Der Anwenderverein DSAG stellt den Investitionsreport 2018 vor

Wie attraktiv ist SAP S/4 Hana?

„Digitalisierung schlägt sich in Budgets nieder!“ Unter dieser Überschrift veröffentlichte die „Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe“ (DSAG) in dieser Woche die Zahlen des Investitionsreports 2018. Ein Augenmerk bei der Vorstellung vieler Zahlen lag auf der Akzeptanz des neuen SAP-Produktes S/4 Hana, die seit dem vergangenen bei den SAP-Kunden nicht gewachsen ist.

  • Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG

    Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG: Die Zahl der Umstellungen auf S/4 Hana hat 2017 nicht merklich zugenommen.

  • DSAG Investitionsreport 2018

Wie es aber um die Akzeptanz generell bestellt ist, muss offen bleiben, denn Neukunden werden eher auf moderne Hana-Lösungen wechseln als auf die bewährte Business-Suite. Diese Zahlen kann die DSAG bei ihren Mitgliedern naturgemäß nicht erheben, da die meisten Neukunden der SAP wohl erst nach dem Vollzug des Wechsels Mitglied der DSAG werden.

Ein Ergebnis des DSAG-Investitionsreports 2018 ist jedenfalls, dass im Zuge der laufenden Digitalisierung nicht alles neu gemacht wird. Demnach investieren 85 Prozent der befragten DSAG-Mitglieder in bestehende Geschäftsprozesse. „85 Prozent der Befragten fokussieren sich auf eine Effizienzsteigerung bestehender Geschäftsprozesse im Zuge der Digitalisierung. Der Anteil hat gegenüber 2017 um mehr als 30 Prozentpunkte zugenommen“, wertet der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck die Ergebnisse.

Höhere IT-Budgets für 40 Prozent der Befragten

Über ein höheres IT-Budget verfügen 40 Prozent der Befragten. Dieses steigt um durchschnittlich 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei 40 Prozent wachsen die SAP-Investitionen um durchschnittlich 37 Prozent; bei knapp 50 Prozent der befragten DSAG-Mitglieder bleiben die IT-Budgets und die Investitionen für SAP-Produkte und -Services unverändert.

„Bestehende Geschäftsprozesse zu digitalisieren ist bei den DSAG-Mitgliedern nach wie vor wichtiger als in neue Geschäftsmodelle zu investieren, auch wenn beides gestiegen ist“, interpretiert Lenck ein weiteres Umfrageergebnis. Demnach erachten zwei Drittel der Befragten Investitionen in neue Geschäftsmodelle als wichtig bis sehr wichtig. Das dürfte auch für Nicht-SAP-Kunden gelten; wenn die sich aber einmal für den Wechsel des ERP-Systems entschieden haben und dabei SAP als neue Plattform ins Auge fassen, dürfte S/4 Hana als Nachfolger der Business-Suite meistens favorisiert werden

Generell steigen die Investitionsbudgets bei fast der Hälfte der DSAG-Mitglieder. In Sachen digitaler Transformation sehen sich 44 Prozent der Unternehmen auf einem guten Weg. Die Digitalisierungsbestrebungen schlagen sich auch im Investitionsverhalten nieder. Bezogen auf SAP-Produkte lieferte die Umfrage folgende Ergebnisse: Die Bekanntheit von Leonardo steigt langsam und die Bedeutung von S/4 Hana bleibt bei den SDSAG-Mitgliedern auf Vorjahresniveau.

Digitalisierung: Sensibilität steigt

War Leonardo, ein Portfolio der SAP aus Technologien, Anwendungen und Services für das Internet der Dinge, im Herbst 2017 unter DSAG-Mitgliedern noch relativ unbekannt, interessiert sich jetzt fast die Hälfte der Befragten dafür. Entsprechende Projekte in den Unternehmen sind aber noch spärlich gesät; zurzeit nutzen 2 Prozent Leonardo und 10 Prozent planen den Einsatz für 2018. Aktuell kennen immer noch rund 40 Prozent das Portfolio nicht oder haben es nicht verstanden. „Der Aufklärungsbedarf bleibt weiterhin immens“, erklärt Lenck. „Inwieweit sich das für SAP-Kunden eignet, muss jeder für sich bewerten.“ Denn auch mit Alternativlösungen anderer Anbieter lassen sich Digitalisierungsvorhaben umsetzen.

Wie bereits im vergangenen Jahr wurden die DSAG-Mitglieder nach der Relevanz der ERP-Lösungen sowohl On-Premise als a uch in der Cloud befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass es zu keiner weiteren Verschiebung hin zu S/4 Hana gekommen ist. Zwar gehen die Haupt- und mittleren Investitionen in die Business Suite um rund 10 Prozentpunkte (Herbst 2017) auf 48 Prozent zurück. Das Wachstum wirkt sich aber nicht auf Projekte mit S/4 Hana aus. Diese bleiben nahezu konstant. Ein Aufwärtstrend ist jedoch bei S/4 Hana als Cloud-Lösung spürbar (+ 4 Prozentpunkte). „Nach wie vor wird in beide Produkte investiert. Wir sehen aber deutlich, dass die Bedeutung der Business Suite ungebrochen ist. Lediglich ein Fünftel der DSAG-Mitglieder plant keine Projekte in diesem Umfeld“, kommentiert der DSAG-Vorstandsvorsitzende die Zahlen.

S/4 Hana: Umsteigen oder doch nicht?

Nahezu unverändert im Vergleich zum vergangenen Jahr sind auch die Ergebnisse zum geplanten Umstiegszeitpunkt der DSAG-Mitglieder, wobei 3 Prozent der Mitglieder S/4 Hana derzeit bereits einsetzen (+ 1 Prozentpunkt). 5 Prozent der Befragten planen, in diesem Jahr umzusteigen; ein Drittel in drei Jahren. Ein Viertel der Umfrageteilnehmer hat sich diesbezüglich noch nicht entschieden und 13 Prozent planen auf der Business Suite zu verbleiben.

Für Marco Lenck ein bemerkenswertes Resultat. „Der im vergangenen Jahr prognostizierte Zuwachs von 4 Prozent an Umstiegen auf S/4 Hana wurde nicht realisiert“. Trotz zahlreicher Projekte hat die Zahl der Umstellungen nicht merklich zugenommen. „Das könnte daran liegen, dass der Übergang komplexer ist als gedacht und S/4-Hana-Projekte daher noch nicht beendet werden konnten“, bemerkt der DSAG-Vorstandsvorsitzende.

Integration von Services: Mit welcher Plattform?

Da in Zeiten der Digitalisierung die Integration von Services für Unternehmen immer wichtiger wird, wartet der DSAG-Investitionsreport 2018 mit einem neuen Thema auf. Auf die Frage: Welche Plattform favorisieren Sie aktuell (z. B. im Hinblick auf die schnelle und agile Integration von Services) antworteten 31 Prozent mit der SAP Cloud Platform und verwiesen damit Microsoft Azure mit 22 Prozent auf den zweiten Platz. Die Amazon Web Services kommen bei 7 Prozent der befragten Mitglieder zum Einsatz. 41 Prozent nutzen andere Plattformen als die genannten. „Selbst unter SAP-Anwendern sind alternative Plattformen weit verbreitet. Daher ist die Interoperabilität unter DSAG-Mitgliedern eine wichtige Forderung“, fasst Lenck zusammen.

Wie geht es weiter mit Hana?

Die Umstellungsquote nach S/4 Hana ist im Moment noch nicht so hoch. Fertige Projekte sind noch eine Seltenheit: „Wir merken, dass viele Unternehmen sich mit S/4 Hana beschäftigen. Ich bin gespannt, wann der Durchbruch mit abgeschlossenen Projekten im deutschsprachigen Raum kommen wird. Nach wie vor hat die Business Suite bei unseren Mitgliedern Bestand, weshalb eine Weiterentwicklung sichergestellt werden muss“, fasst Marco Lenck die Ergebnisse zusammen. Wie eingangs erwähnt könnte das Bild anders aussehen, wenn darin auch die Neukunden der SAP berücksichtigt würden.

Versäumt hat es die DSAG, eine Frage zur Ablösung SAP Business Suite nicht durch den designiertem Nachfolger Hana, sondern durch Produkte von SAP-Rivalen wie etwa Microsoft, Oracle, IFS, Epicor oder Infor zu erfragen. Die spielt nach Lencks Einschätzung auch keine größere Rolle als bisher schon, denn solche Wechsel des ERP-Systems aus strategischen, technischen oder funktionalen Erwägungen hat es immer schon gegeben.

 

Einen Druck von Seiten der SAP zu einem Wechsel sieht Lenck nicht, auch wenn der Zeitpunkt 2025 im Raume steht. „Bis dahin werden die Anwendungen der Business Suite mindestens gewartet“, sieht Lenck darin keinerlei Ultimatum. Wie es danach weitergehe, sei absolut offen und werde auch vom Verhalten der Kunden abhängig sein, Laut Lenck wird es für die Business Suite „auf jeden Fall“ auch nach 2025 weitergehen, wenn auch vielleicht zu höheren Wartungspreisen. Gute Beispiele für eine solche „extended maintenance“ bietet die SAP-Geschichte, etwa im Falle von R/2 und R/3 – den Vorläufern der Business Suite.

Erhebungsgrundlage der Investitionsumfrage

Insgesamt nahmen 334 Personen (CIOs, CC-Leiter und Unternehmensvertreter) aus DSAG-Mitgliedsunternehmen im deutschsprachigen Raum an der Online-Umfrage zwischen November 2017 und Januar 2018 teil. Befragt wurde jeweils ein Ansprechpartner pro Unternehmen. Knapp 60 Prozent der Teilnehmer kommen aus Unternehmen zwischen 1.000 und 4.999 Mitarbeitern, fast 30 Prozent aus Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern. Aus der Schweiz nahmen 52, aus Österreich 37 Unternehmen teil.

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