Unser Autor Philipp Erdkönig ist Berater beim Low-Code-Spezialisten Webcon.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wenn Citizen-Developer Anwendungen entwickeln, fehlt ihnen dabei oft sowohl Zeit wie auch das Wissen, dass zur Applikations-Entwicklung nicht nur die eigentliche Konstruktion gehört – sondern auch Anforderungserfassung, Design, Modellierung, Sicherheits-Aspekte, Bereitstellung, Versions- und Änderungsverwaltung, Metriken, Überwachung, Prüfung, die Einhaltung von Vorschriften, Wartungsverfahren, Benutzerakzeptanz und -engagement sowie die Feedback-Erfassung. Die Folge: Anwendungen von Citizen-Developern müssen aufgrund von Fehlern meist unter der Kontrolle der IT-Abteilungen wieder neu aufgebaut werden.
Sind diese schließlich fertiggestellt, ergeben sich darüber hinaus oft Schwierigkeiten bei der Verwaltung, Kontrolle und Änderung der Applikationen sowie bei Integrationen und Skalierungen in andere Systeme des Unternehmens. Es entstehen Insellösungen, die nur schwer überprüfbar und unternehmensübergreifend nutzbar sind. Verlassen einzelne Citizen-Developer das Unternehmen, geht Wissen über die Entwicklung der Anwendung unwiederbringlich verloren.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Letztlich sind es nur die IT-Fachleute, die dieses Wissen gesammelt zusammenführen und den Blick auf das große Ganze haben. Sie sorgen dafür, das Betriebsrisiko bei der Anwendungsentwicklung möglichst klein sowie den Nutzen für das Unternehmen möglichst groß zu halten.
Eine Alternative ist der Ansatz des Citizen-assisted Development. Dieser geht davon aus, dass Fachanwender Anforderungen sammeln und einen Anwendungsprototyp innerhalb einer No-Code-Plattform erstellen. Das Tool stellt dabei sicher, dass alle von der IT benötigten Informationen gesammelt werden, um den Prototyp später in die endgültige Anwendung überführen zu können.
Der so erstellte Prototyp kann in diesem Stadium zum Testen gestartet und mithilfe des Feedbacks der Citizen-Developer schnell und agil verändert werden. Die Aufgabe der IT besteht darin, die Konfiguration des Prototyps nach Übernahme in eine Low-Code-Entwicklungsumgebung zu vervollständigen und ihn in eine vollwertige Lösung zu verwandeln – nicht darin, eine Anwendung auf Basis von beschreibenden Dokumenten und Grafiken neu zu entwickeln. Dieser Ansatz entlastet die IT-Teams und ermöglicht es ihnen, bisher unmögliche Größenordnungen von neuen Anwendungen pro Jahr umzusetzen und so langfristig den Back-Log abzubauen.
Die Klarheit, Einheitlichkeit und deutliche Kommunikation, die das Modell des Citizen-Assisted Development ermöglicht, beschleunigt die Anwendungsentwicklung und verbessert das Endergebnis für einzelne Anwender, die IT-Abteilung und für das gesamte Unternehmen deutlich.
Bildquelle: Webcon