Talend bedient nach eigenen Angaben mit weltweit über 1.200 Beschäftigten mehr als 6.000 Kunden und erzielte 2019 einen Umsatz von 248 Mio. Dollar. 2005 in Frankreich gegründet und heute mit Hauptsitz im kalifornischen Redwood City, ging das Unternehmen im Juli 2016 an die Börse. Dieser Börsengang erfolgte zu Beginn der Welle von Big-Data-Börsengängen und -übernahmen, die sich mit steigenden Unternehmensbewertungen weiter beschleunigt. So hatte im September der amerikanische Cloud-Data-Spezialist Snowflake hat bei seinem Börsengang 28 Mio. Aktien für jeweils 120 Dollar verkauft und damit 3,36 Mrd. Dollar verdient; damit wurde das Startup-Unternehmen insgesamt mit 33 Mrd. Dollar bewertet.
Andere Beispiele gibt es mehr als genug. So kaufte der CRM-Pionier Salesforce die Datenanalysefirma Tableau für stolze 15,7 Mrd. Dollar, Google den Datenmigrations-Experten Alooma und die Business-Intelligence- und Analytics-Plattform Looker, für 2,6 Mrd. Dollar. Und im Oktober gab Tibco Software die Übernahme des BI-Urgesteins Information Builders bekannt. Talend selbst wiederum hatte zuletzt ebenfalls zugekauft, so 2018 das Big-Data-Start-up Stitch für 60 Mio. Dollar und im November 2017 den API-Testing-Anbieter Restlet. Und zuletzt kündigten die beiden amerikanischen Private-Equity-Gesellschaften Clearlake Capital Group und TA Associates an, in einem 3,5-Milliarden-Dollar-Deal die Kontrolle über das Softwarehaus Precisely (früher Syncsort) von Centerbridge Partners übernehmen zu wollen.
Nach Abschluss der Transaktion durch Thoma Bravo würde Talend wieder ein privates Unternehmen werden und die im letzten Jahr begonnene Transformation in Richtung „Cloud Data“ fortsetzen. Die Aktivitäten des Unternehmens in Frankreich würden in eine neue hundertprozentige französische Tochtergesellschaft überführt werden. Chip Virig, ein Partner von Thoma Bravo, nannte die Cloud-native Orchestrierungs-Plattform von Talend als eines der Schlüsselargumente für die jüngste Übernahme in einer Reihe von Technologie-Deals der in Chicago ansässigen Private-Equity-Firma. Neben Infogix und Qlik hatte man ja 2019 auch den AIOps-Spezialisten Dynatrace und die Automotive-Data-Company J.D. Power zugekauft – und Compuware an BMC verkauft.
Der Deal für Talend unterstreicht die wachsende Nachfrage von Unternehmen nach Governance- und Sicherheits-Frameworks, da immer mehr Daten in die Cloud wandern. Weitere führende Hersteller von Software zur Datenintegration neben den genannten sind SAS Institute, IBM (Produkt: Information Server), Informatica (Power Center), SAP Business Objects, Tibco/Information Builders, Oracle, Precisely, Microstrategy, Datawatch und Microsoft. Dazu kommen noch Tools aus dem Open-Source-Umfeld wie Kettle Pentaho Data Integration, Scriptella ETL, Clover ETL und das Perl-Framework Catmandu, das aus dem Bibliotheksumfeld kommt. Übrigens ist der Deal noch keineswegs in trockenen Tüchern, denn bis zum 10. April kann Talend auch noch bessere Übernahmeangebote annehmen.
Übrigens: Die beiden Thoma-Bravo-Gesellschaften Qlik und Tableau galten lange als führend im BI-Markt, sehen sich aber zunehmend mit starker Konkurrenz konfrontiert – sowohl von der alten BI-Garde rund um SAS, IBM und Oracle, die sie einst überholen konnten, aber auch von Newcomern, die von den Erfahrungen der Pioniere profitieren können, insbesondere mit Blick auf große und schnelllebige Datenbestände in der Cloud. Das sind einerseits BI-Hersteller wie Good Data, Domo, Looker, Zoom Data, Birst, Pyramid Analytics oder Alteryx, aber auch Hadoop- und Apache-Spark-basierte BI-Tools wie Platfora, Datameer oder Clearstory Data.
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