Das jüngste „Technology Refresh“ für IBM i

Viele Verbesserungen im Detail

Seit Juni ist IBM i in der Version 7.4 verfügbar. Am 8. Oktober erschien dann planmäßig das erste Technology Refresh (TR1) dafür.

  • Stefan Kinkartz, Veda

    Stefan Kinkartz leitet seit über zehn Jahren das IBM-Team der Veda GmbH und kümmert sich in Alsdorf um qualifizierten Nachwuchs.

  • Bildquelle: Gettyimages/iStock

Passend zu den technischen Neuerungen für die aktuelle Betriebs­systemversion gibt es, wie gewohnt auch für IBM i V7.3, das neue TR7, das die meisten Neuerungen auch dort verfügbar macht. Das gilt natürlich nicht für völlig neue Features in IBM i V7.4 wie etwa Db2 Mirror für i, mit dem sich eine unterbrechungsfreie Verfügbarkeit der Anwendungen (Recovery Time Objective gleich null) sicherstellen lässt.

Db2 Mirror für i erhält jetzt neue Funktionen (z. B. die erste Version eines Supporttools für die Anwendungsbewertung) und funktioniert auch mit „Live Partition Mobility“ und auf dem Power-Modell S922, denn hier ist Single-Root I/O Virtualization (SR-IOV) für die notwendigen 100-GB-Adapter als „I/O Restricted“ akzeptiert worden.

Interne Fest­platten als Speicheroption für Db2 Mirror for i geplant

Auch ein Manko des neuen Features wird bald behoben, verspricht IBM in einem „Statement of Direction“, ohne einen Termin zu nennen: „IBM plant, die Unterstützung für interne Fest­platten als Speicheroption für das Produkt Db2 Mirror for i einzuführen.“ Bisher funktioniert das ausschließlich in einer SAN-Umgebung. Eine weitere Neuerung, die ebenfalls ausschließlich für IBM i V7.4 verfügbar ist, ist das neue GUI des „Digital Certificate Managers“ (DCM). Wer jemals mit der bisherigen Version arbeiten musste, wird dies zu schätzen wissen.

Für IBM i 7.2 wird es keine Verbesserungen mehr geben; hier ist das TR-Level 9
vom August 2018 die finale Version. Das Ende des Marketings von V7.2 wurde im September für den 30. April 2020 und das Ende des Service für den 30. April 2021 angekündigt.

Veda bietet Betreibern von IBM i durch den Managed-Service „IBM i Update Service“ die Möglichkeit, die oft zeit­intensive und nicht alltägliche Arbeit der PTF-Installation an die Fachkräfte in Alsdorf abzugeben. So ist gewährleistet, dass regelmäßig die Betriebssystem-, Software- sowie Sicherheitsupdates eingespielt werden, was zur Sicherheit und Zuverlässigkeit des Systems beiträgt.

IBM i 7.3 TR7 ist auf Computern mit Power7-, Power8- und Power9-Prozessoren verfügbar, IBM i 7.4 TR1 ist nur noch auf Servern mit Power8- oder Power9-­Prozessoren. Zu den zahlreichen Verbesserungen im jüngsten „Technology Refresh“ gehören zusätzliche Funktionen in den Bereichen Db2 for i, Anwendungsentwicklung, System­verwaltung, „Open Source“ und Unterstützung für neue Hardware und Firmware. Manche dieser Verbesserungen sind nur für Systemadministratoren oder Programmierer gedacht, andere betreffen jeden User.

Beispielsweise wurde die IBM-i-Befehlszeilenunterstützung zum Abrufen zuvor eingegebener Befehle um zwei neue Funktionen erweitert. Die Funktionstaste F9 ruft ja bekanntlich die zuletzt in der Befehlszeile der Menüoberfläche („Green Screen“) eingegebenen Befehle in umgekehrter Reihenfolge ab. Jetzt können die User auch mit der Funktionstaste F8 Befehle in umgekehrter Richtung abrufen.

Zusätzlich zur Bereitstellung dieser neuen F8-Funktion in der Befehlseingabeanzeige wird mit der F8-Taste in allen Bedienfeldern des „User Interface Managers“ (UIM) mit einer Befehlszeile, in denen die F8-Taste nicht bereits für eine andere Funktion definiert ist, ein Rückwärtsabruf ausgeführt.
Außerdem wurde bei der F9-Taste eine neue Suchfunktion ergänzt. Die User können jetzt einen Teil ihrer Befehlszeichenfolge gefolgt von einem Stern eingeben und dann die Taste F9 ­drücken, um nach dem zuletzt eingegebenen Befehl zu suchen, der dieser Zeichenfolge entspricht. Diese Features waren von Common mit hoher Priorität gefordert worden und wurden realisiert, obwohl auch IBM natürlich schon lange im „Graphischen User Interface“ (GUI) die Zukunft sieht.

Neue Freiheit bei „Integrierten Web-Services“

Die Neuerungen beschränken sich daher natürlich nicht nur auf den „Green Screen“ – im Gegenteil. Benutzer können jetzt auch ihre eigenen Subsysteme definieren, in denen sich bestimmte IWS-Server befinden. Das ist eine wichtige Verbesserung für die „Integrierten Web-Services“ (IWS), mit deren Hilfe sich aus einer ILE-RPG- oder Cobol-Quelle oder aus PCML-Dateien Web-Services erstellen lassen – denn diese IWS-Server dürfen sich jetzt auch in einem privaten Sub­system befinden.

In der Vergangenheit musste die IWS-Unterstützung zwingend Teil des HTTPSVR-Subsystems sein. Somit ist es nunmehr möglich, dem IWS eine eigene virtuelle Umgebung zu definieren; dem Subsystem ist ein eigener Storage-Pool zugeordnet und die Prozessor-Ressourcen sind in einer „Workload Group“ definiert. Das erleichtert das Kapazitätsmanagement, da bei Volllast auf dem IWS nicht mehr die Gesamt-Performance des Systems beeinträchtigt wird.

ACS Application Package for IBM i

Ein neues Anwendungspaket für die IBM i Access Client Solutions (ACS) unterstützt nun auch den ODBC-Treiber, der als Teil der PASE-Umgebung ausgeführt wird. Dies ermöglicht ODBC-Zugriff auf die Db2-Datenbank aus Open-Source-Sprachen wie PHP, Python, Node.js und neuerdings auch R,
die unter IBM i ausgeführt werden.

Nagios, eine populäre Open-Source-Software zum Monitoring komplexer IT-Infrastrukturen, verfügt nun auch über ein Plug-In für IBM i. Dazu hat das IBM-i-Team in Partnerschaft mit Nagios einen Assistenten erstellt, der das Hinzufügen von IBM-i-Knoten bzw. -LPARs zum Nagios-Dashboard erleichtert. Mittels GUI können dann Überwachungen auf Basis von IBM-i-SQL-Services erstellt werden, um IBM i gemäß den gewünschten Anforderungen zu überwachsen. Dieser neue Assistent ist bereits in die aktuelle Version von NagiosXI integriert.

Noch mehr Open Source für IBM i

Die Open-Source-In-Memory-Datenbank Redis ist jetzt auch in RPM-Form für IBM i verfügbar. Mit dem bekannten „Red Hat Package Manager“ (RPM), der seit März auch von IBM i unterstützt wird, lassen sich Anwendungen zu Paketen „schnüren“, die man dann einfach an einer zentralen Stelle speichern und per RPM bequem auf beliebigen Maschinen installieren kann. Redis selbst gehört zur Familie der NoSQL-Datenbanken, besticht durch eine einfache Key-Value-Datenstruktur und wird gerne als Nachrichtenbroker, Cache oder Datenbank eingesetzt, häufig zur Unterstützung der Neuentwicklung von Webanwendungen (insbesondere mit Node.js).

Auch die ZeroMQ-Core-Engines in C++ (libzmq) und Python (pyzmq) sind nun in RPM-Form verfügbar, sodass die ZeroMQ-Funktionen z.B. direkt für Python-Programme unter IBM i verfügbar sind. ZeroMQ ist eine asynchrone Nachrichtenaustausch­bibliothek für High-Throughput-Computing, die speziell für verteilte Systeme oder für die gleichzeitige Ausführung in verschiedenen Systemen entwickelt wurde.

Als zusätzliche I/O-Features unterstützen Power9-Server nach dem Ein­spielen von IBM i 7.3 TR7 und 7.4 TR1 jetzt auch SSD-NVMe-Adapter. Es werden dabei sowohl dedizierte als auch über VIOS verbundene NVMe-Geräte unterstützt. Diese Geräte, mit geringer Latenz, können als IBM-i-Ladequellen verwendet werden und bieten eine große Anzahl von IOPS- und erweiterten Virtualisierungsfunktionen. Spiegelung ist erforderlich. Paare dieser Speichergeräte können zu LPAR-Konfigurationen als dedizierte PCIe-Geräte hinzugefügt werden.

Man darf schon auf das nächste „Technology Refresh“ gespannt sein, das im kommenden Frühjahr erwartet wird.

Bildquelle: Gettyimages/iStock

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