Schweizer IT-Dienstleister kauft Leipziger Comparex

Wachstumssprung für Software One

Software One, ein seit 1985 aktiver Anbieter im Bereich Software‐ und Cloud‐Portfolio‐Management im Privatbesitz mit mehr als 3.000 Mitarbeitern, kauft den IT-Dienstleister Comparex. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem bisherigen Comparex-Eigentümer, der Wiener Raiffeisen Informatik GmbH, wurde vergangene Woche unterzeichnet. Über die Bedingungen der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart; der Vollzug der Transaktion ist bis Juli 2019 zu erwarten, falls die notwendigen Genehmigungen erteilt werden.

  • Comparex-CEO Thomas Reich

    Comparex-CEO Thomas Reich bleibt Manager bei Software One.

Es entsteht ein Unternehmen mit mehr als 5.500 Experten und eigenen Niederlassungen in 88 Ländern und Serviceeinheiten in 150 Ländern. Laut Daniel von Stockar, Firmengründer und Aufsichtsratsvorsitzender von Software One, werde man gemeinsam mit rund 200 Standorten weltweit Kunden bei der Optimierung und Verwaltung von Softwarekäufen im Wert von über 10 Mrd. Euro unterstützen. Comparex-CEO Thomas Reich und Vertriebsvorstand Marc Betgem bleiben Manager bei Software One.

„Als Privatunternehmen prüfen wir mögliche Übernahmen sehr sorgfältig, um sicherzustellen, dass wir unser Kapital bestmöglich einsetzen. Zusammen mit unserem Investor KKR haben wir viel Zeit auf die Suche nach dem richtigen Partner verwendet. […] Die Gründer von Software One bleiben Mehrheitsaktionäre des zusammengeführten Unternehmens“, sagte von Stockar. Er sieht die Übernahme von Comparex als wichtigem Schritt auf diesem Weg der Software- und Dienstleistungsbranche zu einem Abonnementgeschäftsmodell. Der Hauptsitz soll in Stans, Schweiz, bleiben – aber auch der Comparex-Campus Leipzig soll weiterhin eine wichtige Rolle bei der Betreuung Kunden spielen, heißt es in der Pressemitteilung.

Software- und Cloud-Portfolio-Management

Software One versteht sich als Experte im Bereich Software- und Cloud-Portfolio-Management, der dem IT-Chef eine neue Art und Weise der Budgetierung und Optimierung seiner IT-Kosten ermöglicht, sowohl On-Premises als auch in der Cloud. Die Plattform Pyra Cloud beispielsweise erlaubt das digitale Supply-Chain-Management für Software-Produkte und Maximierung von Software-Investitionen. Zusammen bieten unsere Dienstleistungen im Bereich Software Portfolio Management (SPM) und Software Asset Management (SAM) die Methodik und die Rahmenbedingungen zur Optimierung der zugrundeliegenden IT‐Infrastruktur, zur Beschleunigung der Cloud‐Einführung und zur Minimierung von Compliance‐Risiken. Der Jahresumsatz wurde zuletzt mit 7 Mrd. Dollar beziffert.

Die Comparex-Gruppe, die auf eine wechselvolle Geschichte zurückblickt, beschäftigt nach Firmenangaben 2.450 Mitarbeiter an mehr als 80 Standorten in 36 Ländern in Europa, Asien und Amerika. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2017/18 betrug 2,533 Mrd. Euro. Das Unternehmen wurde wurde 1990 als PC-Ware vom Leipziger Unternehmer Knut Löschke gegründet, der sein Unternehmen im Jahr 2000 an die Börse brachte und 2009 an Raiffeisen Informatik verkaufte und damit das Unternehmen verließ.

Wechselvolle Comparex-Geschichte

Raiffeisen nahm PC-Ware von der Börse – und änderte den Namen 2011 in Comparex, ein 2009 übernommenes Systemhaus, dessen Wurzeln sogar bis ins Jahr 1986 zurückreichen. Damals wurde Comparex als Joint-Venture von BASF und Siemens zur Vermarktung ihrer Hitachi- bzw. Fujitsu- Mainframes gegründet. Nachdem sich beide Konzerne zurückgezogen, gehörte das Unternehmen seit 1999 dem IT-Konzern Persetel (heute BCX) aus Südafrika.

Nach einem Management-Buy-out in Europa im Jahre 2002, bildete sich rund um Comparex die Systemhaus-Gruppe TDMI. Nach deren Insolvenz 2009 hat PC-Ware im Zuge der Übernahme durch Raiffeisen Informatik Teile der ehemaligen Comparex übernommen und den Firmennamen geändert. Die Zentrale blieb aber in Leipzig und wurde seither weiter ausgebaut.

Allerdings hielten sich bereits seit dem Jahr 2015 hartnäckig die Gerüchte, dass Raiffeisen nach einem Käufer für Comparex suche, der dafür 350 Mio. Euro zahlen wolle. Jetzt wurde endlich ein Käufer gefunden. Was der gezahlt hat, ist bisher nicht bekannt. Erst Ende 2017 war bei Comparex der Vorstand neu besetzt und mit Dr. Reich ein Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Wilfried Pruschak bestellt worden. Pruschak hatte das Amt im April 2014 angetreten.

Auch in der Schweiz hat Comparex übrigens bereits eine wechselvolle Geschichte, die sogar die Gerichte beschäftigt hat.

Bildquelle: Gerd Altmann/Pixelio.de

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