Michael Würdenmann: „Was sich auf jeden Fall massiv geändert hat, sind die zahlreichen und immensen Investments in die Weiterentwicklung unserer Produkte.“
Michael Würdenmann: „Jedes unserer Software-Produkte kann im eigenen Rechenzentrum installiert werden, aber auch als Container oder nativ in einer beliebigen Cloud.“
Michael Würdenmann: „Wir sind aus dem Stand zu einem vollwertigen Software-Anbieter geworden, der in fast allen Bereichen des täglichen Business, insbesondere im Kontext der digitalen Transformation, auf Basis von über 30 verschiedenen Produkten nützliche Lösungen für Unternehmen bereithält.“
Kollaborations-Tools, Videokonferenzen und digitale Dokumentenverwaltung – in der Corona-Pandemie hat es in vielen deutschen Unternehmen einen Digitalisierungsschub gegeben. Aber wie nachhaltig ist dieser und wie beurteilen die Unternehmen gut zwei Jahre nach Pandemiebeginn ihren Digitalisierungsfortschritt? Welche digitalen Office-Tools werden weiterhin eingesetzt?
Um diese und weitere Fragen zu beantworten, hat der Branchenverband Bitkom jüngst für dem Digital Office Index 2022 mehr als 1.102 Unternehmen ab 20 Beschäftigten aus allen Branchen repräsentativ befragen lassen. Sechs von zehn Unternehmen sind demnach überzeugt, dass digitale Technologien dabei geholfen haben, die Pandemie zu bewältigen. Eine knappe Mehrheit (53 Prozent) betont, dass Corona einen Innovationsschub im eigenen Unternehmen ausgelöst hat. Und vier von fünf Unternehmen (83 Prozent) verfügen inzwischen über eine Digitalstrategie, vor zwei Jahren lag der Anteil erst bei 74 Prozent. Dabei überwiegt momentan noch der Einsatz von Tools wie Microsoft Teams, Slack oder Google Workspace die Nutzung einfacher Anwendungen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Ein Aspekt allerdings, der im Stress der Pandemie oft vernachlässigt wurde, ist der Datenschutz, da wegen der Dringlichkeit „mal eben“ schnell ein Zoom oder Teams an den Start gebracht wurde. Aber nun steht man da und versucht – zum Teil auch wegen des Drucks der Datenschützer – diese Notlösungen zu ersetzen oder irgendwie datenschutzkonform umzugestalten. Denn wird die Lösung nicht lokal oder zumindest unter eigener Kontrolle gehostet, wird es schwer mit der Einbindung von Externen. Die müsste man dann nämlich immer vor einem Web-Meeting auf diesen Plattformen fragen, ob sie die Nutzung ihrer Daten dort erlauben. Das ist ein Aspekt, den seit einigen Jahren ein relativ neuer Player in diesem Markt zunutze machen will: HCL. Der indische Konzern wird auch deshalb jetzt schon von der Everest Group zu den führenden Anbietern von „Digital Workplace Services“ in Europa gezählt und von Gartner im „Magic Quadrant“ für ausgelagerte digitale Workplace-Services als „Leader“ positioniert.
„Unsere Vision ist es, digitale Arbeitsplatzdienste anzubieten, die einen fließenden Arbeitsplatz ermöglichen, der intuitiv, personalisiert, auf Abruf verfügbar und nachhaltig ist“, sagt Michael Würdemann, Marketing-Direktor DACH bei HCLSoftware. Im Interview mit DV-Dialog geht er auch auf das Thema Datenschutz ein und erklärt, was seit 2019 und der Übernahme vieler Software-Produkte von IBM passiert ist – und wie die weiteren Pläne aussehen.
Damals machte Deutschland-Chef Dr. Thomas Zeizel im Gespräch mit DV-Dialog deutlich: Es soll keine nervigen Software-Audits und keine teuren Re-Instatements mehr geben, dafür aber ein neues Lizenzmodell, das auf wirkliche Nutzung abhebt, ein stark vereinfachter Produktkatalog und besseren Support.
Herr Würdemann, können Sie bitte kurz beschreiben, welche Idee damals hinter dieser Übernahme stand?
Michael Würdemann: Der Bereich rund um Notes/Domino war Teil des Kaufs von IBM, allerdings ist das übernommene Portfolio deutlich umfangreicher und bei weitem nicht auf Office-Software beschränkt. Hinzu kamen auch Produkte für Marketing und E-Commerce (Unica und Commerce) und etliche Lösungen für Enterprise Security (Bigfix für Endgeräte-Management und eine komplette Secure Dev-Ops-Suite für die eigene Software-Entwicklung) sowie Zukäufe von Nicht-IBM Lösungen. Am Ende sind wir so aus dem Stand zum vollwertigen Software-Anbieter geworden, der in fast allen Bereichen des täglichen Business auf Basis von über 30 Produkten Lösungen für Unternehmen bereithält.
HCLTech war schon vor der Übernahme der genannten Produkte in Teilen mit deren Entwicklung – im Auftrag und nach Vorgabe von IBM – betraut. Da HCLTech immer schon aus erfolgreichen Service-Projekten mit Kunden – gemeinsam mit diesen – eigene Produkte entwickelt hat, wurde auch hier die Chance ergriffen und man hat mit dem Kauf aller Rechte diese Produkte in das eigene Portfolio übernommen.
Damit haben wir nun, neben den klassischen Services, auch unterstützende Assets in Form ausgereifter Software-Produkte, auf die wir in Kundenprojekten zurückgreifen können. Des Weiteren muss man sehen, dass das Software-Business im Vergleich zu den Services sehr lukrativ ist: Ob man eine oder tausend Lizenzen verkauft, macht vom Investment keinen Unterschied – der Ressourceneinsatz bei einem oder tausend Personentagen im Service ist hingegen auch immer direkt abhängig von Mitarbeitenden, die diese Dienstleistung dann erbringen.
Welche Transformation hat seit der Übernahme erlebt – und in welche Richtung soll diese Transformation weitergehen? Und was hat sich seit der Übernahme für die Kunden geändert?
Würdemann: HCLTech hat bei der Übernahme das Glück gehabt, dass auch viele Software-Experten – aus Entwicklung, Support, Software-Service und aus dem Vertrieb – mit gewechselt sind. Diese haben das entsprechende Knowhow rund um das Software-Geschäft sowie die, teilweise über Jahrzehnte aufgebaute Erfahrung mit den einzelnen Lösungen mitgebracht.
Aus Sicht der Kunden und Business-Partner hat sich damit – insbesondere bei uns in DACH – wenig geändert. Oft haben sie bei uns seit Jahren die gleichen Ansprechpartner aus dem Team des (technischen) Vertriebs oder den Software-Services und sind damit sehr zufrieden. Unser Net-Promoter-Score liegt Quartal für Quartal weit jeweils über 70 Punkten – und laut Statista ist für den Software-Markt alles über 40 Punkten schon sehr gut.
Was sich auf jeden Fall massiv geändert hat, sind die zahlreichen und immensen Investments in die Weiterentwicklung unserer Produkte. Klar kann man das bei unserer Büro-Software sehen, also Notes/Domino für E-Mail und -Anwendungen, Sametime für Web-Meetings und Connections für die Zusammenarbeit. Aber auch bei allen anderen Produkten haben wir inzwischen viele neue Haupt-Versionen geliefert, also für Produkte, die früher, also vor der Übernahme durch uns, schon mal fünf Jahre und mehr nicht entscheidend weiterentwickelt wurden.
Konkret gefragt: Welche Neuerungen gibt es bei den Produkten? Gibt es auch Produkte, die am Ende des Lebenszyklus stehen – oder aber auch völlige neue Produkte?
Würdemann: Tatsächlich sind die noch unter IBM entwickelten Notes/Domino-Versionen mittlerweile am Ende des Supports angekommen – vor allem, weil sie teilweise auf sehr alte Versionen von Betriebssystemen angewiesen sind, die selbst nicht mehr unter Wartung der jeweiligen Hersteller stehen.
Gleichzeitig haben wir mit der Version 12 von Notes und Domino auch Weiterentwicklungen am Markt Rechnung getragen und unterstützen nun eine Reihe von Backup-Produkten oder aktuelle Sicherheitsprotokolle. Anwender schätzen das moderne UI von Notes-Anwendungen auf dem mobilen Endgerät oder die neuen Funktionen wie beispielsweise zur Einbindung von Web-Meetings – nicht nur in Sametime.
Sametime wurde von Grund auf neu entwickelt, um moderne, sichere und datenschutzkonforme Web-Meetings zu ermöglichen. Aus Admin-Sicht wurde über neue Deployment-Möglichkeiten (Stichwort: Cloud-Native) eine einfachere und schnellere Installation und Wartung erreicht – hier sprechen wir nicht mehr von Tagen für eine Installation, sondern eher von Stunden.
Bei neuen Produkten gibt es zwei Gruppen: Neue Produkte aus eigener Entwicklung, wie beispielsweise DRYiCE zur Unterstützung des IT-Betriebs, aber auch weitere Zukäufe wie Volt MX, mit dem native, mobile Apps und sogenannte Progressive-Web-Apps entwickelt werden können. All das natürlich immer mit Zugriff auf Daten aus Domino-Datenbanken, so dass man diese in mobilen Apps für Kunden, Partner oder auch Mitarbeiter nutzbar machen kann. Das das mit Hilfe von nur einer einzigen Code-Basis, um dem Entwickler Zeit zu sparen.
Wie würden Sie die Release-Strategie charakterisieren? Und was sagen die Kunden und Partner dazu?
Würdemann: Tatsächlich gibt es hier Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten: Bigfix, zur Absicherung und Verwaltung von Endgeräten, muss genauso wie Appscan, eine Lösung für Sicherheits-Scans von Anwendungen, naturgegeben ständig auf dem neuesten Stand gehalten werden.
Für Neuerungen und Erweiterungen haben aber alle Produkte gemein einen verlässlichen Release-Plan: So sind für Domino seit der Übernahme der Version 9 von IBM inzwischen drei neue Hauptversionen entstanden – also pro Jahr ein Major-Release. Das gibt den Kunden Planungssicherheit, bestätigt unsere nachhaltigen Investitionen in das Software-Portfolio und zeigt den Weg in die Zukunft auf.
Soweit es möglich und sinnvoll ist, binden wir bei der Ideenfindung und Priorisierung der Entwicklung Kunden und Partner ein. Es gibt für zahlreiche Produkte „Ideation-Portale“, auf denen man eigene Ideen vorschlagen, andere Ideen bewerten und diskutieren kann. Ob diese Ideen dann übernommen werden, entscheidet das Produktmanagement – und informiert darüber ebenfalls über das Portal.
Bei Notes/Domino haben wir zudem die Besonderheit, dass hier nicht nur IT-Experten, sondern auch Endanwender direkten Kontakt mit der Software haben. Daher haben wir hier in diesem Jahr auch wieder zu weltweiten Design-Thinking-Workshops – unsere Next-Gen Jams – eingeladen: In fünf Städten in allen drei Ländern des DACH-Raumes haben Produktmanager im direkten Dialog die Ideen der Anwender eingesammelt, geclustert und bewertet.
Welche Rolle spielen die Partner in diesem Zusammenhang, aber auch beim Verkauf?
Würdemann: Unsere Business-Partner erbringen zwei wesentliche Mehrwerte: Zum einen sind sie oft näher vor Ort und können bei der Einrichtung und dem Betrieb unserer Lösungen mit kurzen Wegen punkten. Des Weiteren bieten viele unserer Partner auch eigene Lösungen und Services auf Basis unserer Software an. Hier steht oft die Fachanwendung (z.B. ein CRM) im Vordergrund, während unsere Technologie „nur“ den Motor bietet (hier z.B. Domino).
Cloud Computing ist in aller Munde. Wie positioniert sich HCLSoftware da?
Würdemann: Grob betrachtet gibt es in der Praxis aus meiner Sicht drei verschiedene Arten von Cloud-Computing: Public-Cloud-Angebote mit vollständigen Software-Lösungen (SaaS), die sich zahlreiche Mandanten teilen, sind wohl die bekanntesten. Dann kann man in diesen Clouds auch nur die Infrastruktur „mieten“ (IaaS) und betreibt Software unter eigener Kontrolle auf diesem „virtuellen Blech“. Was viele vergessen, ist die dritte Cloud: On-Premises, also im eigenen Rechenzentrum. Die für große Cloud-Umgebungen entwickelten Technologien, wie Container und deren Verwaltungsumgebungen, können nämlich auch im eigenen Haus das Management der Infrastruktur und der darauf laufenden Software vereinfachen.
Auch wenn HCLSoftware nur wenig Software „as a Service“ anbietet, so werden fast alle Produkte Cloud-native angeboten, was am Ende unseren Kunden die größte Flexibilität bringt. Unsere Cloud-Providing-Partner und Managed-Service-Provider erledigen auf verschiedene Arten ebenfalls den Betrieb – nach Wunsch unserer Kunden – in ihrer oder deren Cloud-Umgebung.
Verstehe ich das richtig: Der Kunde entscheidet, in welcher Cloud die HCL-Lösungen betrieben werden?
Würdemann: Genau. Das Paradigma Cloud-native sorgt dafür, dass eine Lösung nach allgemein anerkannten Standards bequem auf unterschiedlichen Cloud-Plattformen ausgerollt und betrieben werden kann. Hier gibt es die entsprechenden Plattformen bei den globalen Hyperscalern, wie AWS oder Google Cloud, aber beispielsweise auch bei Anbietern aus Deutschland, wie Ionos. Und auch die angesprochene dritte Option, das Deployment im eigenen Rechenzentrum, wird einfacher, wenn man dort eine Kubernetes-Umgebung schafft, auf der unsere Software genauso bequem wie bei den Hyperscalern installiert werden kann.
Für Tests oder den Proof-of-Concept bieten wir zusätzlich eine eigene Umgebung namens „Solution Factory“ – kurz: HCL SoFy – an, in der man verschiedene Software kombinieren und für eine „One-Click“-Installation die entsprechende Konfigurationsdatei herunterladen kann. Wer die Lösung wirklich nur kurz testen möchte, kann sie auch in der Factory laufen lassen – dann natürlich unter unserer Kontrolle.
Was ist zu tun, wenn der ausgewählte Cloud-Provider seine Preise erhöht und der Kunde zu einem anderen Provider wechseln will?
Würdemann: Das ist der Charme der Containerisierung: Die Anwendung innerhalb des Containers weiß per se nichts von ihrer Ablauf-Umgebung. Man kann daher den Container bequem auch von einem Anbieter auf einen anderen übertragen. Natürlich kann dabei die Datenmenge zur Herausforderung werden, jedoch nie die Konfiguration innerhalb des Containers.
Datenschutz und Souveränität sind heiß diskutierte Themen beim Cloud Computing. Wie beantworten Sie zum Beispiel Fragen rund um die DSGVO?
Würdemann: Jedes unserer Software-Produkte kann im eigenen Rechenzentrum installiert werden. Aber auch beim Deployment als Container oder nativ in einer beliebigen Cloud haben wir als Hersteller keinerlei Zugriff auf die Umgebung und sie „funkt“ auch nicht „nach Hause“. Wer also beispielsweise bei Web-Meetings oder der Arbeit mit Dokumenten oder E-Mails auf Nummer Sicher gehen möchte, setzt besser auf HCLSoftware wie Domino, Sametime oder Connections. Genau dies schätzen mehr und mehr unserer Kunden. Auch hier unterstützen Partner als Managed-Service-Provider mit in Europa oder in DACH lokalisierten Angeboten – z.B. mit dem Endpoint-Management aus der Cloud.
Herr Würdemann, vielen Dank für das Interview!
Bildquelle: Hanno Keppel