CEE ist ein browserbasierendes ERP-System, das mit Multi-Site-Features auch komplexe Firmenstrukturen und diverse Branchen abbilden kann. „Die Power-Systeme unter IBM i können als Datenbank-Server für CEE 6.3 genutzt werden“, erklärte Pressesprecher Klaus Lechner auf Anfrage von DV-Dialog. „Als Applikation-Server kann die IBM i aufgrund der fehlenden Bereitstellung von aktuellen JDK-Versionen durch IBM derzeit nicht genutzt werden.“
Das war auch schon bei der Version 6.2 der Fall, denn Comarch ERP Enterprise läuft immer auf einer „Java Virtual Machine“, die entweder von Oracle oder von IBM mit ihren „Java Development Kits“ (JDKs) bereitgestellt wird. Bei den Angaben zu den Systemvoraussetzungen für den Betrieb von CEE findet man dazu folgende Notiz: „Die Unterstützung für das IBM-i-Betriebssystem wird mit der späteren Bereitstellung eines Fixes verfügbar gemacht.“ Wegen der umstrittenen Lizenzpolitik, die der Eigentümer Oracle eingeschlagen hat, wirft das Zusammenspiel von Java mit IBM i schon seit etlichen Jahren Fragen auf.
Dazu muss man wissen: CEE ist aus dem ERP-Produkt Semiramis hervorgegangen, das 2006 von dem auf die AS/400 und ihre Nachfolger spezialisierten Münchener SoftM Software und Beratung AG übernommen worden, die ihrerseits seit November 2008 dem polnischen IT-Konzern Comarch gehört und seit Juni 2010 als Comarch Software und Beratung AG firmiert. Bei Comarch löst CEE schon vor Jahren das ehemalige Flaggschiff-Produkte SoftM Suite ab, das nicht mehr aktiv vermarktet wird, und wird als prädestinierter Nachfolgekandidat für SoftM Suite positioniert. Eingesetzt wird die Software u.a. von Victorinox, Allied Vision Technologies oder KIK.
Das mit der Vorgängerversion im Februar 2021 eingeführte Comarch Design System, eine komplett neue, alternative Bedienungsoberfläche, wurde mit CEE 6.3 um einen Navigationsmodus ergänzt; au0erdem wurden aufgrund der bisherigen Erfahrungen diverse Bedienungselemente auf den neuesten Stand gebracht. So können z. B. im neuen Navigationsmodus die geöffneten Anwendungen über Karteireiter angesteuert werden. Die Karteireiter sind im Anwendungsbereich immer sichtbar, sodass auf das bisherige Navigationsfenster für das Benutzermenü und die Favoriten verzichtet werden kann.
Diese Reiter sind in diesem Modus in einer Seitenleiste untergebracht, die eingeklappt werden kann. Das gibt Platz für den Anwendungsbereich frei, bei gleichbleibendem Komfort für das Ein- und Ausblenden des Benutzermenüs und der Favoriten. Außerdem wurde die Zahl anzeigbarer Favoriten und kürzlich verwendeter Anwendungen deutlich erhöht, weil diese jetzt in einem Menü rechts der Seitenleiste ausgeklappt werden und sich somit über das ganze Anwendungsfenster erstrecken können. Darüber hinaus wurden in einer aufgeräumten Topleiste die Klicks für den Zugriff auf die Online-Hilfe, Benutzereinstellungen und Organisationsauswahl reduziert.
Bei der Erfassung von Artikelmerkmalen können Benutzer mit einer neuen Unterscheidung gezielt Merkmale innerhalb der Artikelmerkmal-Klassifikationen einstufen bzw. fein justieren. Dabei stehen die Merkmaltypen „Global“, „Gruppe“ und „Lokal“ zur Auswahl. Dies ermöglicht Unternehmen mit komplexer Artikelstruktur bzw. internationalen Aktivitäten eine bessere Steuerung ihrer Artikel. Für das Gruppieren steht die neue Tabellen-Anwendung „Artikelmerkmalgruppen“ zur Verfügung, worin Benutzer eine Gruppen-Identifikation und Bezeichnung erfassen.
Ebenfalls neu ist, dass Referenz-Artikel nicht nur Blättern, sondern auch Ordnern zugeordnet werden können. Zudem können Werte für Referenz-Artikel festgelegt werden, die für Varianten-Artikel nicht änderbar sind. Darüber hinaus können Benutzer für Referenz-Artikel festlegen, welche Artikelmerkmale bei den zugehörigen Varianten-Artikeln in Kombination eindeutige Werte haben müssen. Natürlich stehen auch entsprechende Cockpit-Anwendungen für Abfragen, Import-/Export-Funktion und Korrektur-Anwendung zur Verfügung.
In ausgewählten Beleg-Anwendungen kann für einen gegebenen Referenz-Artikel über die Artikelmerkmale nach den dazugehörigen Varianten gesucht, die Mengen pro Variante festgelegt und diese anschließend als neue Belegpositionen zu einem vorhandenen Beleg hinzugefügt werden. Das vereinfacht die Übernahme bei Aussparung des Positionseditors. Für die Suche stehen die Artikelmerkmale der Referenz-Artikel, Varianten-Artikel und sonstige Artikelmerkmale zur Verfügung. Ein ähnliches Verfahren ist auch für Artikel möglich.
Die internationale Einsatzfähigkeit von Comarch ERP Enterprise wurde auch durch Anpassungen bei der Festlegung der Anzahl an Nachkommastellen für Preise gestärkt: Diese wurde in die Anwendung „Währungen“ verlagert. Darin können Benutzer nunmehr die Anzahl an Nachkommastellen für Preise und für Beträge separat bestimmen. Dadurch ist gezielter pro Währung festlegbar, wie gerundet werden soll.
Wenn Eingangsrechnungen automatisch aus dem Verteilprozess erzeugt heraus werden, dann spiegelt das nicht immer den Lieferprozess wider. Eine Lieferung kann unter Umständen erst lange nach dem Erzeugen einer Eingangsrechnung erfolgen oder lange dauern. Dieser Umstand kann sich negativ auf die Bestandsbewertung auswirken, wenn Rechnungen in Fremdwährungen erzeugt werden und Wechselkurse schwanken.
Um darauf geeignet reagieren zu können, steht für Eingangsrechnungen aus Verteilung, die sich im Status „Freigegeben“ nicht direkt bearbeiten lassen, die bekannte Aktion „Kurs oder Lieferanten-Rechnungsdatum ändern“ zur Verfügung. Darüber können Benutzer den Wechselkurs ändern, wenn dies die Vorbedingungen zulassen. Darüber hinaus kann in der Eingangsrechnungsart festgelegt werden, welchen Status eine Eingangsrechnung aus Verteilung nach ihrer Erzeugung erhalten soll. Daneben wurde auch bei automatischen Buchungen die Flexibilität für die Benutzer erhöht.
In einem andockbaren Fenster „Dokumentdateien“ werden Dokumentdateien angezeigt, die mit dem Geschäftsobjekt verknüpft sind, das im Anwendungsbereich geöffnet ist. Mit einem Klick kann die jeweilige Dokumentdatei geöffnet werden. Darüber hinaus wurde das Hochladen einer Datei über die Anwendung „Dokumente“ optimiert: Per Drag & Drop oder über den Browser lassen sich Dateireferenzen einfügen und mit dem „Dokument“ verknüpfen.
Um die Erfassung von Dokumenten mit Verknüpfung zu Geschäftsobjekten zu beschleunigen, können Vorschlagswerte hinterlegt werden, zum Beispiel für Dokumentart und geeignete Dokument-Verknüpfungsarten. Für die vereinfachte Erfassung von Notizen zu Geschäftsobjekten steht eine neue Aktion zur Verfügung. Mithilfe dieser Aktion können Benutzer die wenigen Daten, die für Notizen erforderlich sind, in einem Dialogfenster erfassen. Durch Klicken eines Buttons wird die Notiz erzeugt.
„Cross Docking“ ist der Fachbegriff für das Durchreichen von Wareneingangsmengen direkt in die Warenausgangszone, sodass diese schnellstmöglich ausgeliefert werden können, denn der Transportprozess für das Ein- und Auslagern entfällt. Die Cross-Docking-Mengen richten sich nach den geplanten Abgängen in der Warenausgangszone, z. B. aufgrund von Vertriebsaufträgen. Eine Cross-Docking-Strategie kann in CEE für folgende Vorgänge genutzt werden:
Einlagerung auf einen unterteilten Lagerort ohne weitere Zielangaben
Umlagerung von der Wareneingangszone auf denselben Lagerort ohne weitere Zielangaben.
Benutzer können bestimmen, ob und wie sie eine Cross-Docking-Strategie nutzen möchten und einen Prüfungshorizont festlegen. Der Prüfungshorizont führt dazu, dass zunächst für die Warenausgangszone der Bedarf ermittelt wird und danach in Abhängigkeit der gewählten Cross-Docking-Strategie entweder eine Umlagerung auf die Warenausgangszone erfolgt oder doch eingelagert wird. Für den komfortablen Umgang mit entsprechenden Lageraufträgen steht zusätzlich das Gruppier- und Sortiermerkmal „Cross-Docking“ in den Anwendungen „Lagerorte“ und „Lagerauftragsarten“ bereit.
Für Lageraufträge lässt sich festlegen, ob und wie der für den Lagerauftrag zuständige Mitarbeiter ermittelt und verwendet werden soll, wenn der Lagerauftrag in Bearbeitung genommen wird. Dazu steht in der Anwendung „Lagerauftragsarten“ das neue Feld „Mitarbeiter automatisch zuordnen“ zur Verfügung. Zusätzlich steht gibt es in der Anwendung „Cockpit: Lageraufträge“ die Aktion „Mitarbeiter zuordnen“, um individuell eine Menge von Lageraufträgen einem Mitarbeiter zuzuordnen, sodass dieser die ihm zugeordneten Lageraufträge in seinem Arbeitsvorrat abrufen kann. Auch das Entfernen dieser Zuordnung ist damit möglich.
Auch in anderen Bereichen, vor allem im Vertrieb, gibt es funktionale und ergonomische Verbesserungen. „Durch Offenheit und Anbindungsfähigkeit ist diese ERP-Lösung in fast jede IT-Infrastruktur integrierbar, was wiederum eine schnelle Integration neuer Anwendungen wie IoT oder Unified Commerce ermöglicht“, sagt Pressesprecher Lechner. Dabei könne CEE auch „als flexibler Prozess- und Datenhub für große Infrastrukturen fungieren und diverse Anwendungen zu einem großen Frontend vereinen“. In den letzten Jahren habe sich das Einsatzgebiet immer mehr ausgeweitet, „sodass heute auf fast allen Kontinenten mit Comarch ERP Enterprise produziert und gehandelt wird“.
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