Meyer Werft setzt auf intelligente Algorithmen

Termintreue in der Intralogistik

Auf Basis intelligenter Algorithmen plant die Papenburger Meyer Werft alle Material-Anlieferungen, die zum Bau der großen Kreuzfahrtschiffe nötig sind. Drei Kreuzfahrtschiffe verlassen jährlich die Halle einer der größten Werften weltweit, um hinaus auf die Weltmeere zu fahren. Pro Tag fallen daher für den Schiffbau etwa 1.500 interne Materialtransporte an.

  • Ein Logistik-Zug auf dem Werft-Gelände

  • Kommissionierung im neuen Logistikzentrum

  • Das Kreuzfahrtschiff Arvia in der Baudockhalle

Zur Verbesserung der Transportreihenfolge und für den effizienten Fahrzeugeinsatz nutzt die Papenburger Meyer Werft bereits seit 2004 die Transportleitsoftware Synctress der Aachener Inform GmbH. Das ist eine Software, die in Echtzeit umfangreiche logistische Prozesse durch intelligente Planungs- und Dispositionsentscheidungen optimiert. Dabei steht nicht nur die Organisation, sondern vor allem die Synchronisation aller logistischen Abläufe im Mittelpunkt.

Im Rahmen eines Modernisierungs­projektes wurde diese Zusammenarbeit 2021 ausgebaut. Nun optimiert die Software nicht nur die Reihen­folge der zu bearbeitenden Transportaufträge, sondern die Planung und ­Steuerung der gesamten Intralogistik.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Ein Ziel des Upgrade-Projektes war, alle Transportressourcen in einer Kette abzubilden und optimal zu steuern. Vom Gabelstapler bis zum Kran ist die Anlieferung des Materials heute durchgängig digitalisiert. Die Materialbedarfe aus der Fertigung werden über das ERP-System SAP EWM an das Transportleitsystem übermittelt. Dessen Algorithmen ermitteln aufgrund diverser Systemparameter in Echtzeit eine situativ optimale Versorgungstour und melden die Abfahrtzeit an SAP EWM. 

Die Disposition erhält bei Handlungsbedarf schnell die richtigen Informationen auf übersichtlichen Dashboards. So könne man nicht nur die komplexen Strukturen der Intralogistik abbilden, sagt Fachbereichsleiter Intralogistik Christian Meyer. Darüber hinaus würden auch die Transportaufträge so optimiert, „dass wir den Schiffsbau just-in-time beliefern und damit unsere Termintreue hochhalten können“. 

Logistische Meisterleistung

 Die Logistik ist beim Schiffbau ein ganz entscheidender Faktor. Denn damit ein großes Ganzes entsteht, müssen über 15 Millionen Einzelteile zum richtigen Moment am richtigen Platz sein – und das möglichst umweltschonend. Mit einem automatisierten Transportleitsystem gelingt es der Meyer Werft, die Materialströme in Papenburg nachhaltig zu organisieren. Das System berechnet für die schadstoffarmen, mit Flüssiggas betriebenen Gabelstapler die Transportrouten und reduziert so die Auswirkungen auf die Umwelt.

Um noch besser zu werden, hat die Werft mehr als 35 Mio. Euro in ein neues Logistik­zentrum investiert. Das vollautomatisierte Hochregallager, das Platz für 25.000 Lager­einheiten bietet und nach rund zwei Jahren Bauzeit im Frühjahr 2021 in Betrieb genommen wurde, stellt das gesamte Material zentral bereit. Der neue Standort ist so konzipiert, dass sich Zulieferbetriebe in der Nachbarschaft ansiedeln können. 

Damit werden ab jetzt alle Warenströme komplett automatisiert gemanagt und im Logistikzentrum gebündelt. Im 30 Meter hohen Hochregallager lagert nun sämtliches Material, das Standardmaße aufweist – also auf eine Standard-Europalette passt. Sieben Regalbediengeräte (schienengeführte Fahrzeuge) fahren Ware im Hochregallager mit bis zu 14 km/h vollautomatisch zum entsprechenden Regalfach oder entnehmen sie. Pro Stunde können 250 Ladeeinheiten aus- und eingelagert werden.

In der 10.000 m² großen Logistikhalle werden Wareneingänge entgegengenommen, im System verbucht und kommissioniert – also nach Transportziel und Route zusammengestellt. Außerdem werden Trailer beladen und Teile gelagert, die aufgrund ihres Volumens nicht in das Hochregallager passen. 

Die verbesserte Lagerhaltung ermöglicht es, Materialtransporte besser zu koordinieren, Verschwendung und Wartezeiten zu verringern und externe Lagerflächen abzubauen. Das neue Logistikzentrum verbessert sowohl die Lagerung als auch Arbeitsbedingungen und gilt als wichtiger Meilenstein in der Digitalisierung und Automatisierung von Logistik und Lieferketten der Werft. 

Über die Meyer Werft

Seit mehr als 225 Jahren hält die Familie Meyer das Schiffbauunternehmen auf Kurs – inzwischen in siebter Generation. Wie zu Gründungszeiten befindet sich die Werft noch heute in Papenburg. In den riesigen Produktions- und Baudockhallen entstehen seit Jahrzehnten Kreuzfahrtschiffe für internationale Reedereien. Bis heute haben 57 dieser Luxusliner die Werft verlassen.

Bildquelle: Meyer Werft

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