Radikaler Schnitt oder vorsichtig Schritt für Schritt?

Wege zu moderner Software

Heute sind spezifische Kernanwendungen der IT für den Geschäftserfolg wichtiger denn je.

„Die Herausforderung besteht in ihrer Entwicklung und Wartung auf verschiedensten Plattformen“, weiß Frank Balzer, IT-Berater bei CA. „Diese Geschäfts- und Anwendungssysteme müssen einerseits die Strategie der Organisation unterstützen, gleichzeitig aber flexibel genug sein, um die Änderungen zu adaptieren, die das Umfeld permanent erfährt.“

Eine Zwickmühle, die Anwendungsmodernisierung zu einer Daueraufgabe der IT-Abteilung macht, wie Constanze Zarth im Titelinterview von DV-Dialog 10/2012 betonte. Der IT-Chef habe an der Stelle Handlungsbedarf, wenn seine User unzufrieden sind, weiß Zarth als COO der Group Business Software AG. Sie kennt auch ein zweites Indiz für Modernisierungsbedarf: Anforderungen an die IT, denen der IT-Chef gar nicht oder nur sehr schwer und damit verspätet gerecht werden kann.
 
Um die Unterstützung der Geschäftsprozesse schnell und nachhaltig zu verbessern, kommt es für Dirk Pohla, Vertriebsleiter Business Process Management bei IBM, auf drei zentrale Faktoren an: Benutzerakzeptanz, Flexibilität und ein exaktes Kosten- und Prozesstiming. Werkzeuge dafür liefert IBM nicht nur unter dem Dach der Marke Rational, sondern auch in der Websphere-Familie. Der Grund: Der Websphere Process Server unterstützt nun auch die von IBM zugekaufte Software Lombardi für das Business Process Management (BPM); im Zusammenspiel werden sowohl eher informationsflussgeprägte Prozessabläufe zwischen Programmen als auch personenbezogene Workflows implementiert. Somit kann Lombardi gut zur Anwendungsmodernisierung in der AS/400-Welt genutzt werden.

BPM kann so zur Methode der Wahl bei der Anwendungsmodernisierung werden – statt Updates altbewährter Software oder eigenentwickelten Ergänzungen für neue Anforderungen wie Sepa oder E-Bilanz. „Wir sehen immer wieder, dass in veraltete Software in Form aufwendiger Releasewechsel investiert wird, nur um bestimmte gesetzliche Anforderungen oder einige wichtige Wünsche der Fachabteilungen abzubilden“, kritisiert Andreas Köhler, General Manager der Innovabee Group. Oder es würden externe Systeme „angestrickt“, die dann andere Oberflächen haben und nicht wirklich integriert sind.

Alte Zöpfe abschneiden?

Themen wie echte Branchenfunktionalität, Internationalität, automatische Intercompany-Prozesse, EDI oder Mobile werden so aber nicht adressiert. „Dabei stehen die damit verbundenen Budgets oft in keinem zu rechtfertigenden Verhältnis mit dem möglichen Nutzen“, rät Köhler dazu, auch einmal „alte Zöpfe“ abzuschneiden. „Mit diesen Budgets könnte man oft einen guten Teil einer Ablösung der alten Systeme durch eine moderne Branchenlösung erreichen, die Komplexität und Kosten der IT-Landschaft reduziert.“
Andererseits steckt in den vorhandenen Anwendungen oft viel Spezialwissen des Unternehmens, das über Jahre akkumuliert und verifiziert wurde. Das gibt es nicht als Standardsoftware zu kaufen.

Das Menetekel des Scheiterns ehrgeiziger Projekte, die aus dem Kosten- und Zeitbudget laufen, vermeidet eine zielführende Anwendungsmodernisierung. Erfolgreich kann die aber nur auf der Basis einer umfassenden Analyse erfolgen, weiß PKS-Geschäftsführerin Heidi Schmidt. Diese Analyse müsse vom Sourcecode über die Entwicklungsprozesse bis hin zur Usability bei den Anwendern reichen. „Ebenso muss eine Entscheidungsmatrix erstellt, ausgefüllt und bewertet werden, damit man den optimalen Weg in die Zukunft definieren kann“, rät Schmidt. „Zu empfehlen sind überschaubare Schritte im Modernisierungsprojekt, damit auch rasch positive Ergebnisse sichtbar werden und sich die Investition bezahlt macht.“

„Sind die Projektziele für die Anwendungsmodernisierung einmal klar definiert, lassen sich die kritischen Etappen der Umsetzung leicht identifizieren und ausarbeiten“, sagt Detlef Bürk, Gründer und Geschäftsführer von Abateq IT Solutions in Baden-Baden. Einfach ausgedrückt stehe man wie so oft vor den Fragen: „Wer, was, wie, wann“. Hierbei sei auch zu klären, welche Ressourcen verfügbar und welche Trainingsmaßnahmen erforderlich sind.

Mit 5250-Anwendungen in Richtung Web 2.0

Einen „zielstrebigen Weg zur Modernisierung“ bewährter 5250-Anwendungen in Richtung Web 2.0 schlägt auch Andreas Strietholt vor. Der Geschäftsführer der Waltroper Task Force IT-Consulting GmbH empfiehlt dazu die Werkzeuge Genie und UI des US-Herstellers Profound Logic Software, von denen er in den letzten zwölf Monaten fünf Neukunden überzeugen konnte.

Mit dem UI-Designer lassen sich „Rich Displays“ für RPG-Programme erstellen, indem für den RPG-OA-Handler der WORKSTN-Eintrag ergänzt und kompiliert wird – auch für mobile Endgeräte. „Sowohl der alte 5250-Datenstrom als auch die neuen RPG-OA-Programme greifen ineinander über, so dass eine Umstellung auf eine Web-2.0-Oberfläche vollkommen entspannt und ohne enges Zeitfenster vorgenommen werden kann“, so Strietholt.

Die eigentliche Herausforderung bei der Anwendungsmodernisierung sieht IBM-Manager Pohla letztlich aber darin, „eine ausgewogene Balance zwischen einer deutlichen Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und dem Aufbau agiler, offener und flexibler Lösungen herzustellen. Beides unter Berücksichtigung des Kostenaspektes.“

Bildquelle: Thinkstock/iStockphoto

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