Bei Suse, dem alternativen Plattform-Lieferanten, sieht man die Ankündigung gelassen. Auf Anfrage von DV-Dialog heißt es: „Wir gehen nicht davon aus, dass die Ankündigung […] einen wesentlichen Einfluss auf die Wachstumsraten des SAP-Geschäfts von Suse haben wird.“
Red Hat Enterprise Linux (RHEL) ist seit 2017 nach Suse Linux Enterprise Server (SLES) eines der beiden bisher zertifizierten Betriebssysteme für SAP S/4 Hana – und damit für die aktuelle Generation der ERP-Software aus Walldorf. SAP verlagert demnach einige seiner internen Workloads auf RHEL, um moderne Workloads effizienter zu betreiben, insbesondere Rise, das Cloud-basierte ERP-Produkt. „Die internen IT-Umgebungen von SAP und die SAP Enterprise Cloud Services, die Red Hat Enterprise Linux einsetzen, gewinnen an Flexibilität, um aktuellen und zukünftigen Technologieanforderungen gerecht zu werden“, heißt es in der Presseinformation. „In Kombination mit Rise with SAP bietet Red Hat Enterprise Linux eine verbesserte Performance […] in Cloud-Umgebungen und ebnet Kunden den Weg für die Cloud-Einführung und -Transformation.“
Die IBM-Tochter stellt der SAP nun Produktingenieure und Vor-Ort-Ressourcen zur Verfügung, um die Walldorfer Entwicklungs- und Technikteams bei der Standardisierung und der Interoperabilität zu unterstützen. SAP-Mitarbeiter können dabei spezifische technische Fachkenntnisse erwerben und ihr Wissen über die Hybrid-Cloud-Technologien von Red Hat durch virtuelle und angeleitete Schulungen von Red Hat sowie praktische Übungen vertiefen.
„Unternehmen, die ihre Business-Intelligence- und Analytics-Systeme auf die offene Hybrid-Cloud ausweiten wollen, benötigen eine Betriebssystembasis, die für diese kritischen Vorgänge auf allen Plattformen getestet und validiert ist und der sie vertrauen“, sagte Gunnar Hellekson, Vice President and General Manager der Enterprise Linux Business Unit bei Red Hat.
Bei Suse, dem Lieferanten der Linux-Alternative zu RHEL für die Hana-Plattform, reagiert man auf diese Ankündigung gelassen, obwohl man offensichtlich beim Marketing-Programm „Rise with SAP“ ganz klar in die zweite Reihe versetzt wird. „SAP hat seine Strategie der zwei Betriebssystemanbieter stets transparent kommuniziert“, hieß es auf Anfrage von DV-Dialog. „Daher sollte diese Nachricht nicht überraschen und nicht als Hinweis auf geringere Chancen für Suse gewertet werden. Es ist erwähnenswert, dass es in den letzten zwölf Monaten noch weitere Ankündigungen von SAP und IBM zum Thema Rise gegeben hat, von denen sich keine auf unser Geschäft ausgewirkt hat.“ Gemeint sind Ankündigungen vom Mai durch SAP und IBM. Zuvor ging es im Februar um den Move in die Cloud.
Als Unternehmen will sich Suse demnach „weiterhin darauf konzentrieren, unsere gemeinsamen SAP/Suse-Kunden bestmöglich zu unterstützen“. Man habe gemeinsam in mehr als 20 Jahren enger Partnerschaft ein „enormes Know-how“ aufgebaut und sei „eindeutig der führende Anbieter von Betriebssystemen für SAP, wenn es darum geht, neue Lösungen zu entwickeln und diese erfolgreich für Kunden in großem Umfang zu betreiben“. Für die SAP-Teams sei der Lernaufwand für die Arbeit mit Suse Linux daher sehr gering, hieß es süffisant – wohl mit Blick auf die vom Rivalen für SAP bereitgestellten Ressourcen.
SAP kommentierte die erweiterte Partnerschaft mit der IBM-Tochter auf Anfrage von DV-Dialog kurz und bündig so: „Die Neuigkeiten und die bevorzugte Verwendung von Red Hat Enterprise Linux durch SAP beschränken sich auf neue ‚Rise with SAP‘-Implementierungen. SLES ist nach wie vor die bevorzugte Basis für bestehende Hana-Kunden.“
Suse Linux Enterprise Server for SAP Applications war und bleibt ein integraler Bestandteil der „Rise with SAP“-Referenzarchitektur, auch wenn Red Hat jetzt einen neuen Status bekommt. Weil Rise derzeit aber nur einen geringen Anteil an der Gesamtzahl der SAP-Implementierungen ausmache, sei es wichtig, sich das Gesamtbild vor Augen zu halten, betont Suse in einer langen Antwort auf unsere Anfrage, „denn Suse wird von SAP-Kunden unabhängig von ihrer Implementierungslandschaft bevorzugt“. Grund sei die enge Zusammenarbeit mit SAP und dem SAP-Ökosystem seit mehr als 20 Jahren. „Daran hat sich nichts geändert“, heißt es weiter. Aktuell habe man Linux für Hana einen Marktanteil von 85 Prozent – und einen Marktanteil von 100 Prozent bei der Business-One-Version für Hana. 70 Prozent aller SAP-Anwendungen unter Linux laufen demnach auf dem speziell konfigurierten SLES für SAP-Anwendungen, der SAP endorsed und mit einer Premium-Zertifizierung versehen sei. „Kein anderes Linux hat diesen Status erlangt“, betont Schneider.
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