Getrennte Welten zum Nachteil der Nutzer

Warentest kritisiert De-Mail und E-Postbrief

Die elektronischen Briefdienste stecken noch in den Kinderschuhen. Das zeigt ein Vergleich der Stiftung Warentest. Ihr größtes Manko: Sie sind nicht kompatibel. Nutzer des E-Postbriefs können keine Nachrichten an De-Mail-Adressen schicken und umgekehrt. Andere Fachleute sind nicht ganz so pessimistisch.

  • Martin Hager, Gründer und Geschäftsführer der Retarus Network Services GmbH in München

  • Jan Oetjen, Geschäftsführer für Web.de und GMX bei der 1&1 Internet AG

Seit kurzem gibt es die neuen De-Mail-Dienste von Telekom und Francotyp-Postalia; andere Anbieter wie 1&1 sind bei der Vorbereitung. Zwei Jahre älter ist der E-Postbrief der Deutschen Post. Beide Systeme sind sicherer als herkömmliche E-Maildienste, erfordern allerdings mehr Aufwand. Nutzer müssen sich zunächst anmelden und identifizieren.

Im Test war der E-Postbrief innerhalb von 24 Stunden einsatzbereit. Bei der Telekom De-Mail dauerte es eine Woche, bei Francotyp-Postalia mussten die Tester sogar einen Monat warten. Unterschiede gibt es auch bei den Preisen: De-Mails kosten je nach Datengröße zwischen 33 und 49 Cent. Teurer ist der E-Postbrief mit 55 Cent.

Vorsicht bei Rechtsgeschäften

Der Vorteil: Nachrichten und Dokumente können sowohl vertraulich als auch schnell via Internet verschickt werden. Doch Vorsicht mahnen die Warentest bei Rechtsgeschäften an, die die Schriftform erfordern: Die Kündigung eines Vertrags oder einer Versicherung ist mit dem E-Postbrief gar nicht und mit der De-Mail nur mit viel Extra-Aufwand möglich. Gegen eine Anmeldung spreche zudem, dass es zwischen beiden Systemen keine Verbindung gibt; die Zahl möglicher Empfänger ist somit stark begrenzt.

Also behalten auch klassische Kommunikationswege ihre Berechtigung, weiß auch Martin Hager, der vor zwanzig Jahren die Retarus Network Services GmbH gründete. Deshalb gilt es unter Aspekten wie Wirtschaftlichkeit, Performance, Zuverlässigkeit oder Sicherheit den richtigen Mix für das Unternehmen zu finden. „Managed Services, wie wir sie verstehen, setzen stets auf den individuellen Anforderungen und Bedürfnissen des Kunden auf“, betont Hager folglich im Interview mit DV-Dialog. „Daher ist eine gründliche Betrachtung und Analyse der spezifischen Anforderungen der Kommunikationsprozesse des jeweiligen Unternehmens unabdingbar, um den optimalen Mix zu finden.“

Den optimalen Mix finden

Diesen Mix gilt es immer wieder zu überprüfen, vor allem dann, wenn sich neue Kommunikationswege eröffnen wie jetzt mit DE-Mail oder E-Post-Brief. Das sind zweifellos Lösungen, die von Anwendern mit vergleichsweise geringem Mail-Aufkommen dringend erwartet wurden. Sie eignen sich aber auch für Unternehmen, die einerseits juristisch belastbare Dokumente in großer Zahl verschicken, andererseits eine Klientel bedienen, die nicht über die erforderliche IT-Architektur verfügt, die für eine rechtssichere Mail-Kommunikation erforderlich ist, beispielsweise Reise-Veranstalter.

„An dieser Stelle haben DE-Mail und der E-Post-Brief gewiss ihre Daseinsberechtigung“, so Hager – und gibt gleichzeitig zu bedenken, „dass diese neuen Kanäle nicht für die grenzüberschreitende Kommunikation geeignet sind. Ferner bleibt abzuwarten, welche Endkundenpreise sich im Wettbewerb langfristig als machbar und tragfähig erweisen.“ Für ihn sind beide Angebote Optionen, die dem Service je nach Kundenbedarf hinzugefügt werden können. Im B2B-Geschäft gebe es darüber hinaus die digitale Signatur, die allen rechtlichen Anforderungen genügt.

Ablösung der Briefpost eingeläutet?

Viel optimistischer ist mit Jan Oetjen, Geschäftsführer für Web.de und GMX bei der 1&1 Internet AG. „Der Start von De-Mail läutet die endgültige Ablösung der Briefpost als wichtigste Kommunikationsform zwischen Behörden, Unternehmen und Privatpersonen ein“, Opens external link in new windowprophezeit Oetjen im Interview mit DV-Dialog. Mit De-Mail komme die Rechtsverbindlichkeit in die elektronische Kommunikation. Sie schließt damit eine Lücke: Heute entsteht schriftliche Kommunikation meistens bereits, wird dann ausgedruckt, kuvertiert und frankiert, um sie danach per Brief zu versenden. In den meisten Firmen wird der Schriftverkehr anschließend wieder eingescannt, um ihn elektronisch weiterzuleiten und zu archivieren. Dieser Weg ist zwar äußerst umständlich und kostenintensiv, war bisher aber die einzige Möglichkeit, rechtsverbindliche Nachrichten zu versenden. Mit De-Mail können diese nun auch ohne Medienbruch direkt elektronisch und dennoch rechtssicher übertragen werden.

De-Mail ist für die Mittelständler genauso interessant wie für die Privatkunden und Großunternehmen, weil sie ein enormes Kosteneinsparungspotential auf der einen Seite und einen Geschwindigkeits- und Effizienzgewinn auf der anderen Seite bietet“, argumentiert Oetjen. „Direkte Kosten werden bereits beim Porto gespart: Den 39 Cent für eine De-Mail stehen Vollkosten von über 70 Cent für einen Normalbrief entgegen. Druck- und Faxkosten, sowie Ausgaben für Umschläge, Briefmarken und Briefpapier fallen bei De-Mail nicht an. Durch die Freikontingente in den 1&1 Tarifen ist die Ersparnis durch De-Mail sogar noch höher.“

Automatische Archivierung

Zudem erübrigen sich durch De-Mail alle Diskussionen darüber, ob und wann Nachrichten eingegangen sind, weil dies jederzeit klar belegbar ist. Gerade Mittelständler, die mit geringen Verwaltungsbudgets auskommen müssen, werden darüber hinaus von den Vorteilen der automatischen Archivierung profitierten: Wo man vorher mühsam Ordner nach einem Behördenschreiben durchsuchen musste, reicht bei De-Mail die Eingabe eines Suchbegriffs im De-Mail-Postfach, um das gewünschte Dokument zu finden. Ferner kann der Unternehmer von überall aus auf seine elektronische Post zugreifen und sie bearbeiten.

www.francotyp.de

www.retarus.de

www.telekom.de

www.test.de

www.united-internet.de

Der ausführliche Test von DE-Mail und E-Postbrief

Bildquelle: Deutsche Telekom / Retarus / 1&1 Internet AG

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