Ansprechpartnern. 

Nach ausführlicher Analyse der bestehenden IT-Infrastruktur wurde, unter Berücksichtigung der Kostenstruktur, eine optimierte Gesamtlösung geschaffen und implementiert, die systemseitig mit einer Power9-Technologie und SAP-Integration sowohl der aktuellen Dynamik Stand hält als auch serviceseitig höchstes Sicherheitsniveau bietet. 

Um welche Managed-Services handelt es sich?

Wasmund: Es greift dabei unser wohl einzigartiges 24/7-Managed-Services-Konzept. Ein Netzwerk von Experten verantwortet die maximale Stabilität der IT-Infrastruktur, reportet, optimiert – z.B. zu notwendigen Firmware-Updates – und löst bei Bedarf für Apetito weltweit rund um die Uhr alle Hardware-, Software- und Applikations-Themen.

Die Option, ein solches Projekt als All-in-One-Lösung umzusetzen, ist meiner Meinung nach einzigartig. Von der Infrastruktur-Beratung, inklusive der Lizenzierung des Betriebssystems, bis hin zur Optimierung und Migration der SAP-Systeme erhält Apetito alles aus einer Hand. 

Die neue Power9-Umgebung mit individuellem SAP-Sizing sichert die benötigte Performance-Steigerung. 24/7-Managed-Services sorgen für höchste Sicherheit und gehen gleichzeitig mit einer nachhaltigen Reduktion der Betriebskosten einher. Heute hat Apetito einen einzigen Anlaufpunkt für alle Data-Center-Themen. Das sorgt für Sicherheit, schafft Transparenz und spart Kosten. 

Frau Wasmund, vielen Dank für das Interview!

Bildquelle: K&P Computer / Blue Consult

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok