Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG: „Beim Wechsel in die S/4-Hana-Welt verändert sich nicht nur die Technologie, sondern auch die Produkt- und Lizenzmetrik!“
Trotz Corona-Krise zeichnen sich auch beim Umstieg auf S/4 Hana leicht steigende Zahlen ab. Lediglich bei der Drei-Jahresplanung seien die Unternehmen etwas vorsichtiger mit ihren Investitionsprognosen, sagte Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG. Gleiches gelte im Hinblick auf die durchaus umstrittene Lizenzstrategie in Bezug auf S/4 Hana. Hier haben viele Unternehmen noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
Die Studie zeigt: Die unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Krise auf die Unternehmen waren im letzten Jahr überdeutlich spürbar. Viele haben wichtige Erfahrungen mit der Gesamtsituation und deren direkten Konsequenzen gemacht. Aber sie haben auch schnell daraus gelernt, was die Perspektive für 2021 in einem positiven Licht erscheinen lässt, denn dass das Budget für allgemeine Investitionen in die IT soll in diesem Jahr bei 39 Prozent (2020: 46 Prozent) der befragten Unternehmen in der DACH-Region steigen. Bei etwas weniger als einem Drittel davon um zwischen zehn und 20 Prozent. 37 Prozent erwarten eine gleichbleibende Quote. 18 Prozent der Befragten gaben sinkende Werte an, bei 44 Prozent davon ebenfalls um zwischen zehn und 20 Prozent.
„Die Zahlen belegen, dass die pessimistische Stimmung vom Sommer letzten Jahres mittlerweile einem verhaltenen Optimismus gewichen ist“, beobachtet Hungershausen. „Zwar steigen die Budgets weniger stark als noch im Vorjahr, aber innerhalb der letzten Monate haben sich die Erwartungen von sinkenden Budgets leicht erholt. Das lässt optimistisch in die Zukunft schauen.“
Was die SAP-Investitionen betrifft, wollen 43 Prozent der Befragten mehr investieren, ein leichter Rückgang zum Investitionsreport 2020 mit 49 Prozent. Sinken werden die Budgets für SAP bei 18 Prozent der Befragten, 2020 waren es 19 Prozent. Bei 35 Prozent bleiben die Investitionen gleich (2020: 32 Prozent). Im produzierenden Gewerbe steigt das Budget bei 47 Prozent (2020: 46 Prozent), bei Dienstleistern und im Handel bei 40 Prozent (2020: 47 Prozent) der Unternehmen. „Der Rückgang im Sektor Dienstleistungen und Handel könnte ein klares Indiz für die direkten Auswirkungen der Corona-Krise in diesem Bereich sein“, erläutert Hungershausen.
Weiter aufwärts geht es mit der Quote der ERP-Investitionen, insbesondere in S/4 Hana. 44 Prozent planen hohe und mittlere Investitionen in S/4 Hana On-Premise und nur noch 25 Prozent dasselbe in die Business Suite. Im Vergleich zu 2020 bedeutet das einen weiteren Rückgang um 10 Prozentpunkte bei den hohen und mittleren Investitionen in die Business Suite. Der Wert für S/4 Hana On-Premise ist mit 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben.
Die S/4 Hana Cloud hingegen ist erst für 12 Prozent ein Thema für hohe und mittlere Investitionen (2020: 8 Prozent). „Hier spielen vermutlich die Vorbehalte noch eine Rolle, sensible Firmendaten in die Cloud zu stellen. Die speisen sich zum einen sicherlich aus der europäischen Mentalität zum anderen aber auch aus den strikten Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung“, ordnet Jens Hungershausen ein. Hier gelte es für SAP, den Mehrwert der Cloud besser herauszustellen, zum Beispiel durch bessere Flexibilisierung und Skalierung, durch den schnelleren und einfacheren Einsatz von Testsystemen oder durch integrierte Prozesse. Gerade der letzte Punkt werde seit einem halben Jahr durch CEO Christian Klein forciert, so dass SAP hier technologisch schon relativ weit sei. Es gebe aber noch Nachholbedarf bei den nötigen Anpassungen von Support und Release-Zyklen der diversen Cloud-Produkte.
Auch bei der Lizenzpolitik der SAP liegt noch einiges im Argen, so dass die DSAG bei der Umfrage zum Investitionsreport 2021 erstmals die Lizenzstrategie der Unternehmen beim Umstieg auf S/4 Hana ermittelt hat. 22 Prozent der Befragten gaben an, in ihrem bestehenden Lizenzmodell zu bleiben, also eine Produkt-Konversion durchzuführen. Weitere 12 Prozent wollen zunächst im bestehenden Lizenzmodell bleiben und zu einem späteren Zeitpunkt per Vertragskonversion in das S/4-Hana-Lizenzmodell wechseln. 13 Prozent wechseln direkt. Noch keine Entscheidung bezüglich des Umstiegs haben 39 Prozent getroffen.
„Die hohe Quote derer, die sich noch nicht entschieden haben, könnte auf eine gewisse Unsicherheit bezüglich des richtigen Weges zurückzuführen sein. Beim Wechsel in die S/4-Hana-Welt verändert sich ja auch die Produkt- und Lizenzmetrik“, ist Hungershausen überzeugt. Bei einer Lizenzkonvertierung warten zudem auf die Kunden gleich mehrere Herausforderungen, weshalb mehr Flexibilität bei der Lizenzierung wünschenswert wäre.
Hier herrscht offensichtlich noch ein erheblicher Aufklärungsbedarf. Laut Hungershausen werde die DSAG daher gemeinsam mit SAP adäquate Lizenzlösungen für den Weg von der ‚alten‘ in die ‚neue‘ Welt zu finden. Auch die Plattformstrategien leiden seiner Meinung nach unter der Tatsache, dass vielerorts die Effizienzsteigerung bestehender Prozesse immer noch dominiert über die Entwicklung innovativer digitaler Geschäftsmodelle und Services.
Trotz Cloud-first-Strategie von SAP halten sich die Investitionen in entsprechende Lösungen in überschaubaren Grenzen. Laut Investitionsreport sind auf den ersten drei Plätzen des Ranking für 2021 hohe und mittlere Investitionen in folgende SAP-Cloud-Lösungen geplant: SAP Analytics Cloud (14 Prozent), Success Factors: (15 Prozent) und Customer Experience (8 Prozent). Es folgen Ariba und Integrated Business Planning mit jeweils 8 Prozent und Concur mit 6 Prozent.
Für ausbaufähig hält Hungershausen auch die Stellung der Applikationsplattformen als Platform-as-a-Service in den Unternehmen. Hier liegt Microsoft Azure mit 27 Prozent (2020: 24 Prozent) bei den hohen und mittleren Investitionen klar vor der SAP Business Technology Platform mit 17 Prozent (2020: 14 Prozent) und anderen PaaS-Anbietern mit 7 Prozent (2020: 7 Prozent). Amazon Web Services folgt auf dem vierten Platz mit 6 Prozent (2020: 8 Prozent).
Laut Hungershausen hat Corona-Pandemie im vergangenen Jahr bei vielen SAP-Anwendern tiefe Spuren hinterlassen. Aber es mache sich verhaltener Optimismus breit, was sich auch in steigenden IT- und SAP-Investitionen widerspiegelt. Die seien vielleicht auch dadurch begründet, dass die Corona-Pandemie die Notwendigkeit von Investitionen bewusst macht.
Bildquelle: DSAG