Lighthouse Alliance kämpft gegen unberechtigte Lizenzaudits

Was tun beim Lizenzaudit?

Nicht erst seit der Corona-Krise versuchen Softwarehäuser, ihre Umsätze durch Lizenzaudits aufzubessern. Die Frage ist: Soll man ein Auditbegehren des Herstellers knallhart ablehnen – oder doch lieber nachgeben?

Markus Oberg, Chairman der Lighthouse Alliance

Markus Oberg, Chairman der Lighthouse Alliance, sieht „in der Regel Audits, die eher der Erzielung von Lizenzumsätzen dienen sollen. Dem muss Einhalt geboten werden!“

Die Angst, dass bei zu harter Ablehnung der Eindruck erscheint, dass man etwas zu verbergen hat und der Hersteller es einem beim nächsten Lizenzkauf heimzahlen will und nur noch minimale Rabatte gewährt, ist berechtigt. Das sagt jedenfalls Christian Grave, Experte für Oracle Lizenzaudits bei der Hamburger Prolicense GmbH. Auf der anderen Seite würden die Kosten „explodieren, wenn Software-Kunden quasi alles umsetzen, was Hersteller verlangen“.

Bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass es keine allgemeingültige Strategie für ein Software-Audit gibt. Es kommt immer auf den Einzelfall an. „Wir haben verschiedenste Audit-Szenarien analysiert und eine Entscheidungsmatrix für Software Audits erstellt“, so Markus Oberg, Chairman der Lighthouse Alliance, einer Kunden-Initiative gegen Software-Audits. Konkrete Beurteilungskriterien aufzustellen war dabei keine leichte Aufgabe. Unter anderen bezieht sich die Matrix auf die Fragen:

  • Worauf bezieht sich der Hersteller (Vertrag oder gesetzliche Regelung)?

  • Welches Recht liegt zu Grunde (zum Beispiel deutsches Recht oder US-Recht)?

  • Wie ist mein Wissensstand über den konkreten Hersteller?

  • Bin ich erpressbar?

Mit der neuen Entscheidungsmatrix, die auf den Erfahrungen aus vielen Software-Audits beruht, finden Kunden laut Oberg „schnell einen Anhaltspunkt, welche Strategie sich für eine genauere Betrachtung im Einzelfall lohnt“. Darüber hinaus stelle man auch Muster-Antwortschreiben zur Verfügung, die auf den konkreten Fall anpasst werden können. Bei der Lighthouse Alliance tauschen sich seit Ende 2016 über 30 Unternehmen, darunter einige DAX-Konzerne, bezüglich Ihrer Erfahrungen bei Software Audits aus.

„Neuerdings stellen wir fest, dass Hersteller kreativer werden, um ihre Kunden zu einem Software-Audit zu zwingen“, meint Chairman Oberg. „Beispielweise werden Audit-Aufforderungen nicht an die Firmenzentrale geschickt, sondern man versucht über Niederlassungen in Drittländern einen Einstieg zu finden“, ergänzt Grave. Es seien sogar Fälle bekannt, bei denen Kunden eine Supportanfrage stellten – und im Rahmen der Problemlösung vom Hersteller Daten erfasst wurden, die dann eine kurze Zeit später in einem Software-Audit präsentiert wurden. In anderen Fällen erreichte das Unternehmen die Audit-Aufforderungen per Email – und schon zwei Stunden später versuchten Wirtschaftsprüfer die Datenbankadministratoren zu interviewen.

„In wenigen Fällen mag ein Software-Audit angebracht sein, da zweifelsfrei der Verdacht einer Urheberrechtsverletzung besteht“, meint Oberg. „In der Regel sehen wir aber Audits, die eher der Erzielung von Lizenzumsätzen dienen sollen. Dem muss Einhalt geboten werden!“ Betroffene Unternehmen sollten sich nicht von Software-Herstellern unter Pauschalverdacht stellen lassen und auf ihre Rechte bestehen. Der Gesetzgeber hält klare Regelungen für eine Urheberrechtsverletzung bereit, die auch den Kunden schützen. Beispielsweise ist eine Untersuchung nur bei einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit zulässig, die auch vom Hersteller belegt werden muss.

Bildquelle: Prolicense GmbH

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