Spezifikationen für neuen Magnetband-Standard veröffentlicht

Ultrium9-Kassetten speichern 18 Terabyte

Gestern gaben die drei Technologie-Provider des Konsortiums „Linear Tape Open“ (LTO) – Hewlett Packard Enterprise, IBM und Quantum – die Spezifikationen des Tape-Formats Ultrium der Generation 9 bekannt. Sie stehen jetzt zur Lizenzierung zur Verfügung. Die Magnetbänder speichern 18 Terabyte statt der bisher avisierten 24 TB. Bei Komprimierung wird eine Kapazität von bis zu 45 TB pro Kassette angeben; es sollten ursprünglich 60 TB werden.

  • LTO9 sollte ursprünglich 24 TB (nativ) speichern, LTO12 sogar 192 TB.

  • Bandroboter haben noch lange nicht ausgedient.

„Wir freuen uns sehr auf die Zukunft der LTO-Technologie – und mit der erhöhten Kapazität werden wir den aktuellen und zukünftigen Marktanforderungen an die Datenspeicherung gerecht“, wird HPE-Manager Chris Powers in der Pressemitteilung zitiert. „Wir verbessern die Kerntechnologie von Generation zu Generation weiter, da das Magnetband eine der zuverlässigsten und kostengünstigsten Lösungen ist, um Daten zu speichern und gleichzeitig vor Ransomware und anderen Cyberangriffen zu schützen.“ Gemeint ist die sogenannte Offline-Speicherung, die eine inhärente „Luftlücke“ schafft, die Daten vor Online-Räubern schützt und Malware-Bedrohungen abschwächt, die Live-, Backup- und Archivdaten korrumpieren könnten.

Weniger Kapazität als erhofft

Die Kapazität der LTO-Medien hat sich seit der Einführung der ersten Generation vor zwanzig Jahren etwa alle 2,3 Jahre verdoppelt. Für LTO9 habe man sich aber dafür entschieden, „Kosten und Nutzen der Technologie innerhalb der Spezifikation auszubalancieren“. Ergebnis sei die 18 TB-Bandkassette, die eine 50-prozentige Kapazitätssteigerung gegenüber den 12 TB der vorherigen Generation biete, was dem aktuellen Markt für Speicherplatz gerecht werde. Es sei zudem eine neue Roadmap verabschiedet worden mit dem Ziel, die Kapazität in jeder kommenden Generation zu verdoppeln.

Laut einer Bandtechnologie-Studie vom September 2019, die das „Information Storage Industry Consortium“ (Insic) veröffentlichte, hat die Bandtechnologie das Potenzial für robuste Kapazitätsvorhersagen im kommenden Jahrzehnt – ein klare Vorteil gegenüber HDD-Technologien. Die aktuellen LTO- und Enterprise-Bandlaufwerke arbeiten mit einer Flächendichte, die etwa zwei Größenordnungen unter der der neuesten HDD liegt.

Zum Beispiel muss ein neues 18-TB-Plattenprodukt 1.022 Gb/in2 speichern, während die künftigen 18-TB-LTO9-Kassette mit nur 12 Gb/in2 auskommen. Das bedeutet, dass ein LTO9-Band die gleiche Kapazität mit nur 1/85 der Flächendichte erreichen kann wie eine Festplatte gleicher Kapazität.

Einfach ausgedrückt: Tape hat im Vergleich zur Festplatte eine viel größere Aufnahmefläche; die Nachfrage wird daher laut Insic in den kommenden Jahren weiter wachsen. Die Kombination aus wachsender Bandfläche und der Fähigkeit, die Flächendichten zu erhöhen, sei der Hauptgrund dafür, dass Tape auch weiterhin ein Kapazitätswachstum von 40 Prozent pro Jahr schaffen könne.

Die Rolle von Tape ändert sich

„Angesichts seiner langen Nutzungsgeschichte und eines soliden Weges für zukünftige Innovationen wird Tape im modernen Rechenzentrum und in hybriden Topologien weiterhin eine bedeutende Rolle spielen“, glaubt Christophe Bertrand, Senior Analyst bei der Marktforschungsfirma ESG. Die Rolle von Tape ändere sich, was dessen Wert weiter steigere. Abgesehen von der Archivierung großer Datensätze in aktiven Archiven und der langfristigen Datenspeicherung zu niedrigen Kosten habe Tape die Fähigkeit, durch den „Air Gap“ eine Isolationsschicht für die Daten zu schaffen, um sie außerhalb der Reichweite von Cyber-Angreifern in Sicherheit zu bringen. Mit „Air Gap“ oder „Airwall“ (in Analogie zu einer Firewall, deren Einsatzzweck ähnlich ist) wird ein Prozess bezeichnet, der zwei IT-Systeme voneinander physisch und logisch trennt, aber dennoch die Übertragung von Nutzdaten zulässt.

Die LTO-Spezifikationen der Generation 9 enthalten auch bereits zuvor eingeführte Funktionen wie die Unterstützung mehrschichtiger Sicherheit durch hardwarebasierte Verschlüsselung, WORM-Funktionalität („Write-Once, Read-Many“) und Unterstützung des Standards „Linear Tape File System“ (LTFS). LTO9 verspricht volle Abwärtslese- und Schreibkompatibilität mit LTO-Kassetten der Generation 8; von LTO7 ist in der Presseinformation nicht die Rede. Bisher waren Kassetten zwei Generationen zurück lesbar.

Quantum kündigt erste Laufwerke an

Die erste Produktankündigung blieb diesmal Quantum vorbehalten, nachdem bei den letzten beiden Vorgängergenerationen IBM und HPE zum Zuge gekommen waren. Quantum gab bekannt, dass die LTO-Ultrium-Formattechnologie der Generation 9 ab Dezember 2020 in den Bandbibliotheken Scalar i6 und Scalar i6000 sowie in den Archivierungssystemen Stornext AEL verfügbar sein soll. Anders als das LTO-Konsortium macht Quantum auch erste Angaben zur Datenrate: bis zu 1.000 MB/Sekunde Übertragungsrate bei Komprimierung und 400 MB/Sekunde nativ.

Weitere Details zum neuen ½-Zoll-Magnetband-Standard wurden nicht bekannt – außer dass auch die Kapazitäten der nächsten LTO-Generationen kleiner ausfallen werden (siehe neue Roadmap). LTO12, im Oktober 2017 erstmals angekündigt, wird demnach „nur“ noch 144 TB speichern. Ursprünglich geplant waren 192 TB.

LTO9-Laufwerke können neue und unbenutzte Ultrium8-Bänder formatieren; Ultrium9-Kassetten sollen mit LTO10-Laufwerken kompatibel sein. Von LTO11 ist nicht mehr die Rede, so dass ein uraltes Paradigma der Rückwärtskompatibilität über zwei Generation offenbar vergessen werden kann. Vermutlich haben die mittlerweile beigelegten Patentstreitigkeiten der beiden letzten verbliebenen Medienhersteller – Fujifilm und Sony – doch stärkere Auswirkungen als die resultierenden Lieferprobleme der jüngeren Vergangenheit.

Update: Bei den Laufwerkherstellern sind Streitigkeiten nicht mehr zu erwarten, denn IBM baut nach Informationen von DV-Dialog als einzig verbliebener Hersteller noch LTO9-Laufwerke. Das könnte auch ein Motiv für die Selbstbeschränkung auf 18 TB sein, denn das bereits Ende 2018 vorgestellte Tape-Laufwerk IBM TS1160 speichert sogar 20 TB auf einer Kassette – bei Datenraten von ebenfalls 400 MB/s. Und: Preise für LTO9-Laufwerke und Ultrium9-Medien sind noch nicht bekannt.

 

Bildquelle: LTO Consortium

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