Interview mit Experten der Lobster GmbH

Trotz Standardisierung: EDI-Konverter bleiben wichtig

Trends wie E-Commerce oder das „Internet der Dinge“ verändern die Lieferketten zwischen Herstellern, Zulieferern und Handelspartnern drastisch. Damit ändern sich hier auch Kommunikation und Datenaustausch, die schon seit 30 Jahren zunehmend elektronisch abgewickelt werden. Wie im Interview mit den Experten der Lobster GmbH deutlich wird, sind für eine reibungslose Zusammenarbeit heute Konverter und flexibel einstellbare und performante Workflows gefragt.

  • Unsere Interviewpartner von der Lobster GmbH: Geschäftsführer Dr. Martin Fischer (Mitte), Steffen Brehme (rechts, Entwicklungsleiter der Datenmanagement-Software Lobster_data) und Florian Mair (links, Leitung Projekte & Support Lobster_data)

  • „Wir müssen wesentlich mehr bieten als nur eine moderne Architektur – beispielsweise schon im Standardpaket alle gängigen Datenformate, die wichtigen Industriestandards und auch bei großen Datenmengen höchste Performance.“ Dr. Martin Fischer

  • „EDI-Outsourcing können wir nicht empfehlen. Unserer Erfahrung nach wird dabei meist wertvolles Know-how abgetreten. Geht dies firmenintern verloren, entsteht eine Abhängigkeit vom Dienstleister, die unflexibel macht und teuer werden kann.“ Steffen Brehme

  • „Cloud Computing ist im Trend – und auch die Lobster GmbH richtet sich gerade danach aus. Allerdings ist Cloud Computing kein reines Hosting, wie manche Anbieter glauben machen. Es bedingt vielmehr ein umfangreiches Konzept.“ Florian Mair

Elektronische Datenübermittlung ist schnell und kostengünstig, hat aber das Problem jeder Form der Kommunikation: Sender und Empfänger müssen sich richtig verstehen. Übertragen auf EDI, wie der formale Datenaustausch zwischen Computern kurz genannt wird, heißt das: Entweder Sender und Empfänger verwenden die gleichen Nachrichtenformate und Protokolle oder sie verständigen sich über einen EDI-Konverter, der die notwendigen Umwandlungen vornimmt. Auf diesem Gebiet ist die Lobster GmbH zu Hause.

Das Konvertieren ist einfacher gesagt als getan, weil seit den Anfängen in den 70er Jahren die unterschiedlichsten EDI-Standards für konkrete Verfahren und Vereinbarungen zum Datenaustausch entstanden sind, entweder historisch gewachsen zwischen großen Herstellern oder Händlern und ihren Zulieferern oder aber definiert durch Normierungsvorschläge von Branchenverbänden. Typische Beispiele dafür sind Sedas (1977) als Standard­format für den Austausch von Rechnungen und Bestellungen im Konsumgüterhandel, die erste Nachrichtennorm der deutschen Automobil­industrie 1978 (VDA 4905).

Heute gibt es weltweit unzählige verschiedene EDI-Standards, etwa Swift (Banken), nationale Standards der Automobilindustrie wie VDA oder Galia sowie z.B. Elster (Elektronische Steuererklärung) – auch wenn bereits 1988 die UN mit der Verabschiedung des Nachrichtenstandards UN/Edifact damit aufräumen wollten.

Doch das dauert. Beispiel Autobranche: Nach ersten Standardisierungsversuchen wie Odette oder ENX gibt es seit 2011 Aktivitäten, eine Reihe neuer VDA-Subsets auf Basis globaler Edifact-Nachrichtenformate für den Bereich Logistik zu entwickeln. Ziel ist es, einen hohen Standardisierungsgrad auch für Edifact-Formate nach dem Vorbild der VDA 4938 zu erreichen. Die Folge: Der Volkswagenkonzern etwa akzeptiert ab 2018 Nachrichten nur noch im globalen EDI-Format.

Ziel: Das globale EDI-Format soll sukzessive herkömmliche VDA- und Edifact-Nachrichten ablösen. Wenn in der Branche künftig nur noch ein Abrufformat gilt, sinkt die Komplexität der Datenübertragung. Hinzu kommt, dass sich in den VDA-Nachrichtenstandards aus den 70er-Jahren viele Informationen nur durch komplizierte Erweiterungen des Standards abbilden lassen. Das wird künftig in einem einheitlichen System möglich. Zu diesen Trends befragten wir Lobster-Geschäftsführer Dr. Martin Fischer und seine Mitarbeiter Steffen Brehme (Entwicklungsleiter der Datenmanagement-Software Lobster_data) und Florian Mair (Leitung Projekte & Support Lobster_data).

Der Trend geht zu ERP-Systemen und Cloud Computing. Provokante Frage: Braucht man angesichts der damit einhergehenden Vereinheitlichung langfristig überhaupt noch Datenkonverter und spezielle Lösungen für den elektronischen Datenaustausch?
Steffen Brehme:
Die Praxis spricht eine andere Sprache. Wir sehen keine Verminderung der Vielfalt der Systeme und Formate. Vielmehr steigt allein aufgrund der Notwendigkeit zur Digitalisierung der Bedarf nach Konvertierungen im Mittelstand. Es lassen sich eine Vielzahl weiterer Argumente dafür anführen, dass Datenkonverter und spezielle Lösungen nach wie vor benötigt werden. Hier drei Beispiele dafür:

1. Es gibt nicht ein einziges ERP-System für alle Branchen. Datenkommunikation ist aber nicht nur innerhalb einzelner Branchen sicherzustellen, sondern über die Branchengrenzen hinweg.
2. Nachrichtenstandards werden unterschiedlich verwendet. Trotz vieler Versuche zur Vereinheitlichung (siehe VW) gibt es etliche Varianten von Edifact- oder VDA-Standards. Die Vielfalt erhöht sich zur Zeit sogar noch.
3. Freitextfelder werden auch künftig für individuelle Workflows der Unternehmen missbraucht. Also müssen auch sie standardisiert werden.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Markt für EDI und Datenintegration? Welche Standards sind hier wichtig?
Dr. Martin Fischer:
Wir sehen die Tendenz, dass jede Branche ihre eigenen Standards beibehält und ausbaut. Das erklärt sich durch die oftmals sehr spezifischen Anforderungen.

Nehmen Sie einen Zulieferer für Aluminium­schienen. Der kann einerseits die Auto­mobilbranche beliefern, andererseits aber auch Küchenhersteller. Die Anforderungen seiner Kunden könnten unterschiedlicher nicht sein. Das beginnt bei der Just-in-Time-Liefe­rung (Automobilbranche) bzw. Lagerhaltung (Küchenbauer) und setzt sich fort bis hin zu den Vorgaben für die elektronische Anbindung der Geschäftspartner.

Machen die vielen Standards den Aufbau einer EDI-Infrastruktur nicht sehr schnell sehr teuer? Wie wollen Sie diesen Aufwand minimieren?
Brehme:
Das genau ist ja unsere Aufgabe. Mit unserer EDI-Software Lobster_data stellen wir ein Tool zur Verfügung, das die unterschiedlichen Standards umsetzt und wiederverwertbar macht – und somit Aufwand und Kosten einspart.

Mit welchen Argumenten kann sich Lobster gegen die teilweise sehr großen Wettbewerber behaupten?
Fischer:
Die Anwender von Lobster_data gelangen dank Wizard-Funktionalität in sechs einfachen Schritten zur Datenintegration – und das ohne Programmieraufwand! Das ist einmalig am Markt. 

Es gibt in der Software-Branche immer wieder Quantensprünge, so auch bei der Konverter-Technologie. Unsere großen Wettbewerber sind Konverter-Hersteller aus den 80iger Jahren. Sie tragen immer eine alte Last mit sich herum, weil damals auf der alten Architektur aufgesetzt wurde. Erst gab es eine Java-Ebene, dann eine Workflow-Ebene. Trotzdem wird immer noch mit einer internen Skriptsprache gearbeitet.

Das macht deren Systeme naturgemäß komplizierter und anfälliger. Sind aber bereits hunderte von Schnittstellen entstanden, werden die hohen Wechselkosten für den IT-Chef oft zum gewichtigen Argument, nicht auf eine moderne Software zu umzusteigen.

Wir müssen also wesentlich mehr bieten als nur eine moderne Architektur. Beispielsweise enthält Lobster_data schon im Standardpaket alle gängigen Datenformate und die wichtigen Industriestandards, dokumentiert Änderungen automatisch und gewährleistet auch bei großen Datenmengen höchste Performance.

Florian Mair: Ganz sicher heben wir uns auch in puncto Support vom Wettbewerb ab. Für Schnelligkeit, Freundlichkeit und Kompetenz erhalten wir von unseren Kunden regelmäßig Bestnoten.

Ergänzend zu EDI nutzen die meisten Unternehmen heute auch andere Wege der Datenübermittlung, etwa FTP für große CAD-Dateien oder natürlich auch E-Mails.

Ist hier eine Vereinheitlichung oder Vereinfachung zu erwarten?
Brehme:
EDI steht ja für Electronic Data Interchange und beinhaltet alle Kommunikationsformen, wie z.B. AS2, OFTP, HTTP – oder eben die Datenübertragung per E-Mail oder FTP.  Mit EDI können automatisierte Prozesse abgebildet werden. Ihre Frage zielt aber auf die darüber hinausgehende Kommunikation zwischen Besteller und Lieferant ab, wenn also z.B. nicht standardisierte Ausnahmevereinbarungen via E-Mail-Verkehr getroffen werden. Das fällt in den Bereich der manuellen Bearbeitung.

Solche Informationen müssen vom Mitarbei­ter in die entsprechenden IT-Systeme gespeist werden, um anschließend maschinell ver­arbeitet werden zu können. Da ist auch in der nahen Zukunft keine Vereinfachung oder Vereinheitlichung zu erwarten.

Wie lange dauert eine EDI-Implementierung typischerweise? Welche Vor- oder Nachteile gibt es, wenn die Implementierung auf der Plattform IBM i erfolgt?
Mair:
Eine Implementierung dauert pro Schnittstelle etwa 0,5 bis 3 Tage. Die gesamte Implementierungszeit hängt natürlich hauptsächlich von der Anzahl der Schnittstellen ab. Sie muss aber immer individuell betrachtet werden.

Grundsätzlich attestieren uns unsere Kunden, dass Lobster_data eine deutlich schnellere Umsetzung ermöglicht als vergleichbare Produkte am Markt. Was vorher Wochen in Anspruch genommen hat, wird nach der Einführung von Lobster_data in wenigen Tagen erledigt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Software Arbeitsschritte drastisch reduziert. So kann z.B. dieselbe Schnittstelle für verschiedene Geschäftspartner genutzt werden, wo andere Tools jeweils eine einzelne Schnittstelle fordern.

Vor- oder Nachteile in Bezug auf IBM i gibt es nicht, da Lobster_data plattformübergreifend – und dementsprechend auch auf der AS/400 und ihren Nachfolgern – läuft. 

Cloud Computing ist im Trend. Auch für EDI?
Mair:
Ganz klar – und die Lobster GmbH richtet sich gerade danach aus. Allerdings ist Cloud Computing kein reines Hosting, wie manche Anbieter glauben machen. Es bedingt vielmehr ein umfangreiches Konzept.

Der Schlüssel liegt zum einen in einer weiteren Vereinfachung der Arbeitsschritte und deren Erklärungen unter Zuhilfenahme sämtlicher Medien. Zum anderen wird den Kunden ein fließender Wechsel von einer Cloud-Lösung zu einer beim Kunden installierten Lösung ermöglicht und umgekehrt. Das geht natürlich nur mit einem für alle Anwender nachvollziehbaren, einfachen und den gesamten DFÜ-Pro-zess umfassenden Software-Tool.

Argumente für EDI in der Cloud sind die rasche Bereitstellung flexibler und skalierbarer Infrastrukturen, andererseits verbessert Lobster auch die Lastverteilung von Konvertierungsaufgaben bei On-Premise-Lösungen. Wann raten Sie einem Kunden zu EDI in der Cloud, wann zur Implementierung im eigenen RZ? Ist EDI-Outsourcing eine Alternative?
Brehme: Zunächst einmal: EDI-Outsourcing können wir eigentlich keinem Unternehmen empfehlen. Unserer Erfahrung nach wird dabei meist wertvolles Know-how abgetreten. Geht dies firmenintern verloren, entsteht eine Abhängigkeit vom Dienstleister, die unflexibel macht und teuer werden kann.

Ob Cloud-Lösung oder eigenes Rechenzentrum hängt von verschiedenen Faktoren ab. Will ein Unternehmen beispielsweise viele Drittsysteme wie ERP- oder CRM-Systeme über die Cloud anbinden, braucht es neben hohen Sicher-heitsstandards auch eine große Leitungskapazität. Die notwendige Infrastruktur ist nicht überall gegeben.

Doch erst durch die Anbindung solcher Drittsysteme kommen die Vorteile eines Datenmanagement-Tools wie Lobster_data richtig zum Tragen – beispielsweise wenn während des Mappingprozesses kundenspezifische Preise oder Rabatte über das ERP-System ermittelt werden können.

Mit Portal- und WebEDI-Technologien lässt sich ja viel Geld bei den Übertragungskosten sparen. Welche anderen innovativen Technologien sind beim elektronischen Datenaustausch im Kommen?
Mair:
Wie schon beschrieben, sind natürlich Cloud-Lösungen im Kommen. Damit können einfach skalierbare und hoch verfügbare Dienste bereitgestellt werden. Gleichzeitig lassen sich Kosten für IT-Infrastruktur und deren Wartung einsparen. 

Ein typischer Einsatzbereich für den elektronischen Dokumentenaustausch ist die Automation im Rechnungswesen. Wann lohnt es sich für Mittelständler, über solche Lösungen nachzudenken? Wo sehen Sie in der Praxis Stolpersteine, die es vor solchen Projekten aus dem Weg zu räumen gilt?
Brehme:
Die Automation des Rechnungs­wesens lohnt sich bereits, wenn ein Unternehmen damit erhebliche Portokosten einsparen kann. Darüber hinaus bringt sie allen Geschäftspartnern den Vorteil der direkten Verwertung im ERP-System. Eine manuelle – und damit ressourcenintensive und gegebenenfalls fehlerhafte – Bearbeitung entfällt. Auch ist die Über­tragung garantiert. Die Nicht- oder Falschzustellung einer Rechnung würde vom System sofort bemerkt und angezeigt werden.

Es ist begrüßenswert, dass die elektronische Rechnung der Papierrechnung steuerlich gleich-gestellt ist. Auf ein gesondertes Signatur­verfahren kann im Regelfall also verzichtet werden. Somit kann die Automation im Rechnungswesen sehr einfach durch Lobster_data abgedeckt werden. OCR-Software für den Rechnungseingang in Papierform und Archivie­rungssoftware sind sinnvolle Ergänzungen.

Ein anderer typischer Einsatzbereich ist das Supply Chain Management – sprich die Kommunikation zwischen den Herstellern und ihren Lieferanten und Handelspartnern. Wie kann eine gute Middleware hier helfen?
Dr. Fischer:
Für unsere Supply-Chain-Software Lobster_scm bildet Lobster_data das Fundament. Als Middleware gewährleistet sie die reibungs-lose Zusammenarbeit aller integrierten Partner auf Basis sämtlicher elektronischer Daten. Nur mithilfe einer solchen Datenbasis ist die durchgängige Steuerung von Lieferketten möglich.

SCM und seine branchentypische Ausprägung ist ja auch eine Ursache für die vielen EDI-Standards. Zu den Vorreitern gehört hier die Automobilindustrie. Können Sie uns bitte am Beispiel der neuen Anforderungen von OEMs wie VW/Audi an die Lieferanten erläutern, worauf es bei der Architektur dieser Middleware ankommt?
Dr. Fischer:
Die Middleware muss so angelegt sein, dass sie entkoppelt ist und Änderungen einfach adaptierbar macht. Dann können sowohl die Systeme der Lieferanten angebunden als auch die Anforderungen der Automobil­industrie erfüllt werden. Beispiele hierfür sind die neuen XML-Standards, die verschlüsselte Kommunikation über das Internet, aber auch die alte Welt mit VDA-Standards auf Basis fester Satzlänge oder die ISDN-Kommunikation.

Die Konfiguration von Masken, Dokumenten und Reports sollte template-gestützt möglich sein, um auch inhaltliche Änderungen ohne Programmieraufwand schnellstmöglich umsetzen zu können.

Abschließende Frage: Woran arbeiten Sie in der Entwicklung heute – sprich: Welche Innovationen haben wir kurz- und mittelfristig zu erwarten?
Brehme:
Jede Update-Version unserer Software-Produkte bringt natürlich diverse
Innovationen. Das aktuelle Release Lobster_data.3.5.0 beinhaltet z.B. HTML5-Frontends, mit denen jegliche Web-EDI-Aufgaben mit einfachen Mausklicks erstellt werden können – ohne eine Zeile Code schreiben zu müssen. Auch sind Technologien wie NoSQL-Datenbanken für Langzeit-Logging und Sharding großer Logs bereits bei Lobster vorhanden.

Viele Produkterweiterungen entstehen in engem Dialog mit unseren Kunden. Darüber hinaus beobachten wir den Markt und nehmen Trends auf. Deshalb werden die schon erwähnte Cloud-Ausrichtung vorantreiben. Mit Lobster_scm, unserer Software für die Steuerung von Lieferketten, war und ist ja eines unserer Produkte bereits seit langem cloud-fähig.

Darüber hinaus wollen wir unsere komplementären Software-Lösungen Lobster_data, Lobster_scm und Lobster_pim weiter zu einer Gesamtlösung ausbauen. Schon heute ergibt ihr Zusammenspiel ein effizientes E-Fulfillment, das die Produktkommunikation sowie sämtliche E-Business-Transaktionen der Verkaufs- und Logistikprozesse koordiniert.

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