BME-Logistikumfrage 2020: „Risikomanagement in Supply Chains“.

Supply Chains im Stresstest

Die weltweiten Lieferketten sind infolge der Corona-Krise stark unter Druck geraten. Bis zu vier von fünf Unternehmen melden massive Probleme aufgrund von Lieferverzögerungen, so eines der ersten Ergebnisse der aktuellen BME-Logistikumfrage 2020 „Risikomanagement in Supply Chains“.

Bildquelle: Nico El Nino, iStock / Getty Images Plus

Ein wesentlicher Grund dafür ist eine mangelnde Vorbereitung auf das Szenario einer Pandemie in den Risikoplänen der meisten Unternehmen. Weniger als 30 Prozent berücksichtigten demnach eine Pandemie als eigenständiges Risikoszenario – und von diesen wiederum hatte nur jedes vierte Unternehmen entsprechende Maßnahmenpläne für die eigenen Supply Chains entwickelt.

Doch war diese Pandemie unvorhersehbar, sodass sich die Unternehmen auf ein solches Ausmaß nicht vorbereiten konnten? „Nein!" sagt BME-Logistikexperte Carsten Knauer. „Denn allein im 21. Jahrhundert gab es bereits eine Vielzahl von Epidemien und auch Pandemien.“ Dazu zählt er z.B. die weltweite Grippewelle 2017/2018, die Vogelgrippe 2004 oder SARS 2002/2003.

Darüber hinaus hat bereits im Jahr 2012 das Bundesinnenministerium unter fachlicher Federführung des Robert-Koch-Instituts das Szenario „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ untersucht. „Die Übereinstimmung des Szenarios mit der aktuellen Situation ist frappierend“, sagt Prof. Michael Huth von der Hochschule Fulda.

Was können Unternehmen künftig tun, um nicht nochmals von derartigen Ereignissen überrascht zu werden? Oft werden laut BME die Risiken wegen der Flexibilität von Einkauf und Logistik vom Top-Management unterschätzt; dort herrsche die Meinung vor: Einkauf und Logistik bekommen das schon hin. Die Empfehlung: Das Risikomanagement sollte künftig eine höhere Transparenz bis in die Tier-n-Stufen aufweisen; Lieferanten müssten also bis tief in die weit verzweigten Lieferketten hinein bekannt sein, sodass man das Risiko von Lieferausfällen besser abschätzen könne. Gleichzeitig sollten Lieferanten vermehrt aus unterschiedlichen Regionen kommen.

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