DSAG-Investitionsreport 2020

Wendepunkt bei SAP S/4 Hana

Das Gesamtbudget für IT-Investitionen steigt in 2020 bei fast der Hälfte der DSAG-Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleiches gilt für die Investitionen in SAP-IT. Das hat der Investitionsreport 2020 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) ergeben. Beim neuen SAP-Produkt S/4 Hana ost laut Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG, „der Wendepunkt erreicht“.

  • Dr. Marco Lenck, DSAG

    Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG, will die Aufklärungsarbeit weiter intensivieren.

Fast fünf Jahre nach der Ankündigung von S/4 Hana investieren die DSAG-Mitglieder in das neue Produkt nun erstmals mehr als in den Klassiker Business Suite. Außerdem hat sich demnach die Zahl der Unternehmen, die S/4 bereits produktiv nutzen, vom bisher sehr niedrigem Niveau signifikant erhöht – von drei auf zehn Prozent. S/4 Hana in der Cloud sei funktional noch nicht soweit wie die Business Suite, so Lenck auf Nachfrage. Das könne man von S/4 Hana on Prem so pauschal nicht sagen.

S/4 Hana on Prem im Kern runderneuert

S/4 Hana on Prem sei zwar im Kern runderneuert und weise sicher nicht die identische Funktionalität wie ECC auf, so Lenck. Nicht unbedingt weniger Funktionalität, manchmal nur andere. Die eigentlichen Anwendungen rund um den Kern herum seinen jedoch im großen und ganzen funktional identisch bei S/4 und Business Suite. Daher gelte es für jeden IT-Chef, die Unterschiede und ihre Auswirkungen für das Unternehmen vor einem Umstieg sorgsam zu prüfen.

Lenck spricht von einer Wachablösung, die er so bei den Cloud-Lösungen aber nicht sieht. Hier sei „noch Luft nach oben“. Bei den Applikations-Plattformen in der Cloud liege Microsoft Azure deutlich vor der SAP Cloud Platform. Unabhängig von SAP komme die Digitalisierung immer noch nur langsam voran.

Generell hohe Investitionsbereitschaft

Das Budget für allgemeine Investitionen in die IT 2020 steigt bei 46 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH). Bei 19 Prozent der Befragten sinkt es, bei 35 Prozent bleibt es gleich. Über alle Unternehmen hinweg steigt das Budget um durchschnittlich 4 Prozent. In Bezug auf die SAP-Investitionen wollen 49 Prozent der Befragten mehr investieren. Gleichzeitig sinken die Budgets für SAP aber auch bei 19 Prozent der Befragten, bei 32 Prozent bleiben sie gleich.

„Die generell hohe Investitionsbereitschaft ist in der allgemein angespannten wirtschaftlichen Gesamtsituation ein bemerkenswertes Zeichen. Dies gilt aber offensichtlich nicht für alle Bereiche. 24 Prozent der Befragten aus produzierenden Unternehmen gaben an, dass ihr Budget sinkt. „Das könnte damit zusammenhängen, dass aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung Unternehmen z. B. aus der Automobilindustrie trotz Digitalisierung noch etwas vorsichtiger in die Zukunft schauen“, schätzt Lenck die Zahlen ein.

Wendepunkt überschritten

Die Relevanz der Business Suite hat laut Lenck „weiter abgenommen“, es sei der „Wendepunkt klar überschritten“. Erstmals in den letzten vier Jahren überwiegen die „hohen und mittleren“ Investitionen in S/4 Hana On-Premise und Public Cloud (52 Prozent) diejenigen in die Business Suite (35 Prozent). Zudem stieg die Quote derer, die in diesem Jahr noch umsteigen wollten, von fünf Prozent in den Jahren 2018 und 2019 auf neun Prozent. „Viele, die einen Umstieg planten, haben diesen nun offensichtlich umgesetzt oder sind gerade dabei“, erläutert Marco Lenck. Das zeige deutlich: S/4 Hana sei „2019 endgültig im Markt angekommen“, zumal diese Quote in den kommenden drei Jahren weiter steigen werde. Planen doch stattliche 40 Prozent, in diesem Zeitraum ebenfalls umzusteigen. „Das dürfte auch deutliche Implikationen auf den Beratermarkt mit sich bringen“, ergänzt Lenck.

Die Zahl derer, die weiterhin auf SAP ERP setzen, liegt im Vergleich zum Vorjahr konstant bei sechs Prozent. Noch keine Entscheidung haben 13 Prozent getroffen, das sind drei Prozent weniger als im letzten Jahr. „Das heißt, knapp 20 Prozent sind noch ohne S/4-Hana-Strategie“, so Marco Lenck.

Bei der S/4-Hana-Public-Cloud jedoch stagniert die Entwicklung nach wie vor im mittleren einstelligen Bereich. „Daraus schließen wir als DSAG, dass die bestehende Kundschaft von SAP noch deutlich besser abgeholt werden muss, was die Funktionalitäten der Cloud-Lösungen generell betrifft. Die Public Cloud ist zurzeit nicht die ‚To-go-Lösung‘, auf die die Kunden setzen. So gibt es z. B. in der Öffentlichen Verwaltung, der Gesundheitsbranche und in der Fertigungsindustrie noch Bedenken“, fasst Marco Lenck zusammen.

Systemkonversion favorisiert

Bei der Umstellung auf S/4 Hana schlagen die Unternehmen unterschiedliche Wege ein, als Neuimplementierung („Greenfield“) 20 Prozent umgesetzt bzw. geplant. Eine Systemkonversion („Brownfield“) ist bei 39 Prozent der favorisierte Ansatz. Gemischte Szenarien wie z. B. hybride Lösungen bevorzugen nur sieben Prozent. 34 Prozent sind in ihrer Entscheidung noch offen. „Hier braucht es dringend adäquate Entscheidungshilfen, um letztlich auch die abzuholen, die noch keine Entscheidung getroffen […] haben“, ist Marco Lenck überzeugt.

Bei der Relevanz der Applikations-Plattformen (Platform-as-a-Service/PaaS, nicht Infrastruktur) liegt Microsoft Azure mit 24 Prozent bei „hohen und mittleren“ Investitionen klar vorn. Auf dem zweiten Platz folgt die SAP Cloud Platform mit 14 Prozent. „Diese Konstellation könnte darauf zurückzuführen sein, dass Microsoft vorrangig als generelle Digitalisierungsplattform in den Unternehmen eingesetzt wird und die SAP Cloud Platform eher als Plattform für Lösungen der SAP die erste Wahl ist“, kommentiert Marco Lenck das Ergebnis.

Viele Unternehmen scheinen aktuell noch in einer Zwickmühle gefangen, glaubt Lenck Die Zukunft liege klar in der Digitalisierung, das aktuelle wirtschaftliche Umfeld scheine dafür aber in vielen Bereichen noch nicht bereit zu sein. Dennoch komme Bewegung in die Sache, denn S/4 Hana sei aus dem langen Schatten der Business Suite herausgetreten.

Nichtsdestotrotz sind noch zu viele ohne konkrete S/4-Hana-Strategie unterwegs. Oder es fehlt noch die klare Linie, welchen Ansatz sie für den Umstieg wählen sollen. Das bedeutet laut Lenck: „SAP und DSAG müssen auch in diesem Jahr die Aufklärungsarbeit zum Nutzen der Anwender weiter intensivieren. Gleiches gilt für die Cloud-Ansätze und die Unterstützung von SAP-Projekten im Zusammenhang mit der Digitalisierung.“

Bildquelle: DSAG

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