Oracle: Reanimierungsversuche im Servergeschäft

Sparc T5: Zu spät und zu schwach?

Seit der Übernahme von Sun Microsystems im Jahr 2010 hat Oracle im Servergeschäft massiv Marktanteile verloren. Das konnte die Ankündigung von Maschinen mit der Prozessorgeneration Sparc T4 im Jahr 2011 nicht ändern. Ob das mit den neuen Serverfamilien der Baureihen T5 und M5 gelingt, scheint zumindest fraglich – auch wenn Oracle damit 17 Weltrekorde für sich reklamiert und das Modell T5-8 den schnellsten Einzel-Server für die Oracle-Datenbank nennt – mit einem 12-fach besseren Preis/Leistungs-Verhältnis als ein vergleichbarer IBM-Server Power 780.

Im Midrange-Bereich arbeitet das Topmodell T5-8 mit bis zu acht Sparc-T5-CPUs, die jeweils über 16 Kerne verfügen; ein Gesamtsystem kann bis zu 128 Cores und 4 TB Hauptspeicher bieten.

Oracle feiert die neuen Sparc-Server T5 und M5 als „vollständige Aktualisierung seiner Midrange- und High-End-Sparc-Server mit dem Betriebssystem Solaris. Im Midrange-Bereich arbeitet das Topmodell T5-8 mit bis zu acht Sparc-T5-CPUs, die jeweils über 16 Kerne verfügen; ein Gesamtsystem kann bis zu 128 Cores und 4 TB Hauptspeicher bieten. Der neue T5-Prozessor ist mit 3,6 GHz höher getaktet als sein Vorgänger T4 (3,0 GHz) und soll rund 20 Prozent mehr Leistung pro Thread bieten, wobei jeder Kern acht Threads gleichzeitig verarbeiten kann. Eine Einstiegskonfiguration kostet rund 200.000 Dollar. Ursprünglich waren die T5-Server bereits 2012 erwartet worden

Beim High-End-Server M5-32 rechnet Oracle einen 2,5-fachen Kostenvorteil gegenüber einem vergleichbaren IBM-System Power 795 aus, bei großen I/O- und Speicherkapazitäten für komplexe Arbeitslasten und Anwendungskonsolidierung. Der Server sei bis zu zehnmal schneller als frühere Generationen und ermögliche eine „nahezu lineare Skalierbarkeit von 1 bis 32 Sockets, binärkompatibel, mit einer einheitlichen Betriebssystemumgebung und einem gemeinsamen Set an Systemmanagement- und Virtualisierungs-Tools. Die neuen Server und Solaris hätten in puncto Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Wartungsfreundlichkeit (RAS) Mainframe-Niveau.

Außerdem gibt es zwei neue „Optimized Solutions“ zur Maximierung von Anwendungsleistung und -verfügbarkeit bei gleichzeitiger Senkung der Anschaffungs-und Betriebskosten:

- Die Optimized Solution for Database soll bei der Aktualisierung und Modernisierung einer vorhandenen IBM Power 570-Infrastruktur bis zu 4,8 Mio. Dollar  einsparen.

- Die Optimized Solution for Weblogic soll eine schnelle Bereitstellung von Anwendungen mit 3,4 mal mehr Transaktionen pro Stunde als bei einem vergleichbaren IBM-Server Power 780 erlauben.

Liest man die Ankündigung und die Benchmark-Ergebnisse, wird schnell klar, dass Oracle Rivalen wie HP oder Dell nicht beachtet, sondern sich einzig und allein an IBM orientiert. Die 17 angeführten Benchmarks allerdings sind überwiegend von Oracle nach eigenem Gutdünken durchgeführt worden; nur fünf entsprechen etablierten Standards (wie TPC-C, SAP SD 2-Tier oder SPEC) und wurden auch offengelegt. Beispielsweise vergleichen die Benchmarks den Sparc T5-8 und der aktuellen Datenbank Oracle 11g Release 2 mit dem über zwei Jahre alten IBM-Server Power 780 mit der Datenbank DB2 in der Version 9.7 (aktuell ist DB2 10.1).

Offiziell hält IBM sich bisher bedeckt, doch Elisabeth Stahl, die technische Chefstrategin des Konzerns, nahm in einem Blog die Benchmarks nach allen Regeln der Kunst auseinander. Ihr Tenor: Wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ folgten die Oracle-Attacken auf IBM-Produkte dem gleichen Muster wie bei dem T4-Announcement vom September 2011 – nur mit neuen Preisen und Leistungsdaten. Beim SAP SD 2-tier-Benchmark habe der aktuelle Prozessor Power7+ mit DB2 Version 10 beispielsweise im September 1,3mal mehr Performance pro Core als der Sparc-Server M5-32 und 1,9mal mehr als der Server T5-8.

Beim Benchmark TPC-C hat laut Stahl bereits ein Power6-Modell im Jahr 2008, also zwei Produktgeneration früher, 42 Prozent mehr Performance zu bieten als das brandneue Modell T5-8; ein Power7-Modell aus dem Jahr 2010 bringe bereits 2,2mal mehr Leistung. Die aktuelle Servergeneration führt sie erst gar nicht mehr ins Feld – Höchststrafe. Angesichts ihrer Argumente dürfte man die Wiederbelebungsversuche für Oracles Servergeschäft als gescheitert ansehen.

www.oracle.de

Bildquelle: Oracle

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