Geschäftsführer Andreas Patz hat keine Software-Probleme mehr

Versuchskaninchen der SAP?

Gut ein Jahr, nachdem Haribo durch die Ablösung der bewährten AS/400-Software mit der ultramodernen SAP-Software S/4 Hana in große Probleme geraten war, nahm Andreas Patz, seit Oktober 2018 Sprecher der Geschäftsführung von Haribo Deutschland, in einem Interview mit dem Handelsblatt u.a. auch dazu Stellung. Seinen Angaben zufolge gab es bis Februar 2019 monatlich Lieferausfälle bis zu zehn Prozent und darüber.

Andreas Patz, Geschäftsführer Haribo Deutschland

Andreas Patz, Sprecher der Geschäftsführung von Haribo Deutschland: „Das Problem war: Das Projekt nahm eine Komplexität an, die wir unterschätzt hatten!“

Haribos eigentliches Problem, das auch zu Umsatzrückgängen geführt hat, war laut Patz aber nicht die SAP-Umstellung, sondern eine hohe Fehlerquote des damaligen Managements. Vor allem habe man zu viel auf einmal geändert. Das sei nun aber Schnee von gestern. „Wir haben uns wieder in die Erfolgsspur zurückgekämpft“, sagte Patz im Interview – auch wenn das alte Niveau noch nicht wieder erreicht sei.

Die Umstellung der Software war laut Patz aber keiner dieser Fehler, sondern unausweichlich, weil das ursprüngliche Warenwirtschaftssystem von Steeb fast 30 Jahre alt war und man sich auch wegen der forcierten Internationalisierung zur Modernisierung gezwungen sah . „Die Umstellung auf S/4 Hana von SAP hat uns sehr viel abverlangt und in hohem Maße Zeit beansprucht“, so Patz. „Wir waren ja eines der ersten Unternehmen in Deutschland, das seine kompletten Prozesse auf S/4 Hana umgestellt hat.“

Woran es gehakt hat

Gehakt habe es auch daran, dass man sich für die große Lösung entschieden habe – und von der Rohware bis zum Endprodukt alle Prozesse in SAP eingebunden hat. „Das Problem war: Das Projekt nahm eine Komplexität an, die wir unterschätzt hatten“, gibt Haribo-Geschäftsführer Platz zu. „Mehr als 1.500 Artikel laufen in unseren Fabriken vom Band. Es war eine große Herausforderung, alle Stammdaten umzustellen, weil wir vorher nicht in der SAP-Welt lebten. Da haben wir Fehler gemacht.“ Ganze Artikel liefen nicht am Band an, nur weil in den Stammdaten eine Nummer fehlte oder verdreht war.

Versuchskaninchen von SAP sei Haribo keineswegs gewesen, so Patz: „Ich kann nichts gegen SAP sagen, wir haben vom ersten Tag an produziert, ausgeliefert und Rechnungen geschrieben. Aber kleine Fehler in so riesigen Datenmengen zu lokalisieren war sehr schwierig. Insgesamt hat uns die Umstellung einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet. Das soll jetzt auch die nächsten 30 Jahre halten.“

Bildquelle: Haribo

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok