Unser Autor Stefan Pirer entwirft und implementiert seit mehr als 20 Jahren Datenmanagement- und Business-Analytics-Lösungen für Kunden in der Automotive-Industrie, Produktion, Handel und Finanzwirtschaft.
Unser Autor Thomas Renner ist Beratungsexperte für Business Analytics und Standortleiter bei DCCS in Wien. Der IT-Fachmann verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im beratungsorientierten Verkauf. Er ist Experte für das Entwickeln neuer Geschäftsfelder und die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten im Bereich IoT und Industrie 4.0.
Obwohl Echtzeit-Datenverarbeitung viele Geschäftsprozesse beschleunigt und neue Chancen verspricht, werden noch immer viele Business-Entscheidungen auf Basis statischer bzw. historischer Daten oder – im schlimmsten Fall – „aus dem Bauch heraus“ getroffen.
Um geschäftliche Entscheidungsprozesse jedoch nachhaltig beschleunigen und verbessern zu können sowie Veränderungen sofort erkennen und darauf schnell mit den richtigen Maßnahmen zu reagieren, sind Echtzeitdaten notwendig. Solche Informationen sind jedoch nicht nur die Basis „smarter“ Business-Entscheidungen, sondern auch neuer, innovativer Services für Kunden.
Für Handelsunternehmen, die ihren Kunden auf allen Kanälen eine gute „Customer Experience“ bieten wollen, ist die Verbindung von physischem Store und Onlineshop geschäftskritisch. Basis für Omnichannel-Services wie „Click & Collect“ ist dann in allen Shops die Verknüpfung von Informationen wie Online-Bestellung, Lagerstand und Artikel-Verfügbarkeit – und zwar in Echtzeit. So lässt sich sicherstellen, dass der bestellte Artikel tatsächlich in der Wunschfiliale verfügbar ist. Omnichannel-Services brauchen also Echtzeitdatenverarbeitung, um den hohen Kundenerwartungen entsprechen zu können.
Im Handel bieten solche Anwendungen auf Basis von Echtzeitdaten großes Potenzial. Ein jederzeit aktuelles Bonuspunktesystem für den Kunden beispielsweise, Verkaufsdaten in Echtzeit zur Kapazitätsplanung von Personal und Handelsartikeln oder optimierte „Customer Experience“ durch echtzeitbasierte Services sind notwendiger denn je, um den Kunden bestmöglich zu bedienen. Nicht zuletzt, weil der Service im Handel immer wichtiger wird.
Voraussetzung für die Nutzung von Echtzeitdaten ist ein integratives IT-System (wie z.B. das Power System i) mit einer Datendrehscheibe, die alle relevanten Informationen sammelt und den Zielsystemen passend zur Verfügung stellt. Implementiert als Event-Streaming-Plattform, werden über die Datendrehscheibe alle Daten aus Warenwirtschafts- bzw. Produktinformations-System, Webshop und „Click & Collect“-Applikation zusammengeführt, um Lücken zwischen heterogenen IT-Systemen zu schließen und somit innovative Kundenservices bereitzustellen.
In produzierenden Branchen überwachen Sensoren in Echtzeit alle Veränderungen von Parametern für Strom, Temperatur, Druck und andere Werte, die für Geräteausfälle verantwortlich sein oder sogar eine Gefahr für Menschen darstellen können.
Zur Qualitätsprüfung werden in der automatisierten Fertigung zunehmend bildgebende Verfahren eingesetzt, wobei die Sensordaten in Echtzeit mit der Produktion verknüpft sind. Selbstlernende Systeme vergleichen Soll- mit Ist-Werten – und stoppen bei gravierenden Abweichungen das Band oder informieren den Verantwortlichen. So werden Ausfälle in Produktionsprozessen vermieden, Prüfprozesse effizienter und sowohl Schäden als auch Kosten minimiert. Echtzeitdatenverarbeitung ist also ein wesentlicher Baustein beim Schritt zu Industrie 4.0.
Beim Thema Mobilität, insbesondere bei „Smart Mobility“-Services, haben Echtzeitinformationen höchsten Stellenwert. Hat beispielsweise der Fahrer eines Elektrofahrzeuges Probleme beim Laden, müssen dem Helpdesk alle relevanten Daten (etwa zu Ladekapazität, Standort, Stromanbieterverträge und Ladestation) sofort zur Verfügung stehen. Nur mit der Verfügbarkeit aller aktuellen Informationen in Echtzeit, inklusive dynamisch aufbereiteter Daten zum Kunden und dessen Fahrzeug, kann der Agent am Helpdesk den Kunden bestmöglich unterstützen.
Die Autohersteller haben rasch erkannt, dass viele Kunden bereit sind, der Nutzung ihrer Daten zuzustimmen, wenn sie im Gegenzug einen entsprechenden Vorteil und individuelle Service-Angebote erhalten.
Echtzeitdaten sind aber auch hilfreich für die Personal- und Kapazitätsplanung, beispielsweise im Tourismus. Für einen Skiverleih können Buchungsdaten von Hotels, verknüpft mit Wetterinformationen und weiteren Parametern, eine vorausschauende Ressourcen-Planung ermöglichen. Künstliche Intelligenz spielt hier eine zunehmend wichtige Rolle, um spezifische Prognosen erstellen zu können. Die Nutzung von Echtzeitdaten kann auf diese Weise in vielen Branchen das Kundenerlebnis maßgeblich verbessern.
Business-Analytics und der Einsatz von Echtzeit-Datendrehscheiben ermöglichen es den Unternehmen, schneller als bisher fundierte Entscheidungen zu treffen und innovative Services für ihre Kunden bereitzustellen.
Zentral dabei ist eine Analyse im Vorfeld, wo und wann der Einsatz von Echtzeitinformationen Sinn macht und wie sich Datenmanagement, -speicherung und -auswertung implementieren lassen. Fehlende Elemente können mittels Individual-Softwareentwicklung und entsprechenden Schnittstellen zu den benötigten Systemen ergänzt werden.
Durch Dashboards, Portale und Apps haben Unternehmen und deren Kunden dann Zugriff auf die benötigten Informationen. Das ermöglicht das Optimieren von Business, Services und Ressourcen – viele Aspekte der Digitalisierung, die in Zukunft noch wichtiger sein werden.
Bildquelle: Adobe Stock, DCCS