Yaaok automatisiert das Lifecycle-Management des Cloud-Betriebs

Wegbereiter für hierzulande gehostete Clouds

Das Open-Source-Werkzeug Yaook für den Aufbau souveräner Cloud-Infrastrukturen wurde im August von Schwarz IT und Cloud&Heat vorgestellt. Die IT-Organisation von Europas größter Handelsgruppe (mit Lidl, Kaufland, der Schwarz Produktion und Unternehmen des Wertstoffmanagements) will damit, getreu dem Vorbild Gaia-X, in Zusammenarbeit mit dem Green IT-Unternehmen Cloud&Heat einen Beitrag zu souveränen digitalen Cloud-Infrastrukturen für und in Europa leisten.

  • Dr. Marius Feldmann, COO der Cloud&Heat Technologies GmbH

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Dr. Marius Feldmann, COO der Cloud&Heat Technologies GmbH, spricht von einem Meilenstein auf dem Weg zu einer leistungsfähigen, transparenten und auf freier Software basierenden und in Deutschland gehosteten Cloud. Insbesondere mittelständische Unternehmen, die Wert auf hohe Sicherheitsstandards legen, werden adressiert – allerdings Stand heute keine Anwender von Power-Systemen der IBM.

Mit Yaook - das Akronym steht für „Yet another Openstack on Kubernetes“ – haben die seit 2020 kooperierenden Partner nun eine quelloffene Suite für das Lifecycle-Management (LCM) beim Bereitstellen von Cloud-Infrastrukturen entwickelt. Dabei geht es um die Vorbereitung und den Betrieb der Softwarekomponenten, die zum Bilden eines Cloud-Clusters auf Basis von Openstack, der offenen Cloud-Infrastruktur der IBM-Tochter Red Hat für Virtuelle Machine, Bare-Metal-Server und Container, nötig sind. Als technische Basis nutzt Yaook, das natürlich von beiden Partner auch für die eigenen Cloud-Services genutzt wird, das Open-Source-System Kubernetes.

Feldmann ist überzeugt davon, dass digitale Souveränität nur auf Basis quelloffener Cloud-Infrastrukturen möglich ist. „Auch die Gaia-X-Initiative wird ohne offene Infrastrukturen ihre Ziele nicht erreichen können“, meint Feldmann. „Open Source ist eine wichtige Voraussetzung für Interoperabilität und Unabhängigkeit. Nur so kann beispielsweise einem ‚Vendor-Lock-In‘ effizient entgegengewirkt werden.“

Yaook kann auch eingesetzt werden, um Secustack, eine sicherheitsgehärtete Variante von Openstack, zu betreiben. Neben der abgesicherten Übergabe der Daten in die Cloud und einer strikten Trennung von Mandantennetzwerken, erhalten die Kunden bei dieser Variante die volle Kontrolle über ihre kryptografischen Schlüssel. Mit diesen zusätzlichen Sicherheitsmechanismen hält Feldmann Yaook sogar für Betreiber kritischer Infrastrukturen – Stichwort Kritis – für attraktiv, die hohe Ansprüche an Datenschutz und -sicherheit haben.

Das Cloud-Projekt sieht Feldmann also nicht in Konkurrenz zur europäischen Gaia-X-Initiative. Vielmehr erhofft er sich mit Gaia-X ein Ökosystem, in dem Cloud-Angebote gemeinsam entwickelt und betrieben werden. Entsprechend sollen mit Yaook auch die Ziele des „Sovereign Cloud Stack“ (SCS) unterstützt werden.

Die über 3500 Mitarbeiter starke Schwarz IT liefert nicht nur die technische Basis für die digitale Transformation der Schwarz-Gruppe, sondern auf Basis eigener Rechenzentren in Deutschland und Österreich auch Colocation in Form von RZ- oder Rack-Space sowie Cloud-Infrastruktur- und Plattform-Services (IaaS und PaaS) in Enterprise-Qualität.

„Eine direkte Zusammenarbeit mit IBM oder Google gibt es nicht, aber es bestehen Kontakte zur ‚Open Infrastructure Foundation‘“, erklärte Jonas Schäfer von Cloud&Heat auf Anfrage von DV-Dialog. „Probleme, die in OpenStack gefunden werden, aller Möglichkeit nach ‚upstream‘, d.h. direkt bei Openstack gelöst, durch Einreichen von Patches oder Beisteuern von Lösungswegen.“

Derzeit fokussiert sich die Entwicklung allerdings auf x86-Architekturen. Es gibt keine offizielle Unterstützung für IBM Power, da keiner der bisherigen Beitragenden solche Hardware zur Verfügung hat bzw. einen Bedarf hätte, um diese Unterstützung zu entwickeln. „Denkbar ist ein Support der IBM-Power-Architektur, wenn die Abhängigkeiten dort unterstützt werden“, so Schäfer. „Dazu zählen neben Kubernetes auch die Openstack-Komponente Ironic, welche dafür verwendet wird, die Bare-Metal-Maschinen bereitzustellen.“

Aktuell ist es laut Schäfer möglich, „mit sehr wenigen Handgriffen einen Openstack-Cluster inklusive der Komponenten Keystone, Glance, Cinder, Nova, Neutron, Horizon, Gnocchi, Ceilometer und Barbican auf einem bestehenden Kubernetes-Cluster zu starten. Dabei werden automatisch Infrastrukturdienste wie Datenbanken und Message-Queues provisioniert.“

Insbesondere beim Nova-Dienst existiert ausgeklügelte Logik, um bei Updates-Instanzen von der Maschine wegzuimigrieren und damit sicherzustellen, dass Kundenlasten davon nicht negativ betroffen sind. Laut Schäfer ist es geplant, diese Funktionalität auf andere zustandsbehaftete Dienste (wie die Neutron-Agenten) zu erweitern und – darauf aufbauend – einen vollautomatischen Betriebssystem- und Software-Updatezyklus zu implementieren.

Auf der Hardwareebene existiert bereits eine Automatisierung, die neue Nodes erkennt und mit einem Tool für das Hardware-Inventory-Management zusammenbringt. „Darauf aufbauend befindet sich gerade eine Automatisierung in der Entwicklung“, so Schäfer. Die soll dann „mit nur wenigen Handgriffen“ durch den Betreiber den kompletten Yaook-Cluster starten.

Bildquelle: Thinkstock, Cloud&Heat Technologies GmbH

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