VDMA und VDW wollen den OPC-UA-Standard gemeinsam pushen

Umati soll Weltsprache der Produktion werden

Künftig wollen die beiden Verbände VDMA und VDW die Nutzung und Verbreitung des Standards „OPC UA“ für den gesamten Maschinenbau unter der Marke Umati gemeinsam voranbringen. OPC UA steht kurz für „Open Platform Communications United Architecture“ und für die standardisierte, sichere Kommunikation vom Feldgerät bis in die Cloud.

  • Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA

  • Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW

  • Bildquelle: Thinkstock/iStock

Der offene Schnittstellenstandard OPC UA wurde im Herbst 2006 lanciert und wird seither konsequent weiterentwickelt. Der Vorteil: OPC UA ist unabhängig vom Hersteller oder Systemlieferanten der Anwendung, von der Programmiersprache, in der die jeweilige Software programmiert wurde, und vom Betriebssystem, auf dem die Anwendung arbeitet. Auch der Brückenschlag zu IBM i ist längst gelungen.

Der größte Unterschied zu Vorgängerversionen besteht aber darin, dass Maschinendaten nicht nur transportiert, sondern auch maschinenlesbar semantisch beschrieben werden können; Umati war bisher die Standarddatenschnittstelle des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) für Werkzeugmaschinen.

„Die branchen- und technologien-übergreifende Vermarktung bringt unsere Kunden einen Riesenschritt voran“, begründete Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW, die Strategie auf der gemeinsamen Pressekonferenz beider Verbände in Frankfurt am Main. „Produzierende Unternehmen haben nicht nur Werkzeugmaschinen, sondern einen individuellen Mix an unterschiedlichen Maschinen und Anlagen, Robotern und Systemen. Befinden sich all diese Technologien in einem gemeinsamen Ökosystem, das Plug-and-Play-Lösungen schafft, spart das den Endanwendern viel Zeit und Geld.“

Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ergänzte: „17 Fachverbände arbeiten in mehr als 30 Gruppierungen an ihren technologie- spezifischen Schnittstellen, den so genannten ‚Companion Specifications‘. Diese hohe Beteiligung bildet die Basis für echte, offene Interoperabilität zwischen Maschinen und Softwaresystemen, vom Shop-Floor bis in die Cloud.“

OPC-UA-Companion-Specification for Machinery noch für 2020 avisiert

Frühzeitig hatte sich der Maschinen- und Anlagenbau auf OPC UA als Standard für den Datenaustausch festgelegt. Denn OPC UA bietet einen einheitlichen Rahmen für die Interoperabilität zwischen Maschinen und Systemen.

Über einen Bottom-up-Ansatz wurde deutlich, dass Grundelemente für einen großen Teil des vielfältigen Produktspektrums im Maschinen- und Anlagenbau einheitlich definiert werden müssen. Das einfachste Beispiel ist die Maschinenidentifikation, also Merkmale wie etwa Hersteller, Seriennummer, Baujahr und Maschinentyp.

Deshalb arbeiten verschiedene Bereiche im VDMA – dazu gehören Elektrische Antriebstechnik, Kunststoff- und Gummimaschinen, industrielle Bildverarbeitung, Metallurgy, Robotik und Werkzeugmaschinen – an der Grundlagen-Companion-Spezifikation OPC UA for Machinery. „Sie wird noch im laufenden Jahr in der ersten Version veröffentlicht“, kündigte Rauen an, „Dieses Fundament bringt Geschwindigkeit und Kompatibilität.“

Umati ist für den Endkunden gedacht

In diesem Prozess vorne mit dabei war auch die Werkzeugmaschinenindustrie. Bereits 2017 wurde eine Initiative zur Erarbeitung einer standardisierten, offenen Schnittstelle vorgestellt. Auch hier entschied man sich rasch für OPC UA als Basistechnologie. Nur zwei Jahre später wurde auf der Messe EMO in Hannover in einem Showcase mit 70 Partnern aus zehn Ländern der Beweis angetreten, dass die Anbindung von 110 Maschinen an 28 Softwaredienste, die dezentral über das Messegelände verteilt waren, praktisch per „plug and play“ funktioniert. Darüber hinaus hatte der VDW mit dem Label Umati – das Kürzel für „universal machine tool interface“ – bereits 2018 die Marke lanciert, mit der Kunden weltweit angesprochen werden sollen.

Zwischenzeitlich waren im VDMA und seinen Partnerorganisationen weitere OPC-UA-Companion-Specifications entstanden. Um diesen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen und sie stärker als bisher in die Anwendung zu bringen, soll Umati als Community für die Nutzung und Vermarktung von OPC-UA-Companion-Spezifikationen künftig auf den gesamten Maschinen- und Anlagenbau ausgeweitet werden.

Die Marke Umati soll einen Rahmen bilden für gemeinsames Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, die Demonstration von „Use Cases“ und die Ansprache von Endkunden. Basis dafür ist die eigentliche OPC-UA-Schnittstellenstandardisierung in vielfältigen Zweigen des Maschinen- und Anlagenbaus. „Für den Werkzeugmaschinenbau sprechen wir deshalb künftig von der jeweils aktuellen Version der OPC-UA-Companion-Specification for Machine Tools“, erläuterte VDW-Mann Schäfer.

Nächste Schritte

Als nächste Schritte wurden die weitere Optimierung der jeweiligen Companion-Spezifikationen sowie die Verbreitung der jeweiligen Standards und den Aufbau von Showcases auf Messen angekündigt. Um die Alltagstauglichkeit der OPC-UA-Standards in der Produktion gegenüber der vielfältigen Kundenwelt zu demonstrieren, soll der Umati-Showcase erklärtermaßen „praxisnah die branchenübergreifende Nutzung verschiedener OPC-UA-Standards“ demonstrieren.

Die Zusammenarbeit mit der OPC-Foundation „als wichtigem Partner zur weltweiten Verbreitung eines offenen Standards für Interoperabilität“ ist für Rauen das Fundament: „All unsere Arbeitsgruppen kooperieren in Joint Working Groups, die offiziell bei der OPC-Foundation angemeldet sind. Sie werden auch weiterhin größtenteils eigenverantwortlich, im Austausch mit anderen Arbeitskreisen arbeiten.“

„Wir rechnen schon in der zweiten Hälfte dieses Jahres mit den ersten konkreten Produkten, die den Kunden Konnektivität auf Basis der OPC-UA-Specification for Machine Tools zur Verfügung stellen“, sagte Schäfer. „Umso wichtiger ist es für unsere Partner, dass auch die Entwicklung der Umati-Community diesem Fahrplan folgt und kräftig für Sichtbarkeit und Wahrnehmung sorgt.“ Darum wollen sich VDW und VDMA künftig gemeinsam kümmern. „Die Fertigungsleiter dieser Welt müssen darauf vertrauen dürfen, dass die Maschinen unterschiedlichster Hersteller die gleiche Sprache sprechen“, resümierte Rauen abschließend.

Bildquelle: VDW, VDMA, Thinkstock/iStock

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