Fragen zu Performance und Stabilität

Simplify mit Hana

SAP setzt mit S/4 Hana nicht mehr in bewährter Weise auf die relationalen Datenbanken wie DB/2, SQL-Server oder Oracle, sondern auf die hauseigene In-Memory-Plattform Hana. Diese Innovation verspricht nicht nur viele Vorteile, sondern weckt auch Befürchtungen. Wir sprachen mit Peter Althapp und Manfred Engelbart (Common-Arbeitskreisleiter) zu ihrer Einschätzung dieses Generationswechsels bei der ERP-Software.

  • Peter Althapp: „Da der Trend zur Vereinheitlichung – Simplify – gehen soll, macht die Beschränkung auf eine Datenbank durchaus Sinn.“

  • Manfred Engelbart: „Niemand muss in Panik geraten oder befürchten den Anschluss zu verpassen, wenn er nicht sofort auf S/4 umstellt.“

Anfang Februar hat die SAP AG mit S/4 Hana die neue Generation ihrer Unternehmenssoftware vorgestellt. Damit setzt SAP nicht mehr in bewährter Weise auf die relationalen Datenbanken wie DB/2, SQL-Server oder Oracle, sondern auf die hauseigene In-Memory-Plattform. Diese Innovation verspricht nicht nur viele Vorteile, sondern weckt auch Befürchtungen.

Es stellen sich nicht nur Fragen zu Performance und Stabilität der für analytische Anwendungen konzi­pierten Hana-Plattform unter großen Trans­aktionslasten, sondern auch zu den mit S/4 verbundenen Kosten und Aufwänden. Und was wird aus der langjährigen Partnerschaft der SAP mit IBM, von der speziell die Anwender des Power System i profitiert haben?

Wer sich hierzu informieren möchte, dürfte beim Common-Arbeitskreis „SAP on i“ fündig werden. DV-Dialog sprach mit den beiden Arbeitskreisleitern Peter Althapp und Manfred Engelbart zu ihrer Einschätzung dieses Generationswechsels bei der ERP-Software.

Was ändert sich mit der neuen ERP-Generation für Infrastruktur und Anwendungsbetrieb?
Peter Althapp:
S/4 setzt den Einsatz der Hana-Datenbank voraus. Darauf muss natürlich auch das Betriebskonzept ausgerichtet werden. Bisher läuft Hana nur auf einer Linux-Umgebung. Heute sind das zertifizierte Intel-Plattformen, künftig zusätzlich Linux on Power. Auch die Backup- und HA-Konzepte müssen das berücksichtigen.
Manfred Engelbart: Weiterhin ist zu beachten, dass SAP mit Hana auch Anwendungslogik von der Applikationsschicht in die Datenbank auslagert. Dort gilt es die bestehenden Betriebsstrukturen falls notwendig zu aktualisieren, da die Applikations- und Datenbank-Schicht immer mehr zusammenwächst.

Welche Konsequenzen hat das für die mehr als 3.600 Unternehmen, die heute SAP auf der Plattform IBM i einsetzen?
Engelbart:
SAP hat erklärt, die auf relationalen Datenbanken basierenden SAP-Umgebungen bis 2025 zu unterstützen. Dies gilt auch für SAP on IBM i. Dies ist ein langer Zeitraum, in dem auch und gerade in der IT noch viel passieren kann. Die Kunden haben also hinlänglich Zeit, über Migrationsstrategien nachzudenken. Aus diesem Grunde muss niemand in Panik geraten oder befürchten den Anschluss zu verpassen, wenn er nicht sofort auf S/4 umstellt.
Althapp: Unser Arbeitskreis wird sich natürlich verstärkt diesen Themen und den Teilnehmern die nötigen Informationen zur Verfügung stellen, damit hier die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Wird SAP trotz aller Bedenken bei Hana als einziger Plattform bleiben und sich endgültig von Oracle, DB2 & Co. verabschieden? Warum bzw. warum nicht?
Althapp:
SAP hat offiziell erklärt, dass Hana die einzige Plattform für S/4 sein wird. Hier wurden die Kunden in den vergangenen Jahrzehnten sehr verwöhnt. Sie konnten aus verschiedensten Datenbanken wählen. Da nun der Trend zur Vereinheitlichung – Simplify – gehen soll, macht diese Vorgehensweise durchaus Sinn.

Was raten Sie IT-Leitern, die derzeit eine Umstellung ihrer bewährten AS/400-Anwendungen auf SAP erwägen: Abwarten, R/3 oder S/4?
Althapp:
Der Kunde hat die Wahl: er kann zunächst mit dem klassischen R/3 beginnen und damit sein bewährtes, auf IBM i gestütztes Systemkonzept weiter betreiben. Dann muss er allerdings im oben erwähnten Zeitrahmen eine spätere Migration einplanen.
Alternativ kann er natürlich mit S/4 beginnen, sofern die von ihm benötigten Anwendungsmodule bereits unter S/4 verfügbar sind. Das macht für die Kunden Sinn, die SAP stufenweise einführen möchten. In diesem Szenario fängt man meistens mit den Bereichen Finanzen und Controlling an. Passend dazu hat die SAP den Kunden die erste „Simplify-Anwendung“ S-Finance zur Verfügung gestellt.

Engelbart:
Abwarten wäre wohl die ungünstigste Entscheidung, da solch ein SAP-Projekt gute Vorbereitung erfordert. Ebenso dauert es seine Zeit, das gesamte Unternehmen auf einen Umstieg der Kernanwendungen einzustimmen und eine erfolgreiche Projektorganisation aufzubauen.

Wie realistisch sind die Befürchtungen, dass SAP die Kunden mit S/4 zu Cloud Computing zwingen oder zumindest drängen wird?
Engelbart:
Das ist eher eine weitere Option für die Kunden. Man kann sicher davon ausgehen, dass auch weitere Anbieter mit entsprechenden Cloud-Lösungen auf den Markt drängen werden. Außerdem lassen sich gerade mittelständische Unternehmen nicht gerne zu etwas drängen, besonders wenn es darum geht, wichtige Daten außer Haus zu geben. Aber natürlich wird eine Migration von R/3 nach S/4 manche Kunden veranlassen, auch über eine Cloud-Lösung nachzudenken.

 

 

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok