Folkert Wilken wurde nur 58 Jahre alt.
„Folkert Wilken hat das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren konsequent auf die Herausforderungen der digitalen Transformation ausgerichtet und den Übergang vom rein familiengeführten Betrieb zu einer wachstums- und zukunftsorientierten Organisation gestaltet. Sein Tod ist ein ebenso unerwarteter wie unheimlich schmerzender Verlust. Denn mit ihm verlieren wir einen Menschen, der große Visionen mit ganz pragmatischen Umsetzungsstrategien verbinden konnte und deren Umsetzung auch vehement verfolgte“, erklärt Dominik Schwärzel, seit Anfang 2021 CEO der Wilken Software Group, die ERP-Standardsoftware für die Abbildung betriebswirtschaftlicher Kernprozesse herstellt – sei es im Finanz- und Rechnungswesen, in der Materialwirtschaft oder in der Unternehmenssteuerung.
Vor genau einem Jahr hatte sich Wilken aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen, um sich verstärkt der strategischen Ausrichtung des Unternehmens zu widmen. Aber auch, um mehr Zeit für seine privaten Interessen zu gewinnen, wie etwa die Kunstgeschichte, seine Begeisterung für den Schwarzwald oder seine landwirtschaftlichen Aktivitäten in der Toskana.
Folkert Wilken war bereits in den 80er Jahren als Entwickler ins 1977 vom Vater Ernst Wilken gegründete Unternehmen eingestiegen, das Standardsoftware und Individualprogrammierungen zu einem Produktportfolio für mittlere und große Unternehmen verbindet. Dabei zeichnete er sich ab Anfang der 90er Jahre für die Entwicklung einer neuen Software-Generation jenseits des Großrechners mitverantwortlich. Im Jahr 2000 verließ er das elterliche Unternehmen und machte sich mit einer eigenen Software-Firma namens Ciwi selbstständig, die sich auf das Finanzmanagement von Nichtregierungsorganisationen weltweit spezialisierte. 2010 übernahm er die Geschäftsführung der Wilken Software Group und leitete einen Transformationsprozess ein, der das Unternehmen technologisch, wie strukturell für den digitalen Wandel fit machen sollte.
„Seine Entscheidung, eine neue Software-Generation auf Basis einer eigenen Entwicklungsplattform namens P/5W zu entwickeln, steht beispielhaft für seinen Grundsatz, sich niemals abhängig von den IT-Riesen dieser Welt machen zu wollen. Damit hat er die technologische Basis geschaffen, auf der wir nun die weiterhin erfolgreiche Zukunft des Unternehmens bauen können“, beschreibt Schwärzel eine seiner wegweisenden Ideen.
Daneben sorgte er mit den Strategieprozessen „Project One“ und „Project Two“ dafür, dass die Fixierung auf den „Familienunternehmer“ durch eine moderne Unternehmenssteuerung abgelöst wurde. Parallel dazu richtete er sein Softwarehaus konsequent auf die wesentlichen Zielbranchen aus, wie etwa die Versorgungswirtschaft, gesetzliche Krankenkassen sowie kassenärztliche und kassenzahnärztlich Vereinigungen, die Kirchen, die Sozialwirtschaft oder den Tourismus. In seiner Zeit als Geschäftsführer wuchs die Zahl der Beschäftigten von 350 auf mehr als 600 an sieben Standorten in Deutschland, der Schweiz und Spanien; neue Standorte in Hamburg, Stralsund sowie in Gijon wurden eröffnet.
Wilken lag neben der Software stets die nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens am Herzen. Das reichte von der Demeter-Zertifizierung, die das Wilken Casino als erstes Betriebsrestaurant weltweit erhielt, über die technische Ausrüstung des neugebauten Firmensitzes mit eigenem Blockheizkraftwerk und Klima-Optimierung bis hin zur Installation eines Nachhaltigkeitsmanagements, über das die Firmengruppe in den nächsten Jahren klimaneutral gestellt werden soll.
Bilquelle: Wilken Software Group